Nov 112022
 

Vor einigen Jahren las ich in der Wikipedia im Artikel Zement den folgenden, mich überraschenden und durchaus auch erschreckenden Vergleich:

Dort (also China) werden ungefähr 45 % der weltweiten Produktion verbaut. In den Jahren 2012–2014 wurde dieselbe Menge Zement verbaut wie im gesamten 20. Jahrhundert in den USA.

Das beeindruckte mich tief, aber getoppt wird dieser Vergleich durch folgenden Vergleich:

Communist China has emitted more carbon dioxide over the past eight years than the United Kingdom has since the beginning of the Industrial Revolution, a report from Oxford University’s Our World in Data project has found. (Übersetzung von mir: Das kommunistische China hat in den letzten acht Jahren mehr Kohlendioxid ausgestoßen als das Vereinigte Königreich seit Beginn der Industriellen Revolution, so ein Bericht des Projekts „Our World in Data“ der Universität Oxford.

Man nennt 1765 als Beginn der Industriellen Revolution, das wären also gut 250 Jahre CO2-Ausstoß. Diese schiere Menge hat China binnen 8 Jahren nachgeholt. Nun ist der Telegraph nicht gerade DIE seriöse Quelle bzw. ist nicht alles, was hinkt ein Vergleich, aber dieses Nebeneinanderstellen zeigt schon das unglaubliche Wachstum auf, das dort hingelegt wird.

Um so jämmerlicher unsere Politiker, die das Wohl des Volkes opfern, um alleine in Deutschland irgendwelche „Klimaziele“ gegen jede Ratio durchzusetzen.

 Posted by at 10:34 pm
Sep 232022
 

…darüber kann man trefflich streiten.

Aus den alten Unterlagen aus der Hinterlassenschaft meiner Eltern möchte ich dennoch gerne einmal zwei Beispiele präsentieren:

1. Beispiel:

Rund 3.800 Liter Heizöl kosteten vor 26 Jahren 1.800 DM oder 900 EUR.

Laut einer aktuellen Preisabfrage für die gleiche Menge und die gleiche Region ermittele ich: 5.800 EUR. Das ist mehr als das 6fache bzw. eine Steigerung um 546%.

2. Beispiel

Ein Geschäftsessen im besten Haus der Stadt Altenburg kostete im Jahr 2000 56,40 EUR, also im Schnitt 11 EUR pro Person.
Ich schaue mal auf die Speisekarte und berechne grob: 107 EUR, also hier haben sich die Preise ungefähr verdoppelt, das stimmt auch mit meiner Erfahrung überein.

Der Beitrag soll wertungsfrei sein, aber solche Dokumente kann man sich ruhig einmal wieder zu Gemüte führen.

 Posted by at 6:26 pm
Sep 162022
 

Man weiß ja, daß bis vor Kurzem jämmerliche Zinsen auf Guthaben gezahlt wurden. Doch wenn man das auf Papier schwarz auf weiß in aller Deutlichkeit vorgerechnet sieht, ist es einprägsamer.
In Kurzform: für über 25.000 EUR Guthaben gab es für acht Monate satte 0,14 EUR Zinsen. Und auf diese 14 Cent muß man noch 4 Cent dem Staat an Steuern geben.
Merke: Geldanlage auf dem DiBa-Sparkonto lohnt sich!

 Posted by at 8:51 am
Sep 102022
 

Gleich vorweg: Ja, die Gegenseite hat 100% Recht, ja, ich bin 100% verantwortlich und 100% an allem Schuld und alles hat seine 100% Richtigkeit.

Und dennoch schreibe ich mir meine Gedanken von der Seele. Worum geht es? Ich habe heute 39,35 EUR Strafe dafür bezahlt, weil ich auf einem Supermarktparkplatz keine Parkscheibe aufs Armaturenbrett gelegt habe.

Hier die ganze Geschichte:

Ich weiß, daß seit letztem Jahr eine Privatfirma vom Supermarkt Markant beauftragt wurde, zu kontrollieren, ob die neue Regel (Autos dürfen nur maximal 2 Stunden parken und zur Kontrolle muß eine gestellte Parkscheibe hinterlegt werden) eingehalten wird.

