{"id":304,"date":"2010-03-06T08:47:55","date_gmt":"2010-03-06T08:47:55","guid":{"rendered":"http:\/\/hodruz.de\/wordpress\/?p=304"},"modified":"2010-03-06T08:47:55","modified_gmt":"2010-03-06T08:47:55","slug":"offener_brief","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/offener_brief","title":{"rendered":"Offener Brief"},"content":{"rendered":"<p>In der Ostseezeitung erschien k\u00fcrzlich ein Artikel \u00fcber das Buch &#8222;Mein erstes Leben&#8220; von Dr. Dietrich von Maltzahn. Da deren Onlinearchiv nix kann, setze ich den Artikel einfach mal hier herein und betone, da\u00df alle Rechte daran bei der Ostseezeitung liegen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/oz_artikel.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/oz_artikel_klein.jpg\" alt=\"Artikel\" title=\"Klicken, ums zu vergroessern.\" \/><\/a><br \/>\nNun ist es so, da\u00df mir \u00fcber meine Familie das Schicksal der von Maltzahns pers\u00f6nlich bekannt ist und mir um so n\u00e4her geht. Endlich konnte ich nachlesen, was damals wirklich geschah. Ich kann jedem Bundesb\u00fcrger nur empfehlen, sich ein paar Stunden Zeit zu g\u00f6nnen und dieses Buch zu lesen, denn danach relativiert sich vieles. Danach empfindet man die Tagespolitik als nicht mehr so grottig und lernt die Begriffe Rechtsstaat und Freiheit durchaus wieder zu sch\u00e4tzen.<br \/>\nNach der Lekt\u00fcre war es mir ein Bed\u00fcrfnis, mich beim Autor zu bedanken. Hier der Brief:<\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Dr. von Maltzahn,\tNieder-Olm, im Februar\/M\u00e4rz 2010<br \/>\nes ist mir ein tiefes Bed\u00fcrfnis, mich auf diesem Wege bei Ihnen f\u00fcr Ihr Buch \u201eMein erstes Leben\u201c zu bedanken. Sie zeigen in aufr\u00fcttelnder Weise das wahre Gesicht des Kommunismus. Gleichmacherei ist dem menschlichen Geist zutiefst zuwider und der bittere Ernst, mit dem die SED normale Menschen mit Freiheitsliebe unterdr\u00fcckte, l\u00e4\u00dft einen auch mit heutigem Abstand noch schaudern. Au\u00dfer Uwe Tellkamps \u201eTurm\u201c ist mir kein geschriebenes Werk bekannt, welches die wahre Seite der DDR so schonungslos aufdeckt. Mir blieb Ihr Schicksal gl\u00fccklicherweise erspart, denn dank meiner sp\u00e4ten Geburt (1967) reduzierten sich meine Erfahrungen mit der Stasi, oder der S2000, wie es beim Milit\u00e4r hie\u00df, lediglich auf zwei Verh\u00f6re; denn der zivil gekleidete Oberleutnant Schmid zog es, wie viele seiner Kollegen, vor, aus seinem Ungarn-Urlaub nicht wieder in die Kaserne zur\u00fcckzukehren.<br \/>\nNun endlich erfahre ich aus ihrer Feder, wie sich ihr Fluchtversuch wirklich zugetragen hat und welch bittere Konsequenzen er nach sich zog.<br \/>\nW\u00e4hrend ihrer Inhaftierung haben meine Eltern oft an Sie, an ihre Frau und nat\u00fcrlich auch an ihre Kinder gedacht; geredet wurde \u00fcber das Thema nur im Fl\u00fcsterton und meistens blieb ich davon ausgeschlossen, damit ich mich nicht in der Schule verplappere.<br \/>\nSp\u00e4ter war ihr Schicksal immer mahnendes Fanal, was passieren kann, wenn man aus der Spur l\u00e4uft und wie gnadenlos der sozialistische Staat Andersdenkende verfolgt.<br \/>\nVielleicht trug Ihre Geschichte auch unbewu\u00dft dazu bei, da\u00df ich nun in der N\u00e4he des Flughafens Frankfurt wohne und in der beruhigenden Gewi\u00dfheit lebe, in wenigen Minuten mit einem werthaltigen Pa\u00df das Land in jede beliebige Richtung verlassen zu k\u00f6nnen. Daran denke ich fast t\u00e4glich und erinnere mich auch oft daran, da\u00df vor 20 Jahren alleine der Gedanke an so etwas gef\u00e4hrlich war und eine Umsetzung in die Realit\u00e4t exotischer erschien, als der Besuch des Mondes.<br \/>\nVerzeihen Sie mir die ungelenken Worte, sie dr\u00fccken nur unvollst\u00e4ndig meine Gedanken aus, nochmals vielen Dank f\u00fcr Ihr Buch, m\u00f6gen es viele Menschen lesen und verinnerlichen. Wer nach der Lekt\u00fcre nicht tief ber\u00fchrt ist, der ist kein Mensch und hat keine Ehre.<br \/>\nHochachtungsvoll<br \/>\nJoachim M\u00f6glich\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Ostseezeitung erschien k\u00fcrzlich ein Artikel \u00fcber das Buch &#8222;Mein erstes Leben&#8220; von Dr. Dietrich von Maltzahn. Da deren Onlinearchiv nix kann, setze ich den Artikel einfach mal hier herein und betone, da\u00df alle Rechte daran bei der Ostseezeitung liegen. 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