{"id":519,"date":"2009-04-29T21:31:26","date_gmt":"2009-04-29T21:31:26","guid":{"rendered":"http:\/\/hodruz.de\/wordpress\/?p=519"},"modified":"2009-04-29T21:31:26","modified_gmt":"2009-04-29T21:31:26","slug":"ein_kommilitone_machte_mich_auf_folgende","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/ein_kommilitone_machte_mich_auf_folgende","title":{"rendered":"Ein Kommilitone machte mich auf folgenden&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/geld\/artikel\/0,2828,621705,00.html\">Artikel<\/a> aufmerksam.<br \/>\nWer wirtschaftswissenschaftlich interessiert ist, der lese diese vier Seiten durch und staune und sei fassungslos.<br \/>\nF\u00fcr Laien versuche ich das mal in aller K\u00fcrze zu erkl\u00e4ren:<br \/>\nFr\u00fcher war alles besser, da hatten wir einen Kaiser, da machten wir keine Schulden, hatten Anstand, Sitte, Moral, waren &#8230;<strong>Halt!<\/strong>!<br \/>\nAlso noch einmal langsam und von vorne:<br \/>\nVor noch nicht allzulanger Zeit galt das gute, alte Handelsgesetzbuch, kurz HGB. Dort standen kurze, dem Fachkundigen verst\u00e4ndliche, Regeln, die bspw. f\u00fcr die Bilanzierung von Unternehmen und Kreditinstituten verbindlich waren.<br \/>\nDiese Regeln folgten immer dem kaufm\u00e4nnischen Vorsichtsprinzip. Das bedeutet, da\u00df man sich immer \u00e4rmer rechnen konnte, als man eigentlich war. Ich m\u00f6chte nicht ins Detail gehen und nenne nur Schlagworte wie strenges <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Niederstwertprinzip\">Niederstwertprinzip<\/a> und Bildung stiller Reserven durch Grundst\u00fccksbewertung. Nat\u00fcrlich nutzten alle diese u. a. M\u00f6glichkeiten, um ihren (Bilanz-)Gewinn zu schm\u00e4lern. Die stillen Reserven konnten in schlechten Zeiten problemlos aufgel\u00f6st (oder aktiviert) werden und so konnte man in Ruhe die Rezession aussitzen und auf die n\u00e4chste Konjunktur warten.<br \/>\nNat\u00fcrlich war dies dem Staat ein Dorn im Auge. Weniger Gewinn bedeutet n\u00e4mlich auch weniger Steuern. Deshalb gab (und gibt es tw. noch) neben der HGB-Bilanz, in der alle Unternehmen sich bettelarm rechnen konnten recht bald eine Steuerbilanz (SteuBi), deren Richtlinien in der Mutter aller Steuergesetze, der Abgabenordnung (AO), und vielen weiterf\u00fchrendem Gesetzeswerken festgeschrieben sind. Dort gelten, wen \u00fcberrascht es, in den Pr\u00e4zedenzf\u00e4llen, in denen sich der Kaufmann arm rechnen kann, meist entgegengesetzte, zumindest aber versch\u00e4rfte Vorschriften.<br \/>\nDie SteuBi versucht also, m\u00f6glichst das tats\u00e4chliche Bilanzergebnis zu ermitteln. Klar, denn ein realer Gewinn ist immer h\u00f6her als ein HGB-Gewinn und der arme Staat braucht Steuern.<br \/>\nEine Steuerbilanz nennt man deswegen auch <em>bilanzehrlich<\/em>.<br \/>\nExkurs: wenn die Ergebnisse der SteuBi die der HGB-Bilanz beeinflussen, redet man vom <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ma%C3%9Fgeblichkeitsprinzip\">Ma\u00dfgeblichkeitsprinzip<\/a> und auch von der umgekehrten Ma\u00dfgeblichkeit. Mit solchem Wissen kann man Steuerberater werden oder gar Steuerpr\u00fcfer oder Wirtschaftsberater.<br \/>\nKonnten mir alle bis hierher folgen?