Sep 102022
 

Gleich vorweg: Ja, die Gegenseite hat 100% Recht, ja, ich bin 100% verantwortlich und 100% an allem Schuld und alles hat seine 100% Richtigkeit.

Und dennoch schreibe ich mir meine Gedanken von der Seele. Worum geht es? Ich habe heute 39,35 EUR Strafe dafür bezahlt, weil ich auf einem Supermarktparkplatz keine Parkscheibe aufs Armaturenbrett gelegt habe.

Hier die ganze Geschichte:

Ich weiß, daß seit letztem Jahr eine Privatfirma vom Supermarkt Markant beauftragt wurde, zu kontrollieren, ob die neue Regel (Autos dürfen nur maximal 2 Stunden parken und zur Kontrolle muß eine gestellte Parkscheibe hinterlegt werden) eingehalten wird.

Zahlreiche Schilder auf dem Parkplatz und im Markt weisen auch deutlich darauf hin.

Nachvollziehbar aus Sicht des Supermarktes, es war sicher in der Hochsaison ein Ärgernis, daß Strandurlauber ihre Autos kostenfrei den ganzen Tag auf dem Supermarktparkplatz stehen ließen und Kaufwilligen den Parkplatz wegnahmen.

Diese Regelung war vor Corona nicht nötig, da gab es keinen Streit um knappe Parkplätze, doch mittlerweile sind ja deutlich mehr Leute inländisch im Urlaub unterwegs.

Am 09.08.2022 fuhr ich auf den besagten Parkplatz, warf >40 Briefe in den Briefkasten und kaufte für einen überschweren Brief für 0,15 EUR Briefmarken nach. Das ganze dauerte keine 3 Minuten.

Letzte Woche erhielt ich einen Brief, darin teilte mir ein Unternehmen aus Stuttgart mit, daß „Uhrzeit: 12:37.22“ mein Auto ohne ausgelegte Parkscheibe vorgefunden wurde und ich deswegen 39,35 EUR bezahlen soll.

Überrascht war ich und verärgert. Verärgert, daß ich nicht an die Parkscheibe gedacht hatte, aber, mein Gott, ich hab doch nur die Danksagungskarten eingeworfen und an der Poststelle (ich war der einzige Kunde) zwei Briefmarken geholt. Und überrascht, weil ich darüber keinen Hinweis am Auto hatte.

Also schrieb ich höflich an das Unternehmen, legte die Postquittung bei (Uhrzeit: 12:38) und bat, mein Säumnis zu verzeihen. Ferner monierte ich die 5 EUR Mahngebühr, denn ich hatte ja bis dahin keine Kenntnis einer Verfehlung.

Heute kam (sehr schnell) der Antwortbrief, der mir anonym aus Textbausteinen formuliert lapidar erklärte, daß ich schuldig bin und die Mahnung auch in Ordnung sei und ich zahlen soll.

Soweit, so schlecht für mich.

Dennoch schwingen da viele Sachen in dem Vorgang mit, die alle für sich betrachtet, unwichtig sein mögen, sich bei mir aber aufschaukeln. Nochmal: ich rede mir hier nur meinen Frust von der Seele und brauche keinen Hinweis der Art: „Ja, aber laut Gesetz haben die aber vollkommen Recht und Du hast dich falsch verhalten, ist doch kein Ding, die Parkscheibe rauszulegen.“

Hier meine subjektivem unwesentliche und irrelevante Sicht der Dinge:

1. ich war doch keine 5 Minuten auf der Post!
2. es war mir ganz gewiß keine Freude, Danksagungskarten zu verschicken
3. ich war nur auf der Post, weil ich im Anschluß in die leerstehende Wohnung meiner verstorbenen Mutter etwas zu erledigen hatte, normalerweise gehe ich woanders zur Post
4. ich kenne die Gegend mein ganzes Leben, ich besuche sie regelmäßig und habe seit 2018 auch das passende Kennzeichen am PKW und der Markant ist mein Stammladen
5. ich benutzte diesen Parkplatz immer nur zum Einkaufen und hatte nie den Hauch eines Gedankens, ihn illegal zum Dauerparken für den Strandbesuch zu benutzen, es gab übrigens stets und ständig IMMER genügend freie Parkplätze
6. Wieso muß ein Unternehmen aus Stuttgart sich um „Parker ohne Scheibe“ kümmern?
7. Wieso werde ich sofort gemahnt und kann mich nicht dagegen wehren?
8. Wieso sind die in Stuttgart zu blöd, ihre Postanschrift ordentlich im Briefkopf darzustellen?

