{"id":4584,"date":"2022-04-11T16:32:39","date_gmt":"2022-04-11T16:32:39","guid":{"rendered":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/?p=4584"},"modified":"2022-04-11T16:32:39","modified_gmt":"2022-04-11T16:32:39","slug":"erinnerungen-an-meinen-vater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/erinnerungen-an-meinen-vater","title":{"rendered":"Erinnerungen an meinen Vater"},"content":{"rendered":"<p>Keine Angst, liebe DDR-Sozialisierte, ich bin nicht Irma und erinnere nicht an Ernst Th\u00e4lmann.<\/p>\n<p>In wenigen Tagen ist es 21 Jahre her, da\u00df mein Vater nicht mehr am Leben ist. Er hat die Euroeinf\u00fchrung nicht mehr miterlebt, das Attentat in Winnenden, den Anschlag auf das World-Trade-Center und und und. Gl\u00fccklicherweise auch nicht die Corona-Zeit, ich wei\u00df beim besten Willen nicht, wie er sich dazu verhalten h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte heute nur einen Gru\u00df aus der Vergangenheit zu Worte kommen lassen. \u00dcber ein soziales Medium erlangte ich gestern Kontakt zu einer Dame, die sich nach 28 Jahren noch lebhaft an meinen Vater erinnert, hat er doch wahrscheinlich damals ihrem Sohn das Leben gerettet.<\/p>\n<p>Lassen wir sie sprechen (Rechtschreibung behutsam korrigiert):<\/p>\n<blockquote><p>Oh, &#8230;er war der Lebensretter meines Sohnes. Ihm verdanke ich, dass er 1994 die richtige Diagnose stellte, sonst w\u00e4re er einen Tag sp\u00e4ter an einer Sepsis gestorben.<\/p>\n<p>Als ich erfuhr, was dann passiert ist, &#8230;Jahre sp\u00e4ter, war ich sehr traurig.<br \/>\nWenn ich heute auf den Friedhof gehe, gehe ich immer bei ihm vorbei und bedanke mich immer noch.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Er war unter den \u00c4rzten hier in Altenburg, als Kinderchirurg, ein sehr guter Arzt und Diagnostiker. Mein Sohn lag mit 41,6 Grad Fieber drei Tage im Kinderhospital. Man untersuchte per Ultraschall, R\u00f6ntgen, gezogenes Gehirnwasser etc., Ohne Diagnose. Er war schon ohne wirkliches Bewusstsein und man schrieb es einem Virus zu. Die Kinderchirurgie war derzeit in der Baracke im Areal des Kinderhospitals.<br \/>\nIch wusste an dem Abend, wenn ich heute nach Hause gehe, bekomme ich in den n\u00e4chsten Stunden eine schlimme Botschaft. Ich weinte furchtbar und sollte aber gehen, weil es bereits 20 Uhr war. Man sagte, man tue alles! Das Fieber ging trotz lytischen Cocktails nicht herunter.<br \/>\nAls ich v\u00f6llig fertig das Haus verlie\u00df, kam von unten der Arzt und unsere Wege kreuzten sich direkt. Er gr\u00fc\u00dfte mich ,schaute mich an und fragte, was mit mir ist. Ich erz\u00e4hlte soweit ich konnte alles und brach zusammen.<\/p>\n<p>Er klingelte an der Station, wo mein Sohn lag. Ich wurde versorgt und er ging zu meinem Sohn und untersuchte ihn. Danach kam er zu mir und erkl\u00e4rte mir, dass er Dr. Noori sofort anruft und ein Not-CT anmeldet. Das war f\u00fcr die neunziger Jahre nicht Standard.<br \/>\nDr. Noori hatte schon lange Feierabend, aber er war noch da und alles wurde schnell im Krankenhaus Leipziger Stra\u00dfe vorbereitet. Der Rettungswagen kam, Dr. M\u00f6glich, mein ohnm\u00e4chtiger Sohn und ich wurden ins KH gefahren. Unterwegs erkl\u00e4rte er mir, dass es UNNORMAL sei, bei der Symptomatik nicht den Chirurgen hinzugezogen zu haben.<\/p>\n<p>Er nahm an, Daniel habe einen perforierten Blinddarm, Lebensgefahr.<\/p>\n<p>Das CT wurde gemacht&#8230;, es war kein Blinddarm, aber ein ebenso gef\u00e4hrlicher perforierter Nierenabzess, schon mit Bakterien in der Blutbahn.<\/p>\n<p>Dr. M\u00f6glich konnte in dem Zustand, in dem mein Sohn war, ihn nicht mehr operieren, dass h\u00e4tte dieser nicht \u00fcberlebt. Also legte er Infusionen mit verschiedenen Antibiotika. Er sagte, wenn in zwei Stunden die Temperatur nicht etwas runter gegangen ist, MUSS er operieren. Er blieb die ganze Nacht bei mir und meinem Sohn. Die Temperatur ging nach zwei Stunden leicht auf 40 Grad zur\u00fcck. Er blieb bis fr\u00fch da und nahm meinen Sohn dann mit auf seine Station. Ich durfte auch ganztags dort bleiben.<\/p>\n<p>Nach etwa einer Woche war mein Sohn aus dem Delirium wieder ansprechbar und au\u00dfer Lebensgefahr.<\/p>\n<p>So viele Tr\u00e4nen und Horrorangst als Mutter wollte ich nie wieder erleben. Ich bin fast zerbrochen. Deshalb bedanke ich mich heute noch am Grab.<\/p>\n<p>Als ich damals die Zeitung aufschlug und die Annonce von Dr. M\u00f6glich las, war ich geschockt. Es war sehr traurig f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df noch als ich ihm Blumen zum Geburtstag ins neue Krankenhaus brachte. Da stand er gerade drau\u00dfen und rauchte. Ich habe ihn umarmt, gratuliert und immer wieder bedankt. Aber ich merkte, das er sp\u00fcrbar d\u00fcnner geworden war.<\/p>\n<p>Ich fragte direkt, ob alles in Ordnung ist. Er sagte, ja&#8230;.machen sie sich keinen Kopf, das ist nur wegen des Stressesw wegen der Er\u00f6ffnung des neues Krankenhaus.<\/p>\n<p>Kurze Zeit darauf die Nachricht.<\/p>\n<p>Sorry f\u00fcr den langen Text, aber ich werde ihn nie vergessen.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Angst, liebe DDR-Sozialisierte, ich bin nicht Irma und erinnere nicht an Ernst Th\u00e4lmann. In wenigen Tagen ist es 21 Jahre her, da\u00df mein Vater nicht mehr am Leben ist. Er hat die Euroeinf\u00fchrung nicht mehr miterlebt, das Attentat in Winnenden, den Anschlag auf das World-Trade-Center und und und. 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