{"id":560,"date":"2009-03-05T10:46:40","date_gmt":"2009-03-05T10:46:40","guid":{"rendered":"http:\/\/hodruz.de\/wordpress\/?p=560"},"modified":"2021-01-05T22:23:49","modified_gmt":"2021-01-05T22:23:49","slug":"bericht_urlaubsreise_2009_teil_14_madaga","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/bericht_urlaubsreise_2009_teil_14_madaga","title":{"rendered":"Bericht Urlaubsreise 2009 &#8211; Teil 14 &#8211; Madagaskar"},"content":{"rendered":"<p>Madagaskar, das war der urspr\u00fcngliche Aufh\u00e4nger der Reise gewesen. Eine <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Madagaskar\">riesige Insel<\/a> mit vielen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Endemisch\">endemischen<\/a> Pflanzen und Tieren, wenn das kein Urlaubsziel ist, was dann?<br \/>\nOhne Murren zahlte ich das s\u00fcndhaft teure Visum, lie\u00df Impfungen \u00fcber mich ergehen, von den Kosten der Reise ganz zu schweigen. Selbst da\u00df die <a href=\"http:\/\/www.dw-world.de\/dw\/function\/0,,12356_cid_4073119,00.html\">Nachrichten<\/a> momentan in der Hauptstadt Unruhen mit Toten melden, lie\u00df mich kalt, war sie doch mehr als 200 Kilometer von unserem Hafen in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Toamasina\">Tamatave<\/a> entfernt.<br \/>\nNun endlich war ich am Ziel meiner Tr\u00e4ume angekommen. Doch schon das Studium der Hafeninformation stimmte nachdenklich. Ich hatte peinlicherweise bis dato nicht gewu\u00dft, da\u00df Madagaskar eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt ist. Nun, das sollte ich gleich live und in Farbe erleben. Doch erstmal gingen wir von Bord. Die arme Astor hatte gut gelitten in den letzten Tagen und \u00fcberall war unter abgeplatzer Farbe der Rost schon flei\u00dfig am Nagen. Doch im Moment des Feststellens eilten schon eifrige Besatzungsmitglieder mit gro\u00dfen Farbeimern herbei bzw. seilten sich am Rumpf ab, um die Sch\u00e4den auszubessern.<br \/>\nUm 8:00 Uhr begann unser Ausflug zum Botanischen Garten und Tierpark <a href=\"http:\/\/www.seemadagascar.com\/\">Ivoloina<\/a>. Wir bestiegen einen zum Bus umfunktionierten altersschwachen Transporter. Jetzt wu\u00dften wir endlich, wie sich die Menschen in den \u00fcberall zu sehenden Massentaxis f\u00fchlen. Gl\u00fccklicherweise sa\u00df ich vorn neben dem Fahrer, der leider keine g\u00e4ngige Sprache beherrschte. Es gab f\u00fcr zwei solcher Gef\u00e4hrte nur einen Reisef\u00fchrer, ja, hier war es nicht so perfekt organisiert, wie bisher gewohnt. Unser Begleiter sprach ein leidliches Englisch. Wir hielten alle 10 Minuten an, dann rannte er in den anderen Bus, damit die dortigen Insassen auch etwas erfuhren. Improvisation ist eben alles.<br \/>\nAls erstes fielen mir die zahllosen Rikschas auf. Nicht etwa nur Fahrradrikschas, nein, solche, bei denen sich ein Mensch wie ein Pferd an die Deichsel h\u00e4ngt und dann im Laufschritt seinen Passagier durchs Get\u00fcmmel bef\u00f6rdert. Ich war gelinde gesagt geschockt. Ich dachte, so etwas sei vor 100 Jahren ausgestorben.<br \/>\nAuf Nachfrage erfuhr ich, da\u00df eine Fahrt mit einer Rikscha umgerechnet 0,50 EUR\/Stunde kostet, unvorstellbar! Wir passierten das Zentrum, es wimmelte von Menschen. Unser Fahrer steuerte mit stoischer Ruhe und manch sanftem Hupen durch ein Chaos von Fu\u00dfg\u00e4ngern, Rikschas aller Art, Fahrr\u00e4dern, Mofas, Kleinwagen und seltenen Lastern. Fast alle Autos stammten offensichtlich noch aus der franz\u00f6sischen Kolonialzeit. Ich schlo\u00df recht h\u00e4ufig die Augen, um den Zusammensto\u00df nicht sehen zu m\u00fcssen, doch wie durch ein Wunder kamen wir ohne Blessuren durchs Gew\u00fchle, Respekt.<br \/>\nNach der Passage einer sch\u00f6nen Palmenallee wurde es l\u00e4ndlicher. \u00dcberall rannten junge H\u00fchner herum, die noch zu d\u00fcrr zum Schlachten waren, es standen Buckelrinder am Rain und aus erb\u00e4rmlichen H\u00fctten wurden allerlei Sachen wie Obst, Autobatterien, T\u00f6pfe und Mittagessen feilgeboten.