9. Wieso braucht eine Antwort 3 Seiten Schreiben und zwei doppeltseitig bedruckte Seiten AGB?
Übrigens hier die Seite 3:

10. Im Erstanschreiben empfand ich es als Unverschämtheit

Für das Beweisfoto scannen sie den QR-Code oder loggen sich bei uns unter… ein:“

11. Wieso (nochmal, rein subjektiver Frust) werden Einheimische, die schnell Briefe einwerfen genauso behandelt wie die echten „Bösewichte“, die mit ihren Autos stundenlang Parkplätze blockieren?

12. Mein mir wichtigster Punkt: ich sehe das als Angriff auf mich und darüber hinaus alles als sinnlose Abzocke, an dem sich nutzlose Unternehmen bereichern, ohne die das Leben schöner und angenehmer wäre.

In Summe entsteht in mir der Eindruck, daß hier wieder perfektioniert in die Taschen des Autofahrers gegriffen wird. Ein Denunziae schlecht bezahlte Arbeitskraft mit Fangprämie schleicht über den Parkplatz, fotografiert mit dem eigenen Smartphone den Missetäter, den Rest erledigt die Software einer Firma im 800 km entfernten Baden-Württemberg, schickt schlecht formatierte Formbriefe mit ellenlangen Textbausteinen und AGB und natürlich mit QR-Codes mit Link auf die Internetseite des Unternehmens, damit man sich noch aktiv und auf eigene Kosten über sein „Fehl-„Verhalten informiert.
Immerhin sprechen sie nicht mehr von Tatzeit, das hatte ich auch schon.

Und für alles werden dann knapp 40 EUR fällig für eine „Vergehen“, welches 53 Jahre meines Lebens eben Keines war und in mir auch nicht keinerlei Unrechtsbewußtsein hervorruft. Wie denn auch, wenn ich nicht mal in Gedanken auf die Idee gekommen bin, dort mein Auto länger zu parken, habe ich doch einen eigenen Parkplatz in Strandnähe.

Die Lösung für die Zukunft: zuerst meide ich diesen Parkplatz und kaufe in anderen Geschäften ein, die sind eh billger, diese Entscheidung teile ich auch der Geschäftsleitung des Markant mit (Warum? Siehe Bild von Abe Simpson oben)
Und/oder ich werde mir wohl den Sichtbereich meines Autos permanent mit einer automatischen Parkscheibe zustellen, was ich so aber nie gewollt habe.

 Posted by at 7:29 pm
Apr 172022
 

Wir haben das in der Schule noch auswendig gelernt und ich kann heute noch große Teile davon noch aufsagen. In Goethes Faust I läßt der Dichter seinen Famulus Wagner beim Osterspaziergang sagen:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Der alte Winter in seiner Schwäche
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weisses.
Überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farbe beleben.
Doch an Blumen fehlts im Revier.
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden.
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus der Strassen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh, wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluss in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges ferner Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel.
Hier ist des Volkes wahrer Himmel.
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

 Posted by at 7:16 am
Mrz 142022
 

Seit mehr als drei Jahren wohne ich bereits in Ostseenähe in meinem Bungalow! Ich habe ihn perfekt gepflegt übernommen und tatsächlich war am Grundstück im ersten Jahr nur Erhaltungsaufwand zu betreiben.
2020 kam dann das erste Projekt, um die Lebensqualität zu steigern.
Problem: das Eckgrundstück bot konkret an der Straßenkreuzungsecke eine unverbaute Einsicht in meinen Garten und auf meine Terrasse. An sich stört mich das nicht, aber dennoch: jedesmal, wenn ein Nachbar oder Anrainer vorbeigeht ist die Privatsphäre gestört. Im Sommer 2019 boten zwei karg wachsende Sträucher ab Juli einen gewissen Schutz.

Das sollte nun anders werden. Im März 2020 wurden bei einem Baustoffhandel drei WPC-Zaunelemente mit Pfeilern bestellt. Mitte April wurden diese geliefert.

