{"id":743,"date":"2008-05-21T16:43:20","date_gmt":"2008-05-21T16:43:20","guid":{"rendered":"http:\/\/hodruz.de\/wordpress\/?p=743"},"modified":"2008-05-21T16:43:20","modified_gmt":"2008-05-21T16:43:20","slug":"urlaub_im_hohen_norden_teil_ix","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hodruz.de\/blogruz\/urlaub_im_hohen_norden_teil_ix","title":{"rendered":"Urlaub im hohen Norden &#8211; Teil IX"},"content":{"rendered":"<p><strong>Montag, 31.07.2006 &#8211; Seetag<\/strong><br \/>\nViele m\u00f6gen ja keine Seetage, da man zwangsl\u00e4ufig weniger (an Land) erleben kann. Ich hingegen liebe Seetage. Nun ist schon der zweite am St\u00fcck. So bekommt man wenigstens den Hauch des Eindrucks einer Seefahrt. Das Wetter hat sich kaum ge\u00e4ndert, es sind um die 6 Grad und es ist \u00fcberwiegend bedeckt. Das ist als einziges schade, denn so k\u00f6nnen wir die Mitternachtssonne nicht sehen.<br \/>\nAn dieser Stelle erz\u00e4hle ich einmal vom generellen Tagesablauf auf so einem Schiff. Prinzipiell gilt: der Gast ist K\u00f6nig und kann tun und lassen, was er will. Au\u00dfer bei der Seerettungs\u00fcbung, die alle 14 Tage obligatorisch f\u00fcr alle ist, gibt es keine Pflicht, zu irgendetwas zu erscheinen. So kann man den ganzen Tag in der Kabine liegen und lesen und sich Essen und Trinken in die Kabine liefern lassen. Da das begreiflicherweise eher wenige so handhaben, gibt es aber auch noch einen definierten Tagesablauf. Gr\u00f6\u00dfter Wert wird dabei aufs leibliche Wohl der Passagiere gelegt. War Seefahrt fr\u00fcher bez\u00fcglich des Essens eine Katastrophe (der Seemann der kocht, hei\u00dft nicht umsonst Smutje (kommt von Schmutz, Dreck) und Skorbut und Lebensmittelvergiftungen und Verdursten waren h\u00e4ufige Todesursachen), so ist auf einem Kreuzfahrtschiff alles anders. In seinen riesigen Bauch mit endlosen K\u00fchlregalen und Tiefk\u00fchlschr\u00e4nken passen Tonnen um Tonnen frisches Obst, Gem\u00fcse, Fleisch, Getr\u00e4nke aller Art. In fast jedem Hafen werden die Vorr\u00e4te um lokale Spezialit\u00e4ten erweitert. Bestimmt mehr als 100 Konditoren, B\u00e4cker, So\u00dfenk\u00f6che, Sommeliers, Barmixer, Zutatenk\u00f6che, Suppenk\u00f6che, Brater und eine Heerschar Kellner  bem\u00fchen sich unter der Regie von Chef- Meister- und leitenden Kellnern und K\u00f6chen von 6:30 bis zum von der Witterung abh\u00e4ngigen offenen Ende ums leibliche Wohl von uns 1168 Passagieren.<br \/>\nAb 06:30 gibt es f\u00fcr Fr\u00fchaufsteher schon Kaffee und Croissants. Von 07:00 Uhr bis 10:00 Uhr kann man \u00fcppig fr\u00fchst\u00fccken. Dazu wird alles geboten, was man sich als Mitteleurop\u00e4er (an Bord sind fast ausschlie\u00dflich Schweizer, \u00d6sterreicher und Deutsche) vorstellen kann.<br \/>\nMittagessen gibt es von 12:00 Uhr bis 14:00 Uhr. Die bordeigene Pizzeria bietet kostenfrei Pizza und Pasta von 10:30 bis 18:30 Uhr an. 15:30 bis 16:30 Uhr gibt es Kaffee, Tee und Kuchen und Torten und Eis und Schnittchen und Geb\u00e4ck. 18:00 Uhr &#8211; 20:00 (bzw. in der zweiten, in unserer Sitzung ab 20:00 Uhr) ist Abendbrotzeit. Dabei hei\u00dft Abendbrot allerdings immer mehrg\u00e4ngiges Men\u00fc. Und von 23:00 Uhr bis Mitternacht laufen noch einige nette Menschen durchs Schiff, die gratis Leckereien wie H\u00fchnerbeine, Toast Hawaii, Gehacktesb\u00e4llchen usw. feilbieten.<br \/>\nDer bordeigene Irish Pub \u00f6ffnet um 07:00 Uhr. Sp\u00e4testens 10:00 Uhr haben dann alle CLunbs, Lounges und Bars auf. Die Getr\u00e4nke, die dort gereicht werden mu\u00df man allerdings zahlen. Doch f\u00e4llt das nicht schwer. Zum einen habe ich ein Bordguthaben von 50 EUR, das noch versof^wverbraucht werden will, zum anderen f\u00e4llt Bezahlen sehr leicht, denn die pfiffigen Kellnerinnen und Kellner kennen einen sehr schnell mit Namen und Kabinennummer und so braucht man nicht einmal seinen Bordausweis zu z\u00fccken. Allerdings mu\u00df man f\u00fcr jedes Getr\u00e4nk unterschreiben. Abgerechnet wird dann am Schlu\u00df. Man kann aber auch jederzeit eine Zwischenabrechnung vornehmen lassen.