Zahlreiche Schilder auf dem Parkplatz und im Markt weisen auch deutlich darauf hin.

Nachvollziehbar aus Sicht des Supermarktes, es war sicher in der Hochsaison ein Ärgernis, daß Strandurlauber ihre Autos kostenfrei den ganzen Tag auf dem Supermarktparkplatz stehen ließen und Kaufwilligen den Parkplatz wegnahmen.

Diese Regelung war vor Corona nicht nötig, da gab es keinen Streit um knappe Parkplätze, doch mittlerweile sind ja deutlich mehr Leute inländisch im Urlaub unterwegs.

Am 09.08.2022 fuhr ich auf den besagten Parkplatz, warf >40 Briefe in den Briefkasten und kaufte für einen überschweren Brief für 0,15 EUR Briefmarken nach. Das ganze dauerte keine 3 Minuten.

Letzte Woche erhielt ich einen Brief, darin teilte mir ein Unternehmen aus Stuttgart mit, daß „Uhrzeit: 12:37.22“ mein Auto ohne ausgelegte Parkscheibe vorgefunden wurde und ich deswegen 39,35 EUR bezahlen soll.

Überrascht war ich und verärgert. Verärgert, daß ich nicht an die Parkscheibe gedacht hatte, aber, mein Gott, ich hab doch nur die Danksagungskarten eingeworfen und an der Poststelle (ich war der einzige Kunde) zwei Briefmarken geholt. Und überrascht, weil ich darüber keinen Hinweis am Auto hatte.

Also schrieb ich höflich an das Unternehmen, legte die Postquittung bei (Uhrzeit: 12:38) und bat, mein Säumnis zu verzeihen. Ferner monierte ich die 5 EUR Mahngebühr, denn ich hatte ja bis dahin keine Kenntnis einer Verfehlung.

Heute kam (sehr schnell) der Antwortbrief, der mir anonym aus Textbausteinen formuliert lapidar erklärte, daß ich schuldig bin und die Mahnung auch in Ordnung sei und ich zahlen soll.

Soweit, so schlecht für mich.

Dennoch schwingen da viele Sachen in dem Vorgang mit, die alle für sich betrachtet, unwichtig sein mögen, sich bei mir aber aufschaukeln. Nochmal: ich rede mir hier nur meinen Frust von der Seele und brauche keinen Hinweis der Art: „Ja, aber laut Gesetz haben die aber vollkommen Recht und Du hast dich falsch verhalten, ist doch kein Ding, die Parkscheibe rauszulegen.“

Hier meine subjektivem unwesentliche und irrelevante Sicht der Dinge:

1. ich war doch keine 5 Minuten auf der Post!
2. es war mir ganz gewiß keine Freude, Danksagungskarten zu verschicken
3. ich war nur auf der Post, weil ich im Anschluß in die leerstehende Wohnung meiner verstorbenen Mutter etwas zu erledigen hatte, normalerweise gehe ich woanders zur Post
4. ich kenne die Gegend mein ganzes Leben, ich besuche sie regelmäßig und habe seit 2018 auch das passende Kennzeichen am PKW und der Markant ist mein Stammladen
5. ich benutzte diesen Parkplatz immer nur zum Einkaufen und hatte nie den Hauch eines Gedankens, ihn illegal zum Dauerparken für den Strandbesuch zu benutzen, es gab übrigens stets und ständig IMMER genügend freie Parkplätze
6. Wieso muß ein Unternehmen aus Stuttgart sich um „Parker ohne Scheibe“ kümmern?
7. Wieso werde ich sofort gemahnt und kann mich nicht dagegen wehren?
8. Wieso sind die in Stuttgart zu blöd, ihre Postanschrift ordentlich im Briefkopf darzustellen?

9. Wieso braucht eine Antwort 3 Seiten Schreiben und zwei doppeltseitig bedruckte Seiten AGB?
Übrigens hier die Seite 3:

10. Im Erstanschreiben empfand ich es als Unverschämtheit

Für das Beweisfoto scannen sie den QR-Code oder loggen sich bei uns unter… ein:“

11. Wieso (nochmal, rein subjektiver Frust) werden Einheimische, die schnell Briefe einwerfen genauso behandelt wie die echten „Bösewichte“, die mit ihren Autos stundenlang Parkplätze blockieren?