Keine zwei Wochen später war der Gartenbauer zur Stelle und installierte den Sichtschutz fachmännisch:

Voila! War zwar für meine Verhältnisse sündhaft teuer, aber die Investition hat sich gelohnt. Ich freue mich fast täglich über diesen optischen Hingucker, der tatsächlich viel mehr Privatsphäre bringt, als ich gedacht hätte.

Im Jahr 2020 gab es keine größeren Investitionen, die erfolgen dem Jahr 2021 und dem Teil II vorbehalten, der „zeitnah“ erscheinen wird.

 Posted by at 9:16 pm
Feb 132022
 


Selene III
Welch Phänomen! Im Jahr 2022 gibt es einen ambitionierten Mann, der sich nicht dem Zeitgeist unterwirft, der ganz frei seinem Hobby frönt und dabei kommt überraschend Gutes heraus, welches zudem auch noch SEHR interessant ist.

Im Film „Eine Leiche zum Dessert“ (Original: Murder by Death(1976)) sagt Gastgeber Lionel Twain zu der versammelten Schar der Superdetektive den schönen Satz: „Meine Intelligenz möchte sich mit ihrer gemessen sehen.“

An diesen Satz dachte ich manchmal beim Lesen von „Selene“. Und er tat seine Wirkung. Als schon reifer Vielleser passiert es mir nicht oft, daß ich zum Lexikon greife, um mich einzusortieren. Bei diesem Buch tat ich es öfter und mit Genuß und Erkenntnisgewinn, ein Dank dafür an den Autor.

Eine schier unüberschaubare Vielzahl von Themenbereichen werden in „Selene“ tangiert, angesprochen, manchmal vertieft. Dabei gelingt Chris Pfeiler der Spagat, Themen als selbstverständlich vorauszusetzen und so zu beschreiben, daß man sich als Leser mitgenommen fühlt und nicht ausgegrenzt.

Beispielsweise beschränkt sich meine Erfahrung mit japanischen Comics nur auf die vor 40 Jahren im ZDF ausgestrahlten Fernsehserien Heidi, Sindbad, Captain Future, Wicki, Biene Maja usw. Ich verbinde also nur ewig gleich gezeichnete Zeichentrickfiguren mit komischen Augen und schreienden Mündern, bei denen man das rosa Zäpfchen sieht, damit. Dabei weiß ich, daß es eine ganze Welt voll Mangas gibt, die mir völlig fremd ist. Dennoch erschließen sich mir die Referenzen auf japanische Comics durchaus.

Und so geht es mir bei vielen mir unvertrauten Themen, wie frühe Computerspiele, manche Fernsehserie,…

Dieses wunderbare Eintauchen in unbekannte Welten, das Spiel mit Versatzstücken des (westlichen) Kulturwissens, stark geprägt durch Funk und Fernsehen und dem Impakt vor allem des 20. Jahrhunderts mit Fokus auf die 70er und 80er Jahre, das ist nicht neu. Die Zeichentrickserie „The Simpsons (1989 – 1998)“ popularisierte diesen Stil. Von diesen frühen Simpsons ist der Autor merklich inspiriert, ja vielleicht möchte er mit seinem Buch an die alte Qualität der Serie anknüpfen, nachdem diese ab Staffel 10 endgültig vor die Hunde ging und echte Fans sich mit Grauen von ihr abwendeten. (Ich sehe gerade, daß die Zombie-Simpsons immer noch ausgestrahlt werden, mittlerweile in der 33. Staffel).

Zur Handlung möchte ich nicht zuviel verraten. Bei den beiden Protagonisten wird jetzt öfter der mittlerweile reifere Rick in den Fokus gerückt, auf der anderen Seite die – erzwungene – menschliche Seite Selenes herausgestellt. Schmerzlich anrührend ist die für beide Seiten unbefriedigende Begegnung mit ihrer Mutter. Das Fehlen der übernatürlichen Kräfte tut der Geschichte durchaus gut, zumal am Schluß deren Wiedererlangung um so effektiver ist.
Veränderung, Reife, aber auch Verfall, unwiederbringliches Verschwinden (durch Sichtbarwerden) zieht sich durch das Buch, besonders gut herausgearbeitet an Xanadu, dem unsicher gewordenen Rückzugsort von Selene und Rick.