<br \/>\nNun i\u00dft man nat\u00fcrlich nicht st\u00e4ndig auf so einer Reise. Gewitzt durch vorhergehende Fahrten lie\u00dfen wir t\u00e4glich ein, zwei Mahlzeiten weg und durchstreiften stattdessen das Schiff. So gab es einen Schaukasten, der uns \u00fcber Ereignisse in der Welt informierte, an dem ich t\u00e4glich haltmachte. An diesem Tag erfuhr ich vom Tode der Schauspielerin Elisabeth Volkmann, bekannt aus Klimbim und als deutsche Stimme der Marge Simpson. In der Kabine war zwar ein Fernsehger\u00e4t, aber in der momentan besuchten Region der Welt hat man keinen kommerziellen Fernsehsatelliten \u00fcber sich, der dieses Ger\u00e4t versorgen kann. Es l\u00e4uft aber ein bordeigenes Fernsehprogramm mit Dokumentationen, Spielfilmen und mit Infos von der Br\u00fccke (Kamera, Wetter- und Fahrtdaten).<br \/>\nIch schalte den Fernseher aber nur sehr selten ein. Das Bordradio hat nur zwei Programme (sowas wie Klassik, wiederholt sich st\u00e4ndig und sowas wie Unterhaltung, wiederholt sich auch st\u00e4ndig). Aber ich habe ja das Notebook dabei, welches \u00fcppig mit MP3 bef\u00fcllt ist und ein Abspielger\u00e4t ist auch vorhanden. Und in Island erwarb ich ja sch\u00f6ne CDs.<br \/>\nDer heutige Tag jedenfalls wird verbracht mit Skatspiel, mit dem Besuch eines Vortrages \u00fcber Spitzbergen, mit dem Schreiben zahlreicher Postkarten (Zeit dr\u00e4ngt) und meiner Lieblingsbesch\u00e4ftigung, dem Beobachten des Meeres. Ich bin einfach zufriedenzustellen, ich brauche nur etwas Platz und bewegtes Wasser und dann ist f\u00fcr mich die Welt in Ordnung. Nun, Pl\u00e4tze haben wir genug und Wasser auch. Am sp\u00e4ten Nachmittag sichte ich das erste Mal in meinem Leben Wale. Ein Exemplar schmimmt keine 10 Meter neben dem Schiff und st\u00f6\u00dft gewaltige Font\u00e4nen aus. Alle Beobachter sind begeistert und keiner hat einen Fotoapparat dabei. Trotz leichtem Schnupfens (medikament\u00f6s hervorragend bek\u00e4mpft) bin ich oft drau\u00dfen und stehe im eisigen Nordwind. Mir kann er nichts mehr anhaben, ich habe ja in Island winddichte Oberbekleidung samt M\u00fctze erworben. Der Wind greift sich aber meine Skatkarten, diese wirbeln nur kurz auf dem Deck hin und her und verschwinden ruck-zuck im eisigen Nordmeer. Also, wer da oben ein deutsches Blatt findet, der wei\u00df jetzt, von wem das stammt.<br \/>\nAm Abend werden in der Lounge im festlichen Rahmen Couplets der 20er Jahre geboten. Darauf verzichten wir dankend, sondern schw\u00e4tzen lieber in einer der zahlreichen Bars. Da wir st\u00e4ndig irgendwelche Zeitzonen durchqueren, wird schon wieder die Uhr umgestellt. Ich mache noch einen Nachtspaziergang. Da\u00df es 01:30 Uhr ist, merkt man nicht, es ist sehr hell. Morgen fr\u00fch sollen wir Spitzbergen erreichen, also gehe ich erwartungsvoll ins Bett.<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/arielle_pool_kalt.jpg\" alt=\"Pool\" title=\"Pool\" \/><br \/>\n<em>Wie man sieht, ist der Au\u00dfenpool beheizt und zu jedem Wetter beliebt, vor allem bei den Kindern.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hodruz.de\/blogruz\/media\/arielle_polarnacht.jpg\" alt=\"Polarnacht\" title=\"Polarnacht\" \/><br \/>\n<em>Nachts halb zwei auf dem Oberdeck. Es ist ziemlich hell und ich bin nicht der einzige Nichtschl\u00e4fer.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 31.07.2006 &#8211; Seetag Viele m\u00f6gen ja keine Seetage, da man zwangsl\u00e4ufig weniger (an Land) erleben kann. Ich hingegen liebe Seetage. Nun ist schon der zweite am St\u00fcck. So bekommt man wenigstens den Hauch des Eindrucks einer Seefahrt. Das Wetter hat sich kaum ge\u00e4ndert, es sind um die 6 Grad und es ist \u00fcberwiegend bedeckt. 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