{"id":261,"date":"2010-05-26T21:53:09","date_gmt":"2010-05-26T21:53:09","guid":{"rendered":"http:\/\/hodruz.de\/wordpress\/?p=261"},"modified":"2020-11-16T23:21:23","modified_gmt":"2020-11-16T23:21:23","slug":"nachlese","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/nachlese","title":{"rendered":"Nachlese"},"content":{"rendered":"<p>Letzten Freitag hatte ich eine Einladung zu einem Doppelkopfabend nebst Schaumweinverkostung. Diese zugegebenerma\u00dfen ungew\u00f6hnliche Kombination hat man nicht alle Tage, so fieberte ich seit Wochen diesem Abend entgegen.<br \/>\nWir waren 5 Herren, darunter auch durchaus <a href=\"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/index.php?title=naturalienhandel&amp;more=1&amp;c=1&amp;tb=1&amp;pb=1\">kompetente Vertreter<\/a>, und starteten mit einem Quiz, in dem ich meine (Un-)kenntnis unter Beweis stellen konnte. Naja, soo schlecht war ich gar nicht, wu\u00dfte ich doch, was Prosecco ist (eine Rebsorte), kannte die ideale Trinktemperatur von Champagner (5-7) und wu\u00dfte dank des Gastgebers, was <a href=\"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/index.php?title=heute_zum_fruhstuck_gab_es&amp;more=1&amp;c=1&amp;tb=1&amp;pb=1\">Krug<\/a> ist.<br \/>\nHingegen wu\u00dfte ich nicht, da\u00df man die kaiserlichen Kriegsschiffe mit Sekt der Marke S\u00f6hnlein taufte, da\u00df die f\u00fcr die Kriegsschiffe eingef\u00fchrte Sektsteuer von damals einer Reichsmark heute immer noch mit 1,02 EUR zu Buche schl\u00e4gt wu\u00dfte ich dann wieder.<br \/>\nFreunde von Aldi Spumante zu 1,79 EUR bedenken also bitte, da\u00df f\u00fcr Verpackung, Distribution, Etikett, Lagerung, Agraffe und Gewinn nur noch 0,77 EUR bleiben, der Rest geht definitiv an den  Vater Staat, der uns alle noch einmal unter Mutter Erde bringen wird, aber ich schweife ab.<br \/>\nWer \u00fcbrigens gerade bei dem Wort <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sekt#Sektkorken\">Agraffe<\/a> nicht wu\u00dfte, was das ist, ist in guter Gesellschaft mit dem Autor dieser Zeilen, ich wu\u00dfte es auch nicht.<br \/>\nWas ich auch nicht wu\u00dfte, war, da\u00df ein erfahrener Flaschendreher am Tag 40.000 Champagnerflaschen drehen kann. Und vieles andere mehr auch nicht. Oder war jedem der Leser klar, da\u00df mit 25% des Welt&#8220;bedarfs&#8220; unser Deutschland den mit Abstand gr\u00f6\u00dften Marktanteil hat?<br \/>\nNach so viel Theorie durfte die Praxis nicht zu kurz kommen, die Verkostung begann. Der als Aperitif gereichte Lambrusco zu 8 EUR war als netter Auftaktscherz gedacht, denn der Gastgeber hatte tief in die Geldb\u00f6rse gegriffen. Neben edlem K\u00e4se, Brot und guten Mineralwasser gab es n\u00e4mlich nun beinahe ausschlie\u00dflich Champagner zu kosten.<br \/>\nNach jeder Verkostung wurden alle Teilnehmer nach ihrem Eindruck befragt und eine Notenbewertung (0 = Sp\u00fclwasser, 15 = perfekt) abgegeben, dann wurde das Geheimnis der eben getrunkenen Probe gel\u00fcftet.<br \/>\nDen Anfang machte ein <strong>Heidsieck &amp; Co Monopole, Brut, Cuvee Prestige<\/strong> zu 29 EUR. Also gute Industriequalit\u00e4t und ein richtiger Griff f\u00fcr einen runden Geburtstag oder ein Familienjubil\u00e4um. Im Schnitt kam er mit 10 Punkten auch recht gut weg.