{"id":742,"date":"2008-05-21T22:31:05","date_gmt":"2008-05-21T22:31:05","guid":{"rendered":"http:\/\/hodruz.de\/wordpress\/?p=742"},"modified":"2025-03-21T19:48:30","modified_gmt":"2025-03-21T19:48:30","slug":"urlaub_im_hohen_norden_teil_x","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/urlaub_im_hohen_norden_teil_x","title":{"rendered":"Urlaub im hohen Norden &#8211; Teil X"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dienstag, 01.08.2006 &#8211; Ny Alesund\/Spitzbergen und Passage des Hornsund-Fjords<\/strong><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/svalbard_karte.jpg\" alt=\"Karte\" title=\"Karte\" \/><br \/>\n<em>Karte von Svalbard.<\/em><br \/>\nHeute stehe ich extra etwas zeitiger auf, denn schon 8:00 Uhr sollen wir in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ny_Alesund\">Ny Alesund<\/a> anlegen. Der n\u00f6rdlichste Punkt unserer Reise ist damit erreicht. Von Nordisland aus haben wir 961 Seemeilen (1779 Kilometer) zur\u00fcckgelegt. Eigentlich sollten wir ja nach dem Besuch Ny Alesunds noch bis zur Packeiszone gen Norden fahren, doch leider wurde, trotz gro\u00dfem Protests vieler Passagiere, genau dieser Punkt von unserer Reise gestrichen. Wir erinnern uns, da\u00df das Schiff wegen eines Motorschadens mit einem Tag Versp\u00e4tung zu dieser Fahrt startete. Insofern mu\u00df nat\u00fcrlich auch ein Ausflugsziel gestrichen werden. Nun waren viele extra wegen des Besuchs des Eismeeres, wegen Eisschollen, wegen Eisb\u00e4ren usw. diese Tour gebucht und genau dieser Punkt wurde gestrichen. Aber irgendwie konnte der Veranstalter ja nur verlieren, denn eine gute L\u00f6sung des Problems gab es sowieso nicht. Naja, und wenn man schon nur einen Tag auf <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Svalbard\">Spitzbergen<\/a> weilt, dann wenigstens mitnehmen, was man mitnehmen kann. Das Wetter ist sonnig. Drau\u00dfen sind 3 Grad und es bl\u00e4st ein kr\u00e4ftiger Wind. Kaum ist die Reeling heruntergelassen, gehen wir von Bord und setzen den Boden auf eine der n\u00f6rdlichsten Siedlungen der Welt. Im Winter \u00fcberdauern 30 bedauernswerte Einsame in ewiger Dunkelheit auf diesem trostlosen Flecken Erde und im Sommer sind es immerhin 120 Menschen, die sich um die 1.000 Touris k\u00fcmmern, die irgendwelche Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge hierherbringen. Wir halten uns abseits der Massen und wandern lange auf ausgewiesenen Pfaden \u00fcber die Insel.<br \/>\nTrotz langer Unterhosen und dicker Jeans friere ich an den Waden, so stark pustet der Wind in Bodenn\u00e4he. Das Leben kann hier auf Dauer keinen Spa\u00df machen. Trotzdem ersp\u00e4hen wir einige Algen und Flechten und ab und zu sogar ein k\u00fcmmerliches Moospfl\u00e4nzchen. Immerhin ist es ja mitten im Hochsommer. Einige V\u00f6gel sehen uns mi\u00dftrauisch an. Sie br\u00fcten auf purem nackten Ger\u00f6ll. Material zum Nestbauen gibt es schlichtweg nicht. In der N\u00e4he der Wohnungen streunen einige Polarf\u00fcchse herum und beobachten uns aus sicherer Ferne. Trotz strahlendem Sonnenschein ist es saukalt, vor allem durch den heftigen, b\u00f6igen Wind.<br \/>\nAn den Bauten erkennt man, das hier die Natur gnadenlos ist. Alles ist farblos, gekr\u00fcmmt, an die Erde gedr\u00fcckt und von den Naturgewalten gebeutelt. Da\u00df hier dennoch Kohle abgebaut wurde, n\u00f6tigt einem Respekt ab, aber man bedauert automatisch die Menschen, die das machen mu\u00dften.<br \/>\nHeute ist auch Tag der Superlative, wir sehen also die n\u00f6rdlichste Siedlung der Welt, die dauernd bewohnt ist, das n\u00f6rdlichste Hotel der Welt und das n\u00f6rdlichste Postamt der Welt, in dem hoffentlich alle meine Postkarten abgestempelt wurden. Ok, irgendwie ist hier alles am n\u00f6rdlichsten in der Welt, denn wenn man weiter gen Norden vorst\u00f6\u00dft, dann kommt da nur noch der Nordpol. Deshalb starteten ja im Mai 1926 auch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roald_Amundsen\">Roald Amundsen<\/a> und Umberto Nobile ihre legend\u00e4re Fahrt mit der <a href=\"http:\/\/www.nb.no\/manedens\/luftskip\/\">Norge<\/a> zum Nordpol von hier aus.<br \/>\nAm Amundsen-Denkmal mischen wir uns heimlich unter eine Gruppe amerikanischer Studenten, die per Flugzeug von Kanada aus hierherkamen. Ihr schwedischer Reisef\u00fchrer erz\u00e4hlt sehr spannend und anschaulich, wie die Eroberung des Pols von statten ging. So wissen wir jetzt auch, da\u00df am Grunde des Nordpols eine schwedische M\u00fcnze liegt, die ein Expeditionsmitglied (der Funker) in Ermangelung seiner Landesfahne \u00fcber der Stelle abwarf.