12. Mein mir wichtigster Punkt: ich sehe das als Angriff auf mich und darüber hinaus alles als sinnlose Abzocke, an dem sich nutzlose Unternehmen bereichern, ohne die das Leben schöner und angenehmer wäre.

In Summe entsteht in mir der Eindruck, daß hier wieder perfektioniert in die Taschen des Autofahrers gegriffen wird. Ein Denunziae schlecht bezahlte Arbeitskraft mit Fangprämie schleicht über den Parkplatz, fotografiert mit dem eigenen Smartphone den Missetäter, den Rest erledigt die Software einer Firma im 800 km entfernten Baden-Württemberg, schickt schlecht formatierte Formbriefe mit ellenlangen Textbausteinen und AGB und natürlich mit QR-Codes mit Link auf die Internetseite des Unternehmens, damit man sich noch aktiv und auf eigene Kosten über sein „Fehl-„Verhalten informiert.
Immerhin sprechen sie nicht mehr von Tatzeit, das hatte ich auch schon.

Und für alles werden dann knapp 40 EUR fällig für eine „Vergehen“, welches 53 Jahre meines Lebens eben Keines war und in mir auch nicht keinerlei Unrechtsbewußtsein hervorruft. Wie denn auch, wenn ich nicht mal in Gedanken auf die Idee gekommen bin, dort mein Auto länger zu parken, habe ich doch einen eigenen Parkplatz in Strandnähe.

Die Lösung für die Zukunft: zuerst meide ich diesen Parkplatz und kaufe in anderen Geschäften ein, die sind eh billiger, diese Entscheidung teile ich auch der Geschäftsleitung des Markant mit (Warum? Siehe Bild von Abe Simpson oben)
Und/oder ich werde mir wohl den Sichtbereich meines Autos permanent mit einer automatischen Parkscheibe zustellen, was ich so aber nie gewollt habe.

 Posted by at 7:29 pm
Apr 172022
 

Wir haben das in der Schule noch auswendig gelernt und ich kann heute noch große Teile davon noch aufsagen. In Goethes Faust I läßt der Dichter seinen Famulus Wagner beim Osterspaziergang sagen:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Der alte Winter in seiner Schwäche
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weisses.
Überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farbe beleben.
Doch an Blumen fehlts im Revier.
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden.
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus der Strassen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh, wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluss in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges ferner Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel.
Hier ist des Volkes wahrer Himmel.
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

 Posted by at 7:16 am
Apr 112022
 

Keine Angst, liebe DDR-Sozialisierte, ich bin nicht Irma und erinnere nicht an Ernst Thälmann.

In wenigen Tagen ist es 21 Jahre her, daß mein Vater nicht mehr am Leben ist. Er hat die Euroeinführung nicht mehr miterlebt, das Attentat in Winnenden, den Anschlag auf das World-Trade-Center und und und. Glücklicherweise auch nicht die Corona-Zeit, ich weiß beim besten Willen nicht, wie er sich dazu verhalten hätte.

Ich möchte heute nur einen Gruß aus der Vergangenheit zu Worte kommen lassen. Über ein soziales Medium erlangte ich gestern Kontakt zu einer Dame, die sich nach 28 Jahren noch lebhaft an meinen Vater erinnert, hat er doch wahrscheinlich damals ihrem Sohn das Leben gerettet.

Lassen wir sie sprechen (Rechtschreibung behutsam korrigiert):

Oh, …er war der Lebensretter meines Sohnes. Ihm verdanke ich, dass er 1994 die richtige Diagnose stellte, sonst wäre er einen Tag später an einer Sepsis gestorben.

Als ich erfuhr, was dann passiert ist, …Jahre später, war ich sehr traurig.
Wenn ich heute auf den Friedhof gehe, gehe ich immer bei ihm vorbei und bedanke mich immer noch.

