Jan. 152009
 

c120
Wer mich kennt, weiß, daß ich bei Musikrecherchen hartnäckig sein kann.
Diese Hartnäckigkeit nun führte zu folgendem Brief, den ich den Lesern an dieser Stelle leicht anonymisiert präsentieren möchte.

Sehr geehrter Herr Muster (oder lieber Hans?),
zuerst einmal wünsche ich Ihnen ein gesundes neues Jahr. Sicher wundern Sie sich, wer ich bin und warum ich Ihnen diesen Brief sende.
Dazu nun ein paar Erklärungen.
Im Frühjahr 1976 trafen wir uns anläßlich der Konfirmation meines Cousins Fritz Meier in Ort/Mecklenburg. Ich war damals neun Jahre alt.
Da Sie in Ihrem Wagen noch eine Musikkassette liegen hatten und diese auf der Heimfahrt an der Zonengrenze Probleme bereitet hätte, schenkten Sie diese Kassette meinen Eltern.
Was Sie nicht wissen konnten: diese Kassette entwickelte sich zu einer Institution. Wir hörten sie so oft, daß sie ein Teil unseres Familienlebens wurde und auch jeder Bekannte sie irgendwann auswendig kannte. Wir verdanken der Kassette sehr viele schöne und erinnerungsträchtige Stunden, sei es bei langen Autofahrten, beim Umzug, beim Festessenbereiten, beim Plausch in der Küche, beim Renovieren.
Da es sich bei der besagten Kassette um eine BASF-Kassette mit erstaunlichen 120 Minuten Gesamtspiellänge handelte, war das Band sehr dünn. Damit kam nun unser Sternrekorder nicht allzugut zurecht und zerriß das dünne Band immer wieder. Die Kassette war mindestens siebenmal geflickt, als ich sie schließlich 1983 mit meinem neuen Kassettenrekorder auf ein anderes 120er Band (war in der DDR nicht erhältlich und mußte im Intershop für kostbares Westgeld erworben werden) retten konnte.
Damit stand der weiteren Nutzung nichts mehr im Wege und wir hatten weiterhin viel Freunde in der Familie mit unserer „6“, denn 1976 besaßen wir nur fünf Kassetten und folgerichtig bekam die „6“ diese Nummer. Ein kleiner Wermutstropfen sei nicht vorenthalten: meine Mutter kam auf die wahnwitzige Idee, auf einer Seite die letzten Lieder mit eigener Musik zu überspielen, darüber ärgern wir uns noch heute, wissen wir doch nun nicht mehr, was an dieser Stelle ursprünglich stand. Aber es betrifft nur fünf Titel, diese sind in der Auflistung kursiv dargestellt.
Immer wieder waren wir begeistert über die schöne Auswahl von Titeln, die Anfang der 70er sicher nicht nur dem Mainstream entsprangen. Und ich war begeistert über die Tonqualität, denn auch noch nach über 10 Jahren waren die Aufnahmen besser und knackiger und rauschfreier als Aufnahmen mit aktueller DDR-Technik. Ich gehe davon aus, daß sie damals ein sehr gutes Deck besaßen.
Im Jahr 2001 verstarb mein Vater, ihr Namensvetter.
Beim Umzug in die neue Wohnung gingen leider alle Kassetten (mittlerweile „stattliche“ 25 Stück) verschütt. Glücklicherweise betraf daß aber nicht die „6“, denn von ihr hatte ich eine Kopie in meiner Wohnung. Außerdem hatte ich auch das Kassettenheft gerettet, in welches wir in jahrelanger, mühseliger Detektivarbeit Stück für Stück die Interpreten und Titel hineingeschrieben hatten, welche wir erkannten. Doch blieben immer noch Wissenslücken. Doch dank der Verbreitung des Breitband-Internets hatte ich nun neue Recherchemöglichkeiten und viel Unterstützung bei der Suche nach den mir zwar wohlvertrauten Liedern, von denen ich aber immer noch nicht wußte, wer sie denn nun, verflixt noch einmal, gesungen hatte!
Vielleicht half mir auch mein mittlerweile deutlich verbessertes Englisch beim Auffinden von Texten im Netz. Sei es drum, bis Ende 2003 hatte ich lückenlos alle Titel erkannt. Nun ging es ans Auffinden dieser Titel in gescheiter Qualität. Manche Schallplatte und CD ersteigerte ich im Internet oder beauftragte meinen Plattenladen in Mainz, diese zu besorgen. Auch hier wäre ich ohne Internet nicht sehr weit gekommen. Ende 2003 hatte ich alle Titel parat und konnte diese nun auf 2 CDs bannen, pro CD eine Stunde bzw. eine Kassettenseite.
Schon damals hatte ich den Wunsch, Ihnen eine Kopie zukommen zu lassen, doch wußte ich nicht, wie ich an Ihre Adresse gelangen kann.
Nun weilte ich Weihnachten bei meiner Tante in Hamburg und sie berichtete, daß Hermann und Inge Nachname Kontakt zu Ihnen hätte. Heute ließ ich mir von Inge die Adresse geben und erlaube mir hiermit, Ihnen ihre Kassette „6“ mit knapp 33 Jahren Verspätung in CD-Form wiederzugeben.
Ich hoffe, Ihnen damit eine Freude bereitet zu haben und wünsche Ihnen viel Spaß beim Anhören.
Mit freundlichen Grüßen aus dem winterlichen Rheinhessen