<br \/>\nDann gab es, quasi als Ausrei\u00dfer, einen rheinhessischen Winzersekt <strong>Raumland, 2004 Silvaner, Prestige Brut<\/strong> zu 16 EUR. Der war etwas zu sehr in der S\u00e4ure und bekam einen Punkt weniger.<br \/>\nDoch nun kamen die \u00dcberraschungen Schlag auf Schlag.<br \/>\nZun\u00e4chst gab es einen <strong>Dom Perignon, Brut, Vintage 2000<\/strong>. Zu diesem Champagner kann man u.a. <a href=\"http:\/\/www.internetoase.de\/Frankreich\/Champagne\/Dom_Perignon\/6222254_Champagner_Dom_Perignon_Brut_Vintage_2000.html\">lesen<\/a>&#8230;<\/p>\n<blockquote><p>Der Geschmack ist \u00fcberw\u00e4ltigend, Auftakt zu einer Vollmundigkeit, die sich komplex am Gaumen ausbreitet und immer sinnlicher wird. Nuancen von Anis und getrocknetem Ingwer verbinden sich mit den Fr\u00fcchten Birne und Mango, die eher fest als reif sind. Das Finale erreicht seinen H\u00f6hepunkt, bevor es abklingt, geschmeidig, ausgereift, allumfassend.<br \/>\nEin undefinierbarer Zauber liegt diesem Champagners inne, ohne jemals seine Pers\u00f6nlichkeit zu beeintr\u00e4chtigen.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>So ganz stimme ich mit dem Autor nicht \u00fcberein, gab ihm aber mit 13 Punkten meine H\u00f6chstnote des Abends. Die Experten am Tisch gaben hingegen nur 8 Punkte. Das gab einen Aufschrei, als das Etikett gezeigt wurde. Klar, die feine Perlage hatten sie gesehen und auch am edlen Duft ein preisintensiveres Getr\u00e4nk erwartet. Doch der Geschmack \u00fcberzeugte eben nicht vollends und auch die S\u00e4ure war arg betont.<br \/>\nDoch es sollte noch schlimmer kommen. Der n\u00e4chste Champagner wurde gereicht, der bekam eine noch schlechtere Bewertung als der rheinhessische Winzersekt. Doch es war, ein mit 94 <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Parker-Punkte\">Parker-Punkten<\/a> bewerteter <strong>Krug 1998, Brut<\/strong>. Wer wissen will, wieviel diese Pl\u00f6rre kostete, der atme tief durch und <a href=\"http:\/\/www.gourmondo.de\/g\/product\/1001012001\/Krug-Vintage-1998-in-Geschenkpackung+Krug.jsf\">klicke hier<\/a>.<br \/>\nSo teuer und so entt\u00e4uschend. Edel war an diesem Zeugs nur die Verpackung und der Preis, wo ich bei Letzterem aber eher zu gepfeffert tendiere.<br \/>\nWie mu\u00dften an dieser Stelle erst einmal eine Essenspause machen und warten, bis sich die Gem\u00fcter wieder beruhigten. Da die benachbarte Pizzeria schon den Ofen aus hatte, lie\u00dfen wir uns Filet-Burger kommen. Diese schmeckten wohl, waren aber nicht ends\u00e4ttigend. Daf\u00fcr pa\u00dften sie mit einem Preis von 12,50 EUR\/Stck. sehr gut zum teuren Ges\u00f6ff.<br \/>\nWeiter ging die Verkostung. Nun gab es wieder mehr als 10 Punkte f\u00fcr den n\u00e4chsten Champagner. Aber alle beklagten den \u00fcbersauren Abgang und den mangelnden Charakter, da n\u00fctzt auch die sch\u00f6nste Perlage nichts.<br \/>\nUnd wieder ein Paukenschlag, wieder eine Entt\u00e4uschung, ein <strong>Louis Roederer, Critstal, 2002<\/strong> ist das <a href=\"http:\/\/www.internetoase.de\/Frankreich\/Champagne\/Louis_Roederer\/6111143_Champagne_Louis_Roederer_Cristal_Brut_2002.html\">Gelaber<\/a> und schon gar nicht den Preis wert.