<br \/>\nAm Abzweig zum Botanischen Garten mu\u00dften wir warten, da die Parkpl\u00e4tze \u00fcberf\u00fcllt waren. Von einer Br\u00fccke schauten wir herunter auf den gro\u00dfen Flu\u00df Ivoloina, nach dem der Park benannt wurde. Ich traute meinen Augen kaum. Ein Mann tauchte in der Flu\u00dfmitte nach Sand, den er mit einem ollen Beh\u00e4lter in einen Einbaum sch\u00f6pfte. Am Ufer waren Sandhaufen zu sehen, die von einem halben Dutzend Kinder mit irgendwelchen Schaufeln auf einen LKW geschippt wurden. Prim\u00e4rindustrie vom Primitivsten.<br \/>\nVoll Schreck dachte ich daran, wieviel hundert &#8222;Arbeitspl\u00e4tze&#8220; ein einziger Sandbagger vernichten w\u00fcrde.<br \/>\nDoch es sollte noch schlimmer kommen. Wir mu\u00dften auf dem Weg zum Garten noch eine schlagloch\u00fcbers\u00e4te Stra\u00dfe durch ein Dorf nehmen. Dort waren beinahe alle Leute damit besch\u00e4ftigt, aus, mit gro\u00dfen Handwagen herbeigeschleppten, gro\u00dfen Steinen mit einem Hammer Schotter herzustellen.<br \/>\nDeutlich zu sehen war, da\u00df Madagaskar nach seinem Sozialismusexperiment nun ein Bev\u00f6lkerungsproblem hat. Ich habe den ganzen Tag nicht einen alten Menschen gesehen. 75 % der Bev\u00f6lkerung sind arbeitslos. \u00dcber 60% der Einwohner sind unter 20 Jahre alt, berichtete unser Reisef\u00fchrer. Im Schnitt habe jedes Paar 6 Kinder. Die Bev\u00f6lkerung explodiere, man k\u00e4me mit dem Bau von Schulen und der Ausbildung von Lehrern schlicht und ergreifend nicht nach. Mittlerweile m\u00fc\u00dfte man sogar Reis, das Hauptnahrungsmittel der Bewohner, aus S\u00fcdostasien einf\u00fchren. Und das in einem riesigen Land, in dem selbst ein Spazierstock ausschl\u00e4gt, wenn man ihn in die Erde steckt und in dem man auf Grund des Klimas drei Ernten im Jahr einfahren kann.<br \/>\nWie soll man diese Probleme in den Griff bekommen? Nun, Tourismus mag ein kleiner Beitrag sein, aber da mu\u00df sich auch noch viel zum Besseren wenden.<br \/>\nBest\u00fcrzt von der bitteren Armut, kamen wir am Naturpark an. Dort sahen wir  exotische Pflanzen, wie Vanille-, Lampenputzer- und Affenbrotb\u00e4ume. Dazwischen erfreuten uns immer wieder Lemuren, die innerhalb und au\u00dferhalb von K\u00e4figen ihre Spiele trieben. Wir bestaunten die Cham\u00e4lions bei ihren Tarnungen und sahen allerlei weiteres Getier.<br \/>\nDie Temperaturen stiegen auf 35 Grad. Bei nahezu 100% Luftfeuchtigkeit sahen wir alle recht zerst\u00f6rt aus, als wir den tollen Naturpark verlie\u00dfen. Zur\u00fcck ging es wieder vorbei an den H\u00fctten. Ich schaute in so manche hinein, in ihnen war &#8211; nichts. Nichts, au\u00dfer einer Kochstelle.<br \/>\nGegen Mittag erreichten wir wieder die Stadt. Die Kinder hatten gerade Schulschlu\u00df und liefen lachend in ihren Schuluniformen nach Hause. Wenige Minuten vorher sahen wir halbnackte Kinder und junge M\u00fctter mit Baby auf dem R\u00fccken beim Steineklopfen und dann diese Bilder, unglaublich diese Gegens\u00e4tze.<br \/>\nDer Bus hielt auf dem gro\u00dfen Marktplatz, sofort wurden wir von dutzenden Frauen und Kindern massiv angebettelt: &#8222;Monsieur, money, Mister money, Monsieur, Monsieur money.&#8220; murmelten sie endlos. Ich hatte so etwas ja noch nie erlebt und wu\u00dfte nicht, was ich machen sollte. Gl\u00fccklicherweise verscheuchte der Fahrer, der sich offensichtlich seiner Landsleute sch\u00e4mte, die Bettler. Unfa\u00dfbare Armut \u00fcberall &#8211; und ich hatte bis vor wenigen Stunden nicht geahnt, auf was ich mich da einlasse. V\u00f6llig zerst\u00f6rt (Kleidung, Frisur und Glaube an die Welt) ging ich wieder an Bord. Der Appetit aufs Mittagessen war einem gr\u00fcndlich vergangen. Die Bilder gingen einem nicht aus dem Kopf. So eine tolle Pflanzenwelt, so eine Bl\u00fctenpracht und dann \u00fcberall diese bittere Armut und ein offenkundiges Unverm\u00f6gen, diese zu bek\u00e4mpfen.