Ein freudiger Anruf und ein schönes Gespräch waren der Dank für meine Mühen. So macht mir das Leben Spaß.
Zum Schluß noch für Interessierte die Titelliste:
Seite 01
Nr. Interpret Titel Zeit
01 Diana Ross & The Supremes Love Child 02:59
02 Rolling Stones Luxury 04:31
03 Gordon Lightfoot Sundown 03:37
04 Eric Clapton Willie And The Hand Jive 03:31
05 Ringo Starr Have You Seen My Baby 03:44
06 The Sparks Amateur Hour 03:28
07 Rod Stewart Dixie Toot 03:28
08 Alvin Stardust My Coo Ca Choo 02:48
09 Eric Clapton Motherless Children 04:53
10 The Searchers Sweets For My Sweet 02:25
11 Diana Ross & The Supremes Where Did Our Love Go 02:33
12 John Lennon Stand By Me 03:29
13 Eric Clapton Give Me Strength 02:54
14 Donna Summer Lady Of The Night 03:59
15 Spotnicks If You Could Read My Mind 03:17
16 Uriah Heep Lady In Black 04:44
17 Leonard Cohen Lover Lover Lover 03:21
18 Roger Whitaker A Little Goodbye 03:00
Seite 02
Nr. Interpret Titel Zeit
01 John Lennon Sweet Little Sixteen 03:01
02 Diana Ross & The Supremes Where Did Our Love Go 02:33
03 Rolling Stones It’s Only Rock’N Roll But I Like It 05:00
04 Leonard Cohen So Long, Marianne 05:37
05 Suzie Quatro Shot of Rhythm and Blues 04:55
06 Gordon Lightfoot Somewhere U.S.A 02:56
07 Eric Clapton Mainline Florida 04:04
08 Sparks Here In Heaven 02:50
09 Bryan Ferry Walk A Mile In My Shoes 04:44
10 Ringo Starr Oh My My 04:16
11 Roxy Music The Thrill Of It All 06:24
12 Rod Stewart Bring It On Home To Me 03:59
13 Beach Boys California Girl 02:34
14 The Searchers Good Bye My Love Good Bye 03:02
15 John Lennon Peggy Sue 02:04
16 John Lennon Medley: Bring It On Home To Me – Send Me Some Lovin‘ 03:42
17 Diana Ross & The Supremes The Happening 02:51