Er war unter den Ärzten hier in Altenburg, als Kinderchirurg, ein sehr guter Arzt und Diagnostiker. Mein Sohn lag mit 41,6 Grad Fieber drei Tage im Kinderhospital. Man untersuchte per Ultraschall, Röntgen, gezogenes Gehirnwasser etc., Ohne Diagnose. Er war schon ohne wirkliches Bewusstsein und man schrieb es einem Virus zu. Die Kinderchirurgie war derzeit in der Baracke im Areal des Kinderhospitals.
Ich wusste an dem Abend, wenn ich heute nach Hause gehe, bekomme ich in den nächsten Stunden eine schlimme Botschaft. Ich weinte furchtbar und sollte aber gehen, weil es bereits 20 Uhr war. Man sagte, man tue alles! Das Fieber ging trotz lytischen Cocktails nicht herunter.
Als ich völlig fertig das Haus verließ, kam von unten der Arzt und unsere Wege kreuzten sich direkt. Er grüßte mich ,schaute mich an und fragte, was mit mir ist. Ich erzählte soweit ich konnte alles und brach zusammen.

Er klingelte an der Station, wo mein Sohn lag. Ich wurde versorgt und er ging zu meinem Sohn und untersuchte ihn. Danach kam er zu mir und erklärte mir, dass er Dr. Noori sofort anruft und ein Not-CT anmeldet. Das war für die neunziger Jahre nicht Standard.
Dr. Noori hatte schon lange Feierabend, aber er war noch da und alles wurde schnell im Krankenhaus Leipziger Straße vorbereitet. Der Rettungswagen kam, Dr. Möglich, mein ohnmächtiger Sohn und ich wurden ins KH gefahren. Unterwegs erklärte er mir, dass es UNNORMAL sei, bei der Symptomatik nicht den Chirurgen hinzugezogen zu haben.

Er nahm an, Daniel habe einen perforierten Blinddarm, Lebensgefahr.

Das CT wurde gemacht…, es war kein Blinddarm, aber ein ebenso gefährlicher perforierter Nierenabzess, schon mit Bakterien in der Blutbahn.

Dr. Möglich konnte in dem Zustand, in dem mein Sohn war, ihn nicht mehr operieren, dass hätte dieser nicht überlebt. Also legte er Infusionen mit verschiedenen Antibiotika. Er sagte, wenn in zwei Stunden die Temperatur nicht etwas runter gegangen ist, MUSS er operieren. Er blieb die ganze Nacht bei mir und meinem Sohn. Die Temperatur ging nach zwei Stunden leicht auf 40 Grad zurück. Er blieb bis früh da und nahm meinen Sohn dann mit auf seine Station. Ich durfte auch ganztags dort bleiben.

Nach etwa einer Woche war mein Sohn aus dem Delirium wieder ansprechbar und außer Lebensgefahr.

So viele Tränen und Horrorangst als Mutter wollte ich nie wieder erleben. Ich bin fast zerbrochen. Deshalb bedanke ich mich heute noch am Grab.

Als ich damals die Zeitung aufschlug und die Annonce von Dr. Möglich las, war ich geschockt. Es war sehr traurig für mich.

Ich weiß noch als ich ihm Blumen zum Geburtstag ins neue Krankenhaus brachte. Da stand er gerade draußen und rauchte. Ich habe ihn umarmt, gratuliert und immer wieder bedankt. Aber ich merkte, das er spürbar dünner geworden war.

Ich fragte direkt, ob alles in Ordnung ist. Er sagte, ja….machen sie sich keinen Kopf, das ist nur wegen des Stressesw wegen der Eröffnung des neues Krankenhaus.

Kurze Zeit darauf die Nachricht.

Sorry für den langen Text, aber ich werde ihn nie vergessen.

 Posted by at 4:32 pm
Feb 132022
 


Selene III
Welch Phänomen! Im Jahr 2022 gibt es einen ambitionierten Mann, der sich nicht dem Zeitgeist unterwirft, der ganz frei seinem Hobby frönt und dabei kommt überraschend Gutes heraus, welches zudem auch noch SEHR interessant ist.