<br \/>\nAm Abend war das auch Hauptthema beim Essen und anschlie\u00dfendem Beisammensein. Nach solchen Eindr\u00fccken \u00e4ndern sich durchaus Vorurteile, Meinungen und relativieren sich Jammereien und Finanzkrisen.<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_hafeninfo.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Solche n\u00fctzlichen Informationen bekamen wir immer f\u00fcr jeden Hafen.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_rikschas.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Rikschas.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_tamatave.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Ein Armeeangeh\u00f6riger an der sch\u00f6nen Palmenallee.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_strasse_tamatave.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Auf der Stra\u00dfe unterwegs.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_armendorf.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Ein typisches Dorf mit Astortouristen.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_armendorf1.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Aus Steinen mach Schotter.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_fluss_waesche.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Frauen waschen Geschirr und W\u00e4sche im Flu\u00df. Sie wirken gl\u00fccklich, oder?<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_einbaum.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Ein Mann bef\u00fcllt einen Einbaum mit Sand vom Grund des Flusses.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_sand.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Kinder schippen Sand auf einen LKW.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_natur.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>\u00dcppige, prachtvolle Natur an allen Ecken und Enden.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_lemur.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Dieser Lemur lebt au\u00dferhalb des K\u00e4figs.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_madagaskar_fuehrer.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Unser Reisef\u00fchrer Er hat neun Br\u00fcder und eine Schwester.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_schildkroete_madagaskar.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Ein sch\u00f6ner Schnappschu\u00df von einer der zahlreichen Schildkr\u00f6ten des Parks.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_chamaeleon.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Nicht nur Cham\u00e4leons k\u00f6nnen sich gut tarnen, auch Eidechsen k\u00f6nnen das prima.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_chamaeleon1.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Wunderbar getarntes Cham\u00e4leon.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_zebu.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Wir \u00fcberholen eine kleine Herde Buckelrinder. Man achte auf den herrlichen Schatten.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_markt.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Der gro\u00dfe Marktplatz von Tamatave.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_astor_tamatave.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Die Astor im Hafen von Tamatave.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/afrika_schotter.jpg\" alt=\"Bild\" title=\"Bild\" \/><br \/>\n<em>Zur\u00fcck \u00fcber provisorisch verlegte Gleise.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Madagaskar, das war der urspr\u00fcngliche Aufh\u00e4nger der Reise gewesen. Eine riesige Insel mit vielen endemischen Pflanzen und Tieren, wenn das kein Urlaubsziel ist, was dann? Ohne Murren zahlte ich das s\u00fcndhaft teure Visum, lie\u00df Impfungen \u00fcber mich ergehen, von den Kosten der Reise ganz zu schweigen. 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