 Posted by at 10:52 p.m.
Dez. 082008
 

In diesem Fall ist der Schatten die Anschaffung einer neuen Digitalkamera. Das ist nun schon meine vierte. Die erste kaufte ich am 22. Februar 2003 im Mediamarkt in Bad Kreuznach. Es war eine Praktika für 99 EUR, die nur 1,9 Megapixel hatte. Schon nach wenigen Tagen fielen Teile im Inneren ab und die Zoomwippe funktionierte nicht mehr.
Raffiniert wie ich war, holte ich mir als Austauschgerät im selben Markt gleich etwas Besseres, eine Samsung mit 3,8 Megapixeln. Das war am 26. März 2003. Diese Kamera funktionierte recht gut und auch die Aufnahmen taugten im Gegensatz zur Ersten durchaus. Einziges Manko, das aber eigentlich ein KO-Kriterium war: die Zeit vom Einschalten und Fokussieren bis zum Auslösen war unerträglich lang. Und mit Unerträglich lang meine ich mehr als 10 Sekunden. Viele schöne Schnappschüsse sind mir auf diese Art und Weise verlorengegangen.
Am 21. November 2004 war es dann soweit, da an der Kamera ein Plastikteil abgefallen war, fokussierte sie nicht mehr richtig. Also ab in die eBay damit und ich bekam sage und schreibe noch 100 Euro für das Ding. Neu kostete sie damals allerdings auch 300 Euro.
Der Nachfolger und Nummer drei wurde eine Kodak-Kamera mit satten 6,1 Megapixeln. Diesmal stimmten die Einschalt- und Reaktionszeiten und Dank eines guten deutschen Objektivs konnten sich die Bilder sehen lassen. Und das zu einem Preis von 250 Euro. Auch paßten nun Akkuhaltbarkeit und Speicherkartenvolumen besser als bei den Vorgängern.
Also soweit nichts zu Meckern. Die Kamera begleitete mich treu nach Rußland und bis Spitzbergen und ließ mich nie im Stich.
Insgesamt erzeugte ich in den vier Jahren mit der Kodak mehr als 5.600 Fotos und Filme, die insgesamt 11,6 GB Platz belegen und auf mehreren Datenträgern verteilt gesichert sind (Angst vor dem digitalen Datentod).
Schon kurz nach dem Kauf fiel ein Teil der Plastikhalterung des Akkus ab. Aber auch ohne das Ding ging alles prima. Anfang letzten Jahres fehlte dann auch der Rest dieser Halterung. Irgendwie war sie aber zum Schluß doch leicht ausgeklappert. So passierte es immer öfter, daß der Akku keinen Kontakt hatte und die Kamera nach dem Einschalten in den Auslieferungsmodus ging und ich erst schnell Datum und Uhrzeit einstellen mußte. Damit war ich wieder in der selben Situation wie mit dem Vorgänger, Schnappschüsse gingen nicht mehr zuverlässig.
Da ich ja Anfang nächsten Jahres eine Fernreise mache, lag also der Neukauf einer Kamera nahe. Und so bin ich seit letztem Samstag stolzer Besitzer einer Olympus-Kamera. Sie kostete allerdings nicht soviel wie auf der Olympus-Seite angegeben, sondern genausoviel wie ihre Vorgängerin, die nun in der eBay steht.
Und dieser Apparat ist stoßsicher, staub- und wasserdicht und verträgt auch mal einen Fall. Also das richtige für mich! Mal sehen, wie lange ich den Apparat haben werde und was er für Bilder macht. Noch ist er unbenutzt, denn bei dem lausigen Wetter fand ich noch keine Muse. Bild wird aber nachgeliefert.
Vergleich der drei altgedienten Kameras mit ähnlichem Motiv:
Su
Das waren 1,6 Megapixel.
Su
Nun schon 3,8 Megapixel.
Su
Und hier feiste 6 Megapixel.

 Posted by at 10:10 p.m.
Dez. 042008
 

…impfen. Mittwoch gab es Vorbeugung gegen Gelbfieber, heute waren Kinderlähmung, Diphtherie und Wundstarrkrampf dran und die restlichen beiden (Hepatitis und aeh, noch eine) gibt es in 10 Tagen.
Wozu mache ich das alles? Nun, ich möchte im Februar mit der MS Astor an der afrikanischen Ostküste schippern. Da lese ich aber sehr ungerne Meldungen wie diese.
Egal, wie mir schon empfohlen wurde, soll ich jetzt nicht mehr sowas tragen, sondern besser einen
Helm.

 Posted by at 10:07 p.m.
Dez. 042008
 

…, die in Mainz von einem Plakat prangt, ich muß die echt mal fotografieren. Darauf zu sehen sind vier Personen. Ein Mensch im Vordergrund sät aus, einer schaut zu und zwei lungern im Hintergrund unter einem Baum herum. Und das Plakat wirbt für, äh, fairen Kaffee? So genau habe ich es noch nicht gelesen. Aber ich fühlte mich automatisch an die Situation auf deutschen Autobahnbaustellen erinnert.

