{"id":1198,"date":"2006-11-24T23:28:43","date_gmt":"2006-11-24T23:28:43","guid":{"rendered":"http:\/\/hodruz.de\/wordpress\/?p=1198"},"modified":"2006-11-24T23:28:43","modified_gmt":"2006-11-24T23:28:43","slug":"unglaubliches_ist_geschehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/unglaubliches_ist_geschehen","title":{"rendered":"Unglaubliches ist geschehen!"},"content":{"rendered":"<p>In den mittleren 70er Jahren des letzten Jahrhunderts sendete Bayern 2 einmal die Woche Musik aus fremden L\u00e4ndern und kommentierte diese. Besonders angetan hatten es meinem Vater Lieder aus Tahiti. Selten h\u00f6rten wir diese Art Musik und \u00e4rgerten uns meist, da\u00df der Rekorder nicht aufnahmebereit war. Irgendwann schaffte es meine Mutter aber, Fragmente von zwei oder drei Liedern auf Magnetband festzuhalten. Ebenso war mein Vater eines Tages erfolgreich und ergatterte ein paar Minuten dieser genialen Folklore. Das er dabei zwei sch\u00f6ne Lieder \u00fcberspielte war gar nicht so tragisch. Hauptsache, die &#8222;fr\u00f6hliche Negermusik&#8220; war endlich konserviert. \u00dcber die Jahre gew\u00f6hnten sich meine Familie durch hundertfaches Abnudeln der Kassetten 4 und 9 so an die Lieder, da\u00df wir jeden Trommelschlag und jeden Klatscher mitmachen konnten. Gerade beim Klatschen war das schon h\u00f6here Kunst, da dieses sehr ungew\u00f6hnlich plaziert war. 2001 verstarb mein Vater. Nach dem Umzug meiner Mutter waren auf einmal die alten Kassetten nicht mehr auffindbar. Gott sei Dank hatte ich aber noch die Kassettenhefte, in denen die Lieder verzeichnet waren. So konnte ich alle liebgewonnenen Lieder in der passenden Reihenfolge auf CD brennen. Nur bei wenigen Eintr\u00e4gen im Kassettenheft kam ich nicht weiter. Vor allem Tahiti &#8211; Folklore (Trommeln) half mir nicht sehr. Mein Ehrgeiz war also geweckt. Ich befragte die Mutter, die mir ziemlich genaue Angaben zu der Sendung machte, schrieb dem damaligen Moderator der Folkloresendung Georg Kostia eine Mehl, die er mir zwar sehr freundlich beantwortete, mir aber nicht helfen konnte, allzu vage waren meine Angaben. Auch die Mitglieder der Newsgroup de.rec.recherche.musik waren mit meinen wenigen Informationen nicht in der Lage zu helfen.<br \/>\nSelbst aus den unendlichen Weiten des Internets gelang es mir seit Jahren nicht, diese Musik aufzutreiben. In meiner Verzweiflung begann ich, alles, was den Namen Tahiti, Bora Bora oder Iaora im Namen hatte, zu sammeln. Au\u00dferdem kaufte ich diverse CDs und h\u00f6rte h\u00e4ufig in Musikl\u00e4den in s\u00fcdl\u00e4ndische CDs hinein.<br \/>\nSo lernte ich zwar die Band Tahiti80 kennen (durchaus anh\u00f6rbar) oder auch das Album der Gruppe Mouse on Mars &#8222;Iaora Tahiti&#8220; (durchaus unh\u00f6rbar), fand aber meine Musik aus der Jugend nicht wieder.<br \/>\nIch fand fast nur \u00f6den Ethno-Abklatsch und kommerziellen Mist. Einzig eine gute CD ersteigerte ich in den USA. Die war s\u00fcndhaft teuer (24,95 USD), enthielt aber echte, unverf\u00e4lschte und anh\u00f6rbare Musik aus der Gegend der Pazifik-Atolle.<br \/>\nAber eben nicht die Musik, die 197x in Bayern 2 lief.<br \/>\nDoch Aufgeben ist nur etwas f\u00fcr Babies und Kommunisten. Insofern holte ich letzte Woche zu einer erneuten Aktion aus. Ich erstand bei eBay eine <a href=\"http:\/\/cgi.ebay.de\/ws\/eBayISAPI.dll?ViewItem&amp;sspagename=STRK%3AMEAFB%3AIT&amp;viewitem=&amp;item=260052543173&amp;rd=1&amp;rd=1\">Minisammlung<\/a> von vier Langspielplatten mit Musik aus Tahiti.