<br \/>\nGut, dann mache ich an dieser Stelle weiter&#8230;<br \/>\nDa unsere guten, alten, deutschen Gesetze antiquiert klingen und wir nach dem verlorenem Krieg ja das Allheil (mit ca. 10 Jahren Versp\u00e4tung) bei den Amerikanern entdeckten, \u00e4fften wir den in den 1990er Jahren in den USofA aufgekommenen Shareholder Value nach.<br \/>\nSehr stark vereinfacht besagt dieser, da\u00df alle Gewinne eines Unternehmens den Investoren (Shareholdern) zugute kommen sollen.<br \/>\nUnternehmenszweck ist also nicht wie im alten deutschen Gesetz formuliert eine &#8222;dauerhafte, gewinnorientierte Unternehmung&#8220;, sondern im Vordergrund stehen die Interessen der Anteilseigner, die nicht mit kaufm\u00e4nnischer Weitsicht und mit kaufm\u00e4nnischem Sachverstand entscheiden.<br \/>\nDa die Anleger ein recht auf allumfassende Information (Transparenz) haben, mu\u00df das Unternehmen also <em>anlegerfreundlich<\/em> bilanzieren. Dazu bedient man sich im Rahmen der Globalisierung\/Europ\u00e4isierung nicht mehr des ollen HGBs, sondern benutzt das Regelwerk des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/IFRS\">IAS\/IFRS<\/a>, welches zu einem gro\u00dfen Teil dem (US-amerikanischen) <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/GAAP\">GAAP<\/a> abgeschaut ist.<br \/>\nDort gibt es viele Vorschriften, die dem HGB v\u00f6llig widersprechen (das macht die AO auch), die aber dar\u00fcber hinaus auch die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grunds%C3%A4tze_ordnungsm%C3%A4%C3%9Figer_Buchf%C3%BChrung\">GBO<\/a> verletzten, die Realit\u00e4t verschleiern, verzerren&#8230;, man nenne es, wie man es mag.<br \/>\nDie Fragw\u00fcrdigkeit der IAS\/IFRS, deren Inhalt zu lesen und zu verstehen ich vor ca. einem Jahr innerhalb des Hauptstudiums BWL ich die zweifelhafte Ehre hatte, wird im oben beschriebenen Artikel schon konterkariert durch&#8230;<\/p>\n<blockquote><p>Selbst der IASB-Vorsitzende David Tweedie distanziert sich von dem Standard: &#8222;Wenn Sie <a href=\"http:\/\/www.standardsetter.de\/drsc\/docs\/press_releases\/eg-vo_ias_39_deu.pdf\">IAS 39<\/a> verstehen, haben Sie es nicht richtig gelesen&#8220;, sagte er dem Fachblatt &#8222;Financial Director&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Im konkreten Beispiel kann also eine Pleitebank durch konsequente Bilanzpolitik (also buchstabengenaue Anwendung der Artikel des IAS\/AFRS sich paradoxerweise reichrechnen, was dem Bauchgef\u00fchl (und der Realit\u00e4t) v\u00f6llig widerspricht.<br \/>\nFazit?<br \/>\nJagt alle Analysten, Investmentbanker, B\u00f6rsenyuppies und \u00e4hnliches Gesocks zum Teufel. Mi\u00dftraut gro\u00dfen Privatbankern und n-tv-Schwaflern. Man besinne sich auf echte Werte und lasse die angemessene kaufm\u00e4nnische Vorsicht gelten.<br \/>\nIch k\u00f6nnte an dieser Stelle noch endlos weiterpalavern, m\u00f6chte dieses aber lieber in kleinem Kreise und IRL t\u00e4tigen als im Netz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; Artikel aufmerksam. Wer wirtschaftswissenschaftlich interessiert ist, der lese diese vier Seiten durch und staune und sei fassungslos. F\u00fcr Laien versuche ich das mal in aller K\u00fcrze zu erkl\u00e4ren: Fr\u00fcher war alles besser, da hatten wir einen Kaiser, da machten wir keine Schulden, hatten Anstand, Sitte, Moral, waren &#8230;Halt!! 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