 Posted by at 1:07 p.m.
Dez. 042008
 

…Piep, Piep, Piep, Piep, Piep, Piep, Piep, Piep, Miau.
So lautete gestern Morgen im Stau auf eisglatter Straße die Radiowerbung der Fa. Fressnapf. Und die Botschaft war, daß die Viecher zu Weihnachten etwas Besonderes zu bekommen hätten. So viel dreiste Doofheit verschlug selbst mir den Atem. Leider findet sich auf der Internetpräsenz von Fressnapf nicht besagter Spot, dafür aber, man glaubt es kaum, ein noch Bekloppterer.

 Posted by at 1:03 p.m.
Nov. 222008
 

…, so lautet der Titel eines spannenden Science-Fiction-Abenteuerromans aus dem Jahre 1959, welchen meine Mutter für gute schulische Leistungen auf der Oberschule erhielt.
Schon als Knabe las ich dieses packend Werk gerne und so ist es nicht verwunderlich, daß ich dieses Buch nun hier in Olm habe. Kürzlich geriet es mir in die Hände und ich fing begierig an, es zu lesen. Doch was war das? O Schreck! Es ist wohl schon eine Weile her, daß ich es las. Zum Inhalt:
Fleißige und geniale, deutsche Ingenieure (vom kürzlich vergeigten Krieg liest man kein Wort) entdecken Ultrasymet, einen Werkstoff 72mal härter als fester als der beste Schwedenstahl. Der Grundstoff für Ultrasymet liegt in der Wüste. Also bauen die Deutschen mit den algerischen Freunden (Algerien ist eine sozialistische Republik) ein Versuchswerk in der Sahara auf.
Das paßt einem schwedischen Stahltrustbeitzer überhaupt nicht in Konzept und so spionieren seine Agenten dem armen Professor hinterher und unbedarfte Berber werden von französischen Armeeehemaligen und unwissenden Scheichs zum Sturm auf das Werk überredet. Aber dank der überlegenen Technik…
Egal, aus heutiger Sicht liest sich das hanebüchen. Vor allem die Beschränktheit und die naive Technikgläubigkeit, was Zukunftsvisionen angeht, ist erstaunlich.
So begeistert man sich auf der einen Seite für Ultraschall, Atomkraft, Düsenmaschinen, hat aber auf der anderen Seite noch Kreide und Rechenschieber allgegenwärtig.
Dennoch las ich das Buch mit wohlwollendem Schmunzeln und entsann mich meiner Kindheit, als ich über die Geschichte noch staunen konnte.
Herzhaft auflachen mußte ich allerdings bei folgendem Abschnitt, in dem der Autor noch etwas hilflos den Sozialismus und seine Vorzüge preist:
[Alle dreihundert Werksangehörigen sind in der großen Halle versammelt]

Professor Thamud drehte sich unerwartet zu Grant, schüttelte ihm kräftig beide Hände und sagte laut:
„Ich danke im Namen aller unseren Freunden.“
Er wandte sich wieder den Arbeitern zu.
„Auf der gestrigen Sitzung der Werkleitung wurde beschlossen, folgende Mitarbeiter für hervorragende Leistungen auszuzeichnen“ – er schlug eine Mappe auf – „das Kollektiv des Bauleiters Al Habschi. Die Negerbrigade Sieben…“ Thamud las eine lange Reihe Namen. Hohe Geldprämien und Urlaub waren der Lohn…(1)

Tatsächlich zieht sich die Klassifizierung durchs ganze Buch. Die Deutschen sind die Herren, die Algerier werden gutmütig für gehobenere Aufgaben angeleitet und die Neger schleppen schwitzend die Steine.
Aber beneidenswert ist die Qualität der Ausführung des Buches. Ich konnte keinen Satz- oder Druckfehler entdecken. Und das wiederum ohne Computer…
(1) Heinz Vieweg: Ultrasymet bleibt geheim, Verlag Neues Leben Berlin, 1959, S. 181

 Posted by at 6:18 p.m.