Mai 142008
 

Montag, 24.07.06 Abreise II
Wiederum um 3:45 Uhr sollte uns besagter Fahrdienst aus Leipzig zum Bus schaffen, welcher 4:45 Uhr starten sollte. Wiederum standen wir, wie es sich für anständige Deutsche gehört, um 3:40 Uhr neben unseren Siebensachen auf der Straße. Und wieder fuhr ein weißer Mercedes an uns vorbei, dessen einsamer Fahrer nun nicht nur sehr irritiert ausschaute, sondern sich eines Déjà-Vu sicher war.
Und wiederum rief ich um 3:55 Uhr, diesmal deutlich erboster, den Fahrdienst an, wo denn das überfällige Fahrzeug bleibe? Dieses sei rechtzeitig gestartet und müsse jeden Moment da sein, versicherte mir der Fahrdienstleiter und erbot sich, den Fahrer zu fragen und uns dann zurückzurufen. Als weitere 10 Minuten später weder der Fahrer eingetroffen noch das Telefon geklingelt hatten, rief ich erneut an, um flatternden Herzens zu vernehmen, daß der Fahrer die Straße nicht fände! Dabei hatten wir die Straße gut beschrieben. Abgesehen davon ist es eine Hauptstraße auf dem Weg nach Leipzig, an der man gar nicht vorbeifahren kann. Und auch 2006 waren Navigationssysteme schon so bezahlbar, daß sich bspw. ein Transportunternehmen, dessen Hauptzweck das Abholen diverser Menschen von vielen unterschiedlichen Orten ist, sich vielleicht ja hätte so ein Gerät…, aber ich schweife ab. Jedenfalls reagierte der Fahrdienstleiter auf meine Aufregung mit Schnippigkeit. Auf seine doofe Bemerkung „Dann ruf ich eben meinen Fahrer zurück und Sie stornieren die Fahrt!“ legte ich einfach auf. Dann dachte ich kurz nach und rief erneut an, da ich befürchtete, der Depp könnte tatsächlich den Fahrer zurückpfeifen. Wer weiß, was noch passiert wäre, wenn nicht wenig später endlich der VW-Bus mit einem leicht verwirrten Fahrer eingetroffen wäre. Wir warfen hurtig das Gepäck ein und rasten 4:05 Uhr, 20 Minuten zu spät, gen Leipziger Hauptbahnhof-Ostseite, der ja immerhin noch gute 50 Kilometer entfernt war. Unterwegs mußte der Busfahrer gebeten, auf uns zu warten. Lange mußte er das glücklicherweise nicht, 3:52 Uhr, also nur 7 Minuten zu spät, konnte der Reisebus Richtung Travemünde starten. Na, das ging ja gut los, alle Passagiere beäugten mich mit solchen Blicken, die ich einem Säumigen entgegengeschickt hätte. Die Fahrer Ronny und Reiner begrüßten uns und teilten uns die Route mit. In Halle/Saale, Dessau (eine schrecklich heruntergekommene Stadt ohne Herz,wie ich entsetzt konstatierte), Berlin-Busbahnhof und BAB-Rasthof Linumer Heide sammelten wir weitere Reisende ein. Um 13:30 Uhr erreichten wir den Ostpreußenkai in Travemünde, in dem in voller Pracht unser Kreuzfahrtschiff, die Arielle lag. Die Einschiffung ging schnell und problemlos vonstatten und wir hatten bis zum Ablegen noch genügend Zeit, um dem bunten Treiben im heißen (29 Grad direkt an der Küste) Travemünde zuzuschauen.
erster Blick auf das Schiff
Unser erster Blick auf das riesige Schiff durch die Alleebäume.
Schiff am Kai
Die Arielle am Ostpreußenkai, im Hintergrund der Segler Passat am Priwall.
Schiff
Meine Mutter vor dem Bug der Arielle.
Unsere siebenminütige Verspätung wurde nicht etwa in Dessau getoppt, wo ein Ehepaar fast eine halbe Stunde zu spät war, sondern von einem Reisebus, der erst 40 Minuten nach dem offiziellen Ablegetermin eintrudelte. (Wie ich später erfuhr, kam der Bus aus Münster/Westf. und fuhr dort 10:00 Uhr ab. Er stand sage und schreibe 4 Stunden in einem Megastau bei Osnabrück) So legte die MS Arielle erst eine Stunde später (genauer gesagt einen Tag und eine Stunde später), also um 17:00 Uhr unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und der zahlreichen Urlauber zu den Klängen von Vangelis „Conquest Of Paradise“ ab, offensichtlich ein Hit bei den Kreuzfahrtschiffen, trotz der eher blutrünstigen Bilder, die im Film zu sehen sind. Beeindruckend ertönte mehrfach das Signalhorn, welches der Größe unseres Schiffes durchaus angemessen ist. Nun sah ich erstmalig aus Kreuzfahrtschiffperspektive auf die Sandwelt, auf den Priwall und auf die dahinterliegende Lübecker Bucht. Zu DDR-Zeiten konnte man vom Ostseebad Boltenhagen aus die dicken Kreuzfahrschiffe in Travemünde ablegen sehen und alle Augen schauten ihnen wehmuts- und sehnsuchtsvoll hinterher mit der traurigen Gewißheit, so etwas nie erleben zu können. Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf und ich freute mich ehrlichen Herzens, Bundesbürger zu sein und nährte nochmals intensiv meine Abscheu gegen linke Spinner, die dem SED-Regime nachtrauern.
großer Segler
Großes Segelschiff bei der Einfahrt in die Trave.
Abschied von Travemünde
Die Arielle nimmt Abschied von Travemünde.
das Schiff in der Travemündung
Mitten auf der Trave.
Yachten am Priwall
Viele Yachten am Priwall.
Segler Passat
Die Passat – großer Segler am Priwall.
der Priwall und die Sandwelt
Der Priwall mit der Sandwelt, dahinter Blick Richtung Mecklenburg.
Bald lag Travemünde hinter uns und mit einem herrlichen Sonnenuntergang lassen wir den Tag ausklingen. Wir erkunden das Schiff und unsere Kabinen und erwarten unseren ersten Seetag. Entflohen aus der Gluthitze Deutschlands, genießen wir einen herrlichen Untergang der Sonne in Schleswig. In der Lounge werden uns die Künstler vorgestellt, die, wie meistens, uns nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Mit einem gemütlichen Bier an der Poolbar und nettem Gespräch klingt der Tag angenehm aus.
Sonnenuntergang in Schleswig

 Posted by at 6:18 pm

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