Im Film „Eine Leiche zum Dessert“ (Original: Murder by Death(1976)) sagt Gastgeber Lionel Twain zu der versammelten Schar der Superdetektive den schönen Satz: „Meine Intelligenz möchte sich mit ihrer gemessen sehen.“

An diesen Satz dachte ich manchmal beim Lesen von „Selene“. Und er tat seine Wirkung. Als schon reifer Vielleser passiert es mir nicht oft, daß ich zum Lexikon greife, um mich einzusortieren. Bei diesem Buch tat ich es öfter und mit Genuß und Erkenntnisgewinn, ein Dank dafür an den Autor.

Eine schier unüberschaubare Vielzahl von Themenbereichen werden in „Selene“ tangiert, angesprochen, manchmal vertieft. Dabei gelingt Chris Pfeiler der Spagat, Themen als selbstverständlich vorauszusetzen und so zu beschreiben, daß man sich als Leser mitgenommen fühlt und nicht ausgegrenzt.

Beispielsweise beschränkt sich meine Erfahrung mit japanischen Comics nur auf die vor 40 Jahren im ZDF ausgestrahlten Fernsehserien Heidi, Sindbad, Captain Future, Wicki, Biene Maja usw. Ich verbinde also nur ewig gleich gezeichnete Zeichentrickfiguren mit komischen Augen und schreienden Mündern, bei denen man das rosa Zäpfchen sieht, damit. Dabei weiß ich, daß es eine ganze Welt voll Mangas gibt, die mir völlig fremd ist. Dennoch erschließen sich mir die Referenzen auf japanische Comics durchaus.

Und so geht es mir bei vielen mir unvertrauten Themen, wie frühe Computerspiele, manche Fernsehserie,…

Dieses wunderbare Eintauchen in unbekannte Welten, das Spiel mit Versatzstücken des (westlichen) Kulturwissens, stark geprägt durch Funk und Fernsehen und dem Impakt vor allem des 20. Jahrhunderts mit Fokus auf die 70er und 80er Jahre, das ist nicht neu. Die Zeichentrickserie „The Simpsons (1989 – 1998)“ popularisierte diesen Stil. Von diesen frühen Simpsons ist der Autor merklich inspiriert, ja vielleicht möchte er mit seinem Buch an die alte Qualität der Serie anknüpfen, nachdem diese ab Staffel 10 endgültig vor die Hunde ging und echte Fans sich mit Grauen von ihr abwendeten. (Ich sehe gerade, daß die Zombie-Simpsons immer noch ausgestrahlt werden, mittlerweile in der 33. Staffel).

Zur Handlung möchte ich nicht zuviel verraten. Bei den beiden Protagonisten wird jetzt öfter der mittlerweile reifere Rick in den Fokus gerückt, auf der anderen Seite die – erzwungene – menschliche Seite Selenes herausgestellt. Schmerzlich anrührend ist die für beide Seiten unbefriedigende Begegnung mit ihrer Mutter. Das Fehlen der übernatürlichen Kräfte tut der Geschichte durchaus gut, zumal am Schluß deren Wiedererlangung um so effektiver ist.
Veränderung, Reife, aber auch Verfall, unwiederbringliches Verschwinden (durch Sichtbarwerden) zieht sich durch das Buch, besonders gut herausgearbeitet an Xanadu, dem unsicher gewordenen Rückzugsort von Selene und Rick.

Immer wieder fasziniert mich die Reflexion auf Götter, die Zeit und Schuld und Sühne. Denn an diesem Thema haben sich ja schon in den Jahrtausenden unzählige Menschen abgearbeitet, so daß man denkt, dort nichts Neues mehr entdecken zu können oder nur eingefahrene Gleise nebst aufgehängter Moral vermutet.
Chris Pfeiler schafft für mich das Kunststück, Physik, Mythos, Philosophie, verschiedene Religionen, Geschichte in einen Denkhorizont einzubinden, der mir genehm ist, der mir weiterhilft und der große Denkanstöße gibt.