<br \/>\nKann das noch getoppt werden? Aber sicher, denn jetzt kam der teuerste Schampus des Abends an die Reihe. Der <strong>Dom Perignon, Rose, Vintage 1998<\/strong> entt\u00e4uschte am meisten. Ich h\u00f6rte danach mit dem Zeugs auf, weil mir die Pl\u00f6rre sauer aufstie\u00df und auch die anderen Verkoster gossen die H\u00e4lfte des Glases in den Restbeh\u00e4lter.<br \/>\nDa kann der <a href=\"http:\/\/www.karstadt.de\/Champagner-Dom-Perignon-Rose-Vintage-1998-0-75-l-Fl\/p\/?lc=6&amp;pt=43&amp;pfad=2976+884194+6194+884109+885014%20&amp;pid=3277670&amp;ln=1\">Karstadt<\/a> noch so nette Worte finden, 349 EUR sind daf\u00fcr ca. 320 EUR zuviel. Wir waren regelrecht geschockt, ausgesuchte Jahrg\u00e4nge aus bester Lage, von Meisterhand gedreht, 7 Jahre auf der Hefe usw. und dann&#8230; schmecken die wie Faber-Sekt. Au weia, au weia.<br \/>\nUnd mittlerweile schon des Schocks unf\u00e4hig, reihte sich auch der letzte Spitzen-Champagner des Abends in die Liste der Entt\u00e4uschungen ein. Es war ein <strong>La Grande Dame, 1998, Brut, Veuve Clicquot Ponsardin<\/strong>, \u00fcber den man <a href=\"http:\/\/www.karstadt.de\/Champagner-Veuve-Clicquot-La-Grande-Dame-1998\/p\/?lc=9&amp;pt=33&amp;un=1&amp;bst=520&amp;custom=1376270471301192704 &amp;pfad=2976+884194+6194+884109+876288&amp;pid=3277852&amp;abt=0&amp;ln=3\">tolle Sachen lesen kann<\/a> und der trotzdem niemanden vom Hocker ri\u00df.<br \/>\nDie bl\u00f6den russischen Oligarchen haben echt die Qualit\u00e4t versaut, in dem sie sich in St. Moritz und Monaco diese Champagner reichen lassen, um sie ihren Gespielinnen in den Ausschnitt zu spritzen. Anders kann ich mir den Verfall nicht erkl\u00e4ren. Oder ist es sp\u00e4tr\u00f6mische Dekadenz?<br \/>\nDie Verkostung war nun vorbei und hatte doch einen mehr als \u00fcberraschenden Verlauf genommen. Nun wurde flei\u00dfig Doppelkopf gespielt (ich gewann 5 EUR) und dabei die angebrochenen Flaschen geleert. Und auch beim Nachkosten \u00e4nderte sich nichts am Fazit des Ausrichters:<\/p>\n<blockquote><p>Im Prinzip handelte es sich um verdeckte Champagnerprobe; um so mehr war dann auch die \u00dcberraschung danach. Auch die Prestige-Champagner sorgten f\u00fcr einen Aha-Effekt: ihr Preisvorsprung &#8211; so war die Fachjury sich einig &#8211; ist im Geschmack nicht zu erkennen &#8211; edel ist nur der Preis; am besten von den Edelchampagner hat in der Fachbewertung seitens der Jury Dom Perignon, Brut, Vintage 2000 abgeschnitten, wobei vermutlich der Ausnahmejahrgang 2000 die entscheidende Rolle gespielt hat.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nochmals an dieser Stelle vielen Dank dem edlen Spender und Gastgeber dieses wunderbaren Abends.<br \/>\nUnd allen, die einmal einen guten Champagner <em>trinken<\/em> wollen, sei dringend empfohlen sich in der Region 30 EUR +-10 EUR umzuschauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzten Freitag hatte ich eine Einladung zu einem Doppelkopfabend nebst Schaumweinverkostung. Diese zugegebenerma\u00dfen ungew\u00f6hnliche Kombination hat man nicht alle Tage, so fieberte ich seit Wochen diesem Abend entgegen. 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