<br \/>\nDiese traf nun heute ein. Nun legte ich vorhin die erste Platte auf: Kommerz-M\u00fcll!<br \/>\nEgal, Platte 2 wurde aufgelegt und&#8230;hmm, es war schon in die Richtung, aber eben nicht das, was ich suchte. W\u00e4hrend noch Lied 2 dieser Schallplatte lief, begutachtete ich die beiden \u00fcbrigen LPs. Nummer 3 sah vielversprechend aus. Doch hatte der Vorbesitzer dort schon auf der R\u00fcckseite vermerkt: &#8222;Studioaufnahme mit Synthesizer, keine authentischen Aufnahmen!&#8220;. Aha, offensichtlich ein Leidensgef\u00e4hrte. Also legte ich die Nummer 3 ungeh\u00f6rt in die Ecke und schaute mir die letzte Platte an. &#8222;Stereodimension&#8220; prangt riesig vom Cover. Und auf der R\u00fcckseite wird ausf\u00fchrlich beschrieben, wie toll Stereoton sein kann.<\/p>\n<blockquote><p>Jeder wei\u00df das: Auch auf Tahiti &#8230; haben die Menschen <strong>zwei<\/strong> Ohren! Die bronzeh\u00e4utigen Polynesier sind nicht anders konstruiert als wei\u00dfh\u00e4utige Europ\u00e4er. Sie h\u00f6ren allesamt &#8222;stereo&#8220;! &#8230; &#8222;schwimmt&#8220; in Musik. Er ist mittendrin. Aus dem Zuh\u00f6rer ist ein Teilnehmer geworden, ein Erlebnispartner.<br \/>\n<strong>Eins<\/strong> kann diese Schallplatte hier allerdings noch nicht bieten. Sie kann nicht den Duft jener Blumen verbreiten, die in die Haare der busenfreien Polynesierm\u00e4dchen geflochten sind. An dem Problem arbeiten die Techniker noch. Wir sagen Bescheid, wenn es soweit ist.<br \/>\nVorerst aber &#8212; und das ist gewi\u00df genug: Stereophonie macht das &#8222;Knopfloch&#8220; zum Raum! <\/p><\/blockquote>\n<p>Hmm, toll! Klar, 1969 war das noch ein Verkaufsargument, aber mich interessierte nun doch die Musik. Ich legte die LP auf und &#8230; ES IST MEINE SEIT JAHREN GESUCHTE MUSIK. Genau diese Musik. Genau der selbe Schreihals, der selbe Chor, die gleichen unpassenden Klatscher, die ich nat\u00fcrlich auf Anhieb noch korrekt mitmachen kann.<br \/>\nIch habe es geschafft. Ich bin gl\u00fccklich und zufrieden.<br \/>\nMein oben erw\u00e4hnter Tahiti-Freund mochte leider diese Platte auch sehr. Sie ist in einem j\u00e4mmerlichen Zustand. Vielleicht finde ich ein besser erhaltenes Exemplar oder kann mit einigen Softwarezaubertricks die schlimmsten Knisterer, Kratzer und Knackser auf ein ertr\u00e4glich Ma\u00df reduzieren. Aber ich habe meine Musik wieder! Ein St\u00fcck Kindheit lebt. Eine Erinnerung ist wieder lebendig. Das Leben ist sch\u00f6n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den mittleren 70er Jahren des letzten Jahrhunderts sendete Bayern 2 einmal die Woche Musik aus fremden L\u00e4ndern und kommentierte diese. Besonders angetan hatten es meinem Vater Lieder aus Tahiti. Selten h\u00f6rten wir diese Art Musik und \u00e4rgerten uns meist, da\u00df der Rekorder nicht aufnahmebereit war. Irgendwann schaffte es meine Mutter aber, Fragmente von zwei [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,11],"tags":[],"class_list":["post-1198","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","category-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1198","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1198"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1198\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1198"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1198"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1198"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}