Beispielsweise dienen das Zweistromland, das darin gelegene Uruk und sein berühmtester König Gilgamesch als Schnittstelle zwischen der Menschheit und den verschiedenen Göttinnen, bei denen man am Ende nicht einmal weiß, wer gut oder böse ist, denn absolute Macht korrumpiert absolut und gut gemeint ist nicht gut gemacht und Zeit ist durchaus sehr relativ.

So wird die Gestalt der Inanna deutlich ausgebaut und meine Meinung über sie habe ich beim Lesen mehrfach revidiert. Und schauen wir einmal, wie sich die dunkle Göttin „Jez“ entwickelt.

Es gibt das wunderschöne Lied „Am Fenster“ der Gruppe City. Einer der Gründe, warum dieses Stück von jung und alt, von Ost und West seit Jahrzehnten ununterbrochen geliebt wird, ist der Text, den die Schriftstellerin Hildegard Maria Rauchfuß verfaßte. Denn dieser Text ist vor allem lyrisch. Er stiftet die eigene Phantasie an, spazieren zu gehen, er hat keine klare, eindeutige Botschaft, er ist mysteriös…

Genau diese Wirkung entfaltet bei mir der dritte Band Christian Pfeilers „Selene – Herbstzeitlose“. Und ich kann mich mit Sicherheit auf einen vierten Band freuen, denn es gibt einen schönen Cliffhanger.

 Posted by at 10:19 am
Nov 162020
 

…erklärt sich mit den folgenden Fotos sehr leicht.

Hintergrund: Ich arbeitete als Rettungsschwimmer in Naherholungsgebiet Pahna und fuhr wie immer am Abend mit meinem Motorrad nach Hause. Tja und dann stoppten mich die Genossen Volkspolizisten. Ich begriff am Anfang nicht einmal, daß eine Geschwindigkeitskontrolle durchgeführ worden war. Doch im Polizei-Barkas dämmerte mir allmählich, daß sich meine motorisierte Zukunft anders entwickeln würde.

Zur Erläuterung der nächsten beiden Fotos: es gab kein Punktesystem mit Flensburg usw., sondern man hatte neben dem Führerschein stets diese nette Berechtigungskarte P mitzuführen.

Auf der Rückseite war Platz für 5 Stempel/Knöllchen. Wenn diese Stempelkarte voll war, dann war der Führerschein, der damals politisch korrekter Fahrerlaubnis genannt wurde, weg.

Merksatz (1) Du… (2) fährst … (3) keine… (4) Rennen… (5) mehr.

Bei mir verzichtete man auf die Arbeit, fünfmal zu Stempeln, wie man hier schön sehen kann.

Fazit: Ich hatte an diesem 24.07.1985 noch eine Dreiviertelstunde Zeit, nämlich bis 20:45 Uhr, um mit meinem Motorrad nach Hause zu fahren. Dort stellte ich es in den Schuppen und machte mich sogleich daran, mein Fahrrad wieder in Schuß zu bringen, denn ab jetzt war ich lange neun Monate Fußgänger. Für einen gerade Volljährigen eine deftige Strafe. Immerhin war der Führerscheinentzug nicht mit Kosten verbunden, ich hatte sowieso kein Geld und fairerweise wurden die Erziehungsberechtigten nicht für die Doofheit ihres Nachwuchses finanziell bestraft.

Am nächsten Tag, dem 25.07.1985, hatte ich die zweifelhafte Ehre, in der Regionalzeitung als „schnellster Raser des Tages“ genannt zu werden und am Folgetag, dem 26.07.1985, erreichte mich mit Postzustellungsurkunde der folgende Brief:

Man kann sage, was man will, aber die Strafe folgte auf dem Fuß und wirkte. Neun Monate kein Führerschein als Abiturient, das war übel. Auch der Spott aller Mitmenschen war mir sicher. Am Schlimmsten war aber, daß ich ohne Fahrerlaubnis der einzige Junge in meinem Jahrgang war, der nicht den billigen LKW-Führerschein über die GST machen durfte. Somit hatte ich doch einen finanziellen Schaden, denn nun mußte ich statt 75,00 Mark zwei Jahre später in der regulären Fahrschule um die 1.000 Mark berappen.

 Posted by at 3:46 pm