Immer wieder fasziniert mich die Reflexion auf Götter, die Zeit und Schuld und Sühne. Denn an diesem Thema haben sich ja schon in den Jahrtausenden unzählige Menschen abgearbeitet, so daß man denkt, dort nichts Neues mehr entdecken zu können oder nur eingefahrene Gleise nebst aufgehängter Moral vermutet.
Chris Pfeiler schafft für mich das Kunststück, Physik, Mythos, Philosophie, verschiedene Religionen, Geschichte in einen Denkhorizont einzubinden, der mir genehm ist, der mir weiterhilft und der große Denkanstöße gibt.

Beispielsweise dienen das Zweistromland, das darin gelegene Uruk und sein berühmtester König Gilgamesch als Schnittstelle zwischen der Menschheit und den verschiedenen Göttinnen, bei denen man am Ende nicht einmal weiß, wer gut oder böse ist, denn absolute Macht korrumpiert absolut und gut gemeint ist nicht gut gemacht und Zeit ist durchaus sehr relativ.

So wird die Gestalt der Inanna deutlich ausgebaut und meine Meinung über sie habe ich beim Lesen mehrfach revidiert. Und schauen wir einmal, wie sich die dunkle Göttin „Jez“ entwickelt.

Es gibt das wunderschöne Lied „Am Fenster“ der Gruppe City. Einer der Gründe, warum dieses Stück von jung und alt, von Ost und West seit Jahrzehnten ununterbrochen geliebt wird, ist der Text, den die Schriftstellerin Hildegard Maria Rauchfuß verfaßte. Denn dieser Text ist vor allem lyrisch. Er stiftet die eigene Phantasie an, spazieren zu gehen, er hat keine klare, eindeutige Botschaft, er ist mysteriös…

Genau diese Wirkung entfaltet bei mir der dritte Band Christian Pfeilers „Selene – Herbstzeitlose“. Und ich kann mich mit Sicherheit auf einen vierten Band freuen, denn es gibt einen schönen Cliffhanger.

 Posted by at 10:19 am
Nov 222020
 

Virtueller Totensonntag

Hier kann man sich diverse Familiengräber anschauen. Nicht dabei: Gräber der Urgroßeltern in Ostpreußen, aber als ich dort war, hatte ich keinen Fotoapparat dabei.

Vaters Grab in Altenburg/Thüringen.

Vaters Eltern, meine Großeltern.

Vaters Schwester, meine Tante.

Kind einer Cousine, mein Großcousin.

Die drei vorgezeigten Grabstätten sind auf dem Friedhof in Rieda, heute ein Ortsteil von Zörbig in Sachsen-Anhalt.

Grabstätte der Großeltern in Klütz, keine 500 Meter weg von mir.

Grabstatte der Familie Kratz in Hörde, dort war das Sammelbecken der Familie nach der Vertreibung.

 Posted by at 9:29 am
Nov 092020
 

Naja, eigentlich sind es mittlerweile schon zwei Bücher, die es gedruckt direkt beim Buchautor Christian Pfeiler zu kaufen gibt.

Dazu muß man allerdings einen richtigen Brief an den Autor schreiben und ihm da pro Buch einen Zehneuroschein dazulegen. Die Druckkosten von 50 Euro sind damit aber noch lange nicht rein, mehr Geld kann also nicht schaden.

Zu umständlich? Zu altmodisch? Dann gibt es das Ganze auch kostenlos, aber nicht umsonst, auf seiner Homepage als PDF-Datei zum herunterladen.

Chris und ich kennen uns schon virtuell seit mehr als 20 Jahren und auch persönlich werden nächstes Jahr im August die zwei Dekaden voll.

Wir lernten uns im Usenet kennen, damals waren die Simpsons noch in den einstelligen Staffeln und es wert, gemeinsam besprochen zu werden und keine downloadbare Massenware. Chris schrieb viel und qualifiziert zum gelben Thema und war in den entsprechenden Kreisen DIE Autorität und hochgeschätzter Experte. Nach dem Niedergang der Serie widmete sich Chris mit Elan der Bruchbachserenade, deren finales Produkt, ein Comic-Band, noch heute bei Amazon gelistet ist. Leider ist selbst die Autobiographie von Heiko Maas leicht besser plaziert.

