{"id":3807,"date":"2014-04-13T07:20:45","date_gmt":"2014-04-13T07:20:45","guid":{"rendered":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/?p=3807"},"modified":"2014-04-13T07:20:45","modified_gmt":"2014-04-13T07:20:45","slug":"die-hosennaht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/die-hosennaht","title":{"rendered":"Die Hosennaht"},"content":{"rendered":"<p>Vor drei Wochen kaufte ich in Mainz im Modehaus ein. Eine Verk\u00e4uferin begeisterte mich f\u00fcr eine farbenfrohe Hose, die ich dann auch nebst anderen Sachen kaufte.<br \/>\nZu Hause mu\u00dfte ich feststellen, da\u00df an delikater Stelle die Naht auf zwei Zentimetern unterbrochen war, vielleicht hatte der der Fadentrenner bei der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Overlock-N%C3%A4hmaschine\" target=\"_blank\">Sicherheitsnaht<\/a> versagt.<\/p>\n<p>In meiner ersten Naivheit dachte ich an einen Umtausch. Schnell mu\u00dfte ich \u00fcber diese Idee schmunzeln, so leicht geht das in deutschen Landen sicher nicht. Und ich sollte recht behalten.<\/p>\n<p>Zuerst fand ich keine Zeit, in die Stadt zu gehen. Letzten Dienstag klappte es dann doch. Ich ging ins Gesch\u00e4ft, 4. Stock. Nat\u00fcrlich war keine einzige Verk\u00e4uferin anwesend, schon gar nicht die mich beratende Dame, daf\u00fcr erkundigte sich ein gegelter junger Mann nach meinem Begehr.<\/p>\n<p>Ich zeigte die unvollendete Naht und brachte auch gleich die irre Idee mit dem Tausch ins Spiel, zumal in Sichtweite ein ganzer Stapel gleichgef\u00e4rbter Artgenossen gestapelt war. Dieses freche Ansinnen wurde seitens des Verk\u00e4ufers ignoriert und er fragte nach dem Kassenzettel.<\/p>\n<p>Dem Kassenzettel! Immer, ich schw\u00f6re, immer hebe ich Kassenzettel auf, man wei\u00df ja nie (siehe oben). Doch diesmal habe ich ihn, ich wei\u00df es noch genau, smat T\u00fcte weggeworfen und mir dabei gedacht, hast Du sowieso noch nie gebraucht. <\/p>\n<p>Doch dieses Problem war gar keins, denn ich habe eine Kundenkarte, die in diesem Fall gl\u00fccklicherweise, ja alle meine Transaktionen dokumentiert. <\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Minuten, wurden Formulare ausgef\u00fcllt, mit Stecknadeln die betreffende Stelle markiert, Zettel angebunden und&#8230; dann ging es gemneinsam vom 4. Stock in die Parterre, wo ich an der Hauptkasse nach kurzer Wartezeit mit Erkl\u00e4rungen und Hinweisen zusehen d\u00fcrfte, wie das Hosenformular einen Stempel erhielt. Auch mein Abholzettel bekam einen Stempel aufgedr\u00fcckt. Ab Freitag, teilte man mir noch mit, k\u00f6nnte ich die reparierte Hose abholen. Die Schneiderkosten in H\u00f6he von 8,50 EUR erstatte man mir &#8222;aus Kulanz&#8220;. Nun verstehe ich unter Kulanz sicher nicht die Reparatur eines Werkfehlers an einer teuren Hose, aber der gegelte junge Mann kannte scheinbar die genauere Bedeutung des Wortes nicht.<\/p>\n<p>Egal, ich ging schleunigst zum Auto ins Parkhaus zur\u00fcck, wo ich dennoch 4,00 EUR Parkgeb\u00fchr berappen mu\u00dfte (1 Stunde und 7 Minuten hatte die R\u00fcckgabe gedauert).<\/p>\n<p>Gestern nun wollte ich die Hose abholen. Und das ging so:<\/p>\n<p>Ich fuhr gegen Mittag in die Innenstadt und parkte. Auf Grund des Wochenmarktes, der mittlerweile bis zum Stadtbrunnen ausgedehnt ist und dadurch an dieser Stelle Staus entstehen l\u00e4\u00dft, kam ich nur langsam ins Bekleidungsgesch\u00e4ft. Nat\u00fcrlich war dort mehr los als wochentags.