Nov. 142008
 

Naja, die Studie heißt jetzt anders (VERA), nichtsdestoweniger werden in Bälde in Europa mal wieder die verglichenen Leistungen der Schüler veröffentlicht. In Deutschland hat man nach viel