Ich bin immer noch der Meinung, daß die über 100 Folgenideen der Bruchbach-Serenade, von einem pfiffigen Sender verfilmt, ein Publikum gefunden hätten. Sicher wäre die Serie, da zu anspruchsvoll und zu durchdacht, nach der ersten Staffel trotz Fan-Protest abgesetzt worden und hätte im Gegensatz zu Firefly (*schnüff*) auch keinen Film erhalten, doch in der jetzigen Kultur der Netz-Sender hatte sie sicher eine Nische verdient. 2007 hatten wir bei ZDF nachgefragt, darüber muß ich heute noch lachen, wenn ich nur an die fünfstelligen Durchwahlnummern im Moloch auf dem Mainzer Lerchenberg denke.

Viele Gedanken der Bruchbach-Serenade mögen den Keim des nun vorliegenden „Opus Magnus“ gelegt haben, mancher Charakter, mancher Name, manche Landschaft wirken vertraut.

Nun also liegen sie in voller Pracht vor mir, Band 1 und Band 2 von „Selene“, denen noch ein Abschlußband 3 folgen wird. Band 1 lese ich gerade zum zweiten Mal, vieles erschließt sich nicht beim ersten Durchgang, umso schöner ist das zweite Lesen.

Selene, welch herrlicher Name! Alle Völker und alle Kulturen verehren die „Flammengleiche“, die Mondgöttin, die Titanentochter der griechischen Mythologie, die… halt, worüber rede ich eigentlich?

Genau DAS macht den Reiz der Bücher aus, denn nach der, durchaus bereichernden und vergnüglichen, Lektüre fühlt man sich durchaus wie nach einer Achterbahnfahrt. Und weiß nicht genau, worum es eigentlich geht. Und das tut gut!

Obwohl man denkt, daß es nicht Neues mehr unter dem Himmel gibt und alle Bücher mehr oder weniger ein Aufguß vergangener Werke sind, gibt es eben doch noch etwas zu entdecken.

Waren es vor knapp 20 Jahren die Bücher von Jasper Fforde und Walter Moers, die meine Bücherdenkwelt stark erweiterten und dachte ich damals, daß dem nichts mehr nachfolgen wird, so hat mich „Selene“ in dieser Beziehung positiv überrascht.

Geht es doch in diesem Buch nicht nachvollziehbar nur um ein Thema, sondern nimmt uns der Autor mit auf einen schrägen Streifzug durch Philosophie, Physik, Theologie, Alltagsproblematik, Zeitgeist und der puren Lust am Fabulieren. Beispiel gefällig? Hat schon mal jemand bukolische Landschaften, Stringtheorie, Starwars, sowjetische Filme der 1970er, olle Comics und eine Matheprüfung friedlich nebeneinander stehen gesehen?

Ich möchte den Inhalt nicht vorweg kaputt beschreiben, der Interessent möge sich selbst auf der Abenteuertour von Rick, dem aufgeweckten Teenager und seiner Klassenkameradin Selene, die sich so ganz nebenbei eben als echte Göttin erweist, sein Bild davon machen.

Ein Buch, welches das Wort „Kuttenfutz“ beinhaltet, kann nicht schlecht sein. Und mit Selenes Schwester Innana fehlt auch eine würdige Antagonistin nicht.

Also los, Leute, kauft das Buch bzw. lest es. Und los, Netflix, mach eine Miniserie daraus!

Vielen Dank, lieber Chris, für die schönen Lesestunden, die Du mir bereitest hast.

 Posted by at 3:47 pm
Okt 252020
 

… die von mir im Frühjahr bestellte Sonderedition des Spieles Command & Conquer enthielt.

Saubere Arbeit, ich bin sehr zufrieden.

Achja, Command & Conquer, ich weiß noch genau, wie ich das Spiel kaufte. Das war am 01. September 1995. Meine Freundin hatte ich gerade am Flughafen in Frankfurt für 14 Tage USA-Reise abgegeben und auf dem Rückweg kaufte ich in Gießen das Spiel, welches am Vortag erschienen war. Den Preis dafür habe ich vergessen, 79 DM klingt aber nicht ganz verkehrt. Näheres zu Command & Conquer steht im Blog.

Apropos Preis, das war definitiv das erste Spiel überhaupt, welches ich kaufte. Stimmt nicht, eines ist davor.