<\/p>\n<p>Ich stellte mich an der Hauptkasse in Parterre an. Dort bedienten immerhin drei Leute, so da\u00df die Hoffnung bestand, es w\u00fcrde einigerma\u00dfen schnell gehen. Nun, die Hoffnung trog, denn die K\u00e4ufer waren durch die bank \u00e4ltere Ehepaare, die betulich alles hinterfragten, kluge Ratschl\u00e4ge gaben, umst\u00e4ndlich am ec-System scheiterten und, als Kr\u00f6nung, sich einen Antrag auf eine Kundenkarte ausf\u00fcllen lie\u00dfen. Egal, ich langweilte mich mit Anstand und kam endlich an die Reihe und konnte stolz meinen Abholzettel pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>&#8222;Oh&#8220;, sagte das schmalgesichtige M\u00e4dchen hinter der Kasse. &#8222;Abholung ist an der Kasse im 2. Stock.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Umpfh&#8220;, dachte ich und trabte in den 2. Stock. Dort bedienten zwei M\u00e4dels, das Publikum war gemischt, doch die Schlange ungleich l\u00e4nger. Naja, ich nahms mit Schulterzucken und stellte mich an und beantwortete l\u00e4nglich eine Kundenanfrage per Mehl. Danach spielte ich noch ein Spielchen, las alle neuen Nachrichten im Postillion, in der FAZ, dem Spiegel und bei heise und vertiefte mich in sogar einen technology-review-Artikel. <\/p>\n<p>Als ich damit fertig war, standen immerhin nur noch drei Leute vor mir. Die Dame vor mir und der junge Familienvater hinter mir waren mittlerweile schon kurz davor, Br\u00fcderschaft zu trinken und ich begann, mit der vierj\u00e4hrigen Tochter des Mannes zu sch\u00e4kern.<\/p>\n<p>Dann war ich endlich dran und konnte wieder stolz meinen Zettel vorweisen. Doch damit war der Lehrling, nur um einen solchen konnte es sich handeln, leicht \u00fcberfordert. Alle Arbeitsschritte (gehe nach hinten ins Lager, zweite T\u00fcr recht, links oben, die Nummer suchen und vergleichen, den Abschnitt abhaken, ins Ausgangsbuch eintragen, in die Tasche packen, die Tasche dem Kunden geben, Danke sagen) mu\u00dften dem armen M\u00e4del gesagt werden. Immerhin dauerte die Hosensuche nicht allzulange. Irgendwann war ich also wieder drau\u00dfen und qu\u00e4lte mich durch den \u00fcberf\u00fcllten Wochenmarkt zum Parkhaus. AM Gutenbergdenkmal campierten irgendwelche jungen Lebensk\u00fcnstler, die gemeinsam Reissalat mit den Fingern a\u00dfen, irritierend.<\/p>\n<p>Im Parkhaus sagte mir der Automat &#8222;1 Stunde, 2 Minuten&#8220; und wollte wieder 4,00 EUR. <\/p>\n<p>Ich holte das Auto ab und&#8230; dann war irgendeine St\u00f6rung und die Autos stauten sich an der Ausfahrt bis in den ersten Stock zur\u00fcck. Mir war schon alles egal, ich hatte Genesis im Autoradio, die mir aus dem 77er Livealbum &#8222;Seconds Out&#8220; gerade ihr episches&#8220;<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Supper%27s_Ready\" target=\"_blank\">Supper&#8217;s Ready<\/a>&#8220; vorspielten. Ganz so lange wie das Lied (mehr als 20 Minuten) reichte die St\u00f6rung dann nicht und ich konnte irgendwann das Parkhaus verlassen, ohne, wie ich es schon bef\u00fcrchtete, nachzahlen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Fazit: Um eine Naht zu reparieren braucht man: 1 Stunde Fahrzeit, mehr als 2 Stunden Modehausaufenthaltszeit, 2 x 4,00 EUR Parkgeb\u00fchren, viel Geduld und Humor und keine 8,50 EUR &#8222;Kulanz&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor drei Wochen kaufte ich in Mainz im Modehaus ein. Eine Verk\u00e4uferin begeisterte mich f\u00fcr eine farbenfrohe Hose, die ich dann auch nebst anderen Sachen kaufte. Zu Hause mu\u00dfte ich feststellen, da\u00df an delikater Stelle die Naht auf zwei Zentimetern unterbrochen war, vielleicht hatte der der Fadentrenner bei der Sicherheitsnaht versagt. 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