<br \/>\nDie Warnungen vor angriffslustigen Eisb\u00e4ren, die wir bisher nur bel\u00e4chelt hatten, erhalten Gewicht durch die Ausr\u00fcstung der Touristenf\u00fchrer, die alle gut bewaffnet sind und auch sonst beeindruckend ausgestattet sind. Wir wundern uns, wo die norwegischen, amerikanischen und japanischen Touristengr\u00fcppchen herkommen, denn au\u00dfer unserer Arielle liegt kein Schiff im Hafen. Sp\u00e4ter erfahren wir, da\u00df sie per Motorschlitten vom nahegelegenen Flughafen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Longyearbyen\">Longyearbyen<\/a> hierherkamen.<br \/>\nObwohl keiner wieder an Bord m\u00f6chte ist das doch vern\u00fcnftiger, denn wir sind alle bis auf die Knochen durchfroren. 10:30 Uhr hei\u00dft es Leinen los und in glei\u00dfender Sonne verl\u00e4\u00dft unser Schiff diesen einsamen Ort. Da die Sonne scheint, ist das Wasser satt blau und die schneebedeckten Berge und die Gletscher glitzern. Man kann sich gar nicht sattsehen. Dennoch finden wir nat\u00fcrlich ein Stunde Zeit f\u00fcrs Skatspiel. Das Abendbrot lassen wir diesmal ausfallen, denn die Passage des Fjords ist viel interessanter. Eisschollen trudeln vorbei, bis zu 30 Meter hohe Gletscher ergie\u00dfen sich ins Meer und dar\u00fcber thronen kohlrabenschwarze, kahle Bergkuppen. Unwirklich und unirdisch sch\u00f6n. Solche Bilder vergi\u00dft man sein Leben nicht, so etwas macht das Leben noch lebenswerter und das ist einer der Hauptgr\u00fcnde, warum ich solche Reisen mache.<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/spitzbergen_eisbaerwarnung.jpg\" alt=\"Warnschild\" title=\"Warnschild\" \/><br \/>\n<em>Allgegenw\u00e4rtiges Warnschild auf Ny Alesund. Gesehen haben wir aber keinen Einzigen.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/ny_alesund.jpg\" alt=\"Ny Alesund\" title=\"Ny Alesund\" \/><br \/>\n<em>Blick \u00fcber den gesamten Ort Ny Alesund, im Hintergrund ankert unser Schiff.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/ny_alesund_gletscher_dockstelle.jpg\" alt=\"Mast\" title=\"Mast\" \/><br \/>\n<em>Ein Gletscher ergie\u00dft sich ins Meer. Rechts vorne ist der Mast, an dem das Luftschiff Norge bei seiner Nordpolreise andockte.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/ny_alesund_gps.jpg\" alt=\"GPS\" title=\"GPS\" \/><br \/>\n<em>Das GPS meldet seine n\u00f6rdlichsten Werte. Der Nordpol ist nur noch ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Etmal\">Etmal<\/a> entfernt.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/ny_alesund_karge_landschaft.jpg\" alt=\"Landschaft\" title=\"Landschaft\" \/><br \/>\n<em>Sehr karge Landschaft in Ny Alesund.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/ny_alesund_landschaft_gletscher.jpg\" alt=\"Ny Alesund\" title=\"Ny Alesund\" \/><br \/>\n<em>Das Gr\u00fcn und Braun sind Flechten. Im Hintergrund ein Gletscher.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/ny_alesund_polarfuchs.jpg\" alt=\"Suchbild\" title=\"Suchbild\" \/><br \/>\n<em>Suchbild: in diesem Bild sind mindestens zwei Polarf\u00fcchse und mehrere Vogelkolonien verborgen.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/ny_alesund_reisefuehrer.jpg\" alt=\"Schwede\" title=\"Reisefuehrer\" \/><br \/>\n<em>Der wohlausger\u00fcstete Reisef\u00fchrer am Denkmal von Amundsen. Man achte auf das Gewehr.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/arielle_spitzbergen.jpg\" alt=\"Arielle\" title=\"Svalbard\" \/><br \/>\n<em>Das Heck der Arielle, dahinter die K\u00fcste Svalbards.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/arielle_hornsund_fjord.jpg\" alt=\"Fjord\" title=\"Fjord\" \/><br \/>\n<em>Im Hornsund-Fjord.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/spitzbergen_gipfel.jpg\" alt=\"Gipfel\" title=\"Gipfel\" \/><br \/>\n<em>Ein schroffer Gipfel im Hornsund.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/arielle_eisbaer.jpg\" alt=\"Eisb\u00e4r\" title=\"Eisb\u00e4r\" \/><br \/>\n<em>Nicht ganz so echter Eisb\u00e4r im Hornsund-Fjord.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag, 01.08.2006 &#8211; Ny Alesund\/Spitzbergen und Passage des Hornsund-Fjords Karte von Svalbard. 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