Jetzt sind also 25 Jahre ins Land gegangen und anläßlich des Jubiläums haben die ehemaligen Macher nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Heraus kam das Spiel im Originalcharme endlich auch unter modernen Windowsen zu spielen und als Bonbon können nun Bild und Ton auch in zeitgemäßerem Gewand daher kommen.

Das Spiel kam digital per Steam und ist schon lange durchgezockt, doch nun kam endlich die dazugehörende Box. Diese ist üppig gefüllt mit Plakaten, Tafeln, Sammelkarten und einer DVD mit Artwork. Der Hammer schlechthin aber (und der Grund für meinen Kauf) ist das Tiberiumkristall. Das leuchtet nicht nur grün, wenn man es in einen USB-Port stellt, sondern entpuppt sich als Stick, der die komplette Musik der beiden ersten Teile der Serie in hoher Qualität als Remaster enthält. Also als WAV und FLAC, Hut ab!



 Posted by at 7:51 pm
Apr 302020
 

… Internet der vergangenen Tage.
Es war Mitte der 90er Jahre, da mußte man, um ins Internet zu kommen eine Telefonleitung benutzen. Telefonleitungen, das waren elektrische Kabel, die seit den 80er Jahren und diesmal meine ich die 1880er Jahre, verlegt worden waren, eine über 100 Jahre alte Technik.

Die Telefonleitungen waren für Sprachübertragung optimiert und für (binäre) Computerdaten eher ungeeignet.

Also mußten die Binärdaten in hörbare Töne ungewandelt werden und die hörbaren Töne wieder zurückverwandelt werden in binäre Daten. Die Fachwelt spricht nicht schnöde vom Verwandeln, sondern nennt es modulieren. Aus MODulieren und DEModulieren wurde das Kunstwort MODEM für das Gerät geschaffen, daß beide Sachen kann.

Erste Modems oder deren einfache Vorgänger, die Akustikkoppler, schafften jämmerliche Übertragungsraten. Beim Download krochen bestenfalls 1.200 Bits in der Sekunde, im Upload gar nur 75 Bit pro Sekunde. Also hätte der Download eines Megabyte Daten Dank Overhead etwa 2 Stunden gedauert, der Upload eines Megabytes hingegen mehr als einen Tag gedauert. Nun wurde das Telefon nach Minuten abgerechnet, üblich waren tagsüber 8 Pfennig (4 Cent) pro Minute. Also hätte der Upload eines Megabyte mehr als 50 EUR gekostet (Nachts war es günstiger).
Um in dieses ominöse Internet zu kommen, mußte man das MODEM anweisen, sich ins Internet einzuwählen.

Bei der Telekom (ganz früher Bundespost, damals hieß sie T-Online) war die lokale Rufnummer bundeseinheitlich

0191011

Wenn das MODEM diese Nummer wählte (^ATDT bzw ^ATDP) dann ging der Telekomserver ran und nach Eingabe der Zugangsdaten wie etwa

5200755630001414141214#0001@t-online.de

war man im Internet. Aufgrund der lahmen Performance benutze man aber keine byteschluckenden Browser (Mosaic war der heisse Shyce, der Opa von Mozilla und, ja auch vom Internet Explorer), sondern man benutzte so abstruses Zeug wie Fido, MausNet, IRC usw.

Darum soll es aber nicht gehen.

Heute, am 30.04.2020, wird die Deutsche Telekom um Mitternacht die 0191011 abschalten. Damit entfällt die Möglichkeit, mit einem analogen MODEM über die Telekom ins Internet zu gehen.

Nicht, daß das jemanden interessiert, aber genau wie bei der Abschaltung der Langwelle endet wieder ein spannendes Kapitel Technikgeschichte.

Mir ist tatsächlich eine Person bekannt, die diese Zugangsmöglichkeit bis heute nutzt(e).

Lebe wohl, gute alte Analogtechnik! Ich habe hunderte DM in Dich und die Gebühren versenkt, stundenlang Zeit in Mailboxen verplempert, dank Hamster das Usenet offline gelesen und die Bundespost mit illegalen us-robotic-MODEMS ausgetricktst. Diese Phase ist morgen EDV-Geschichte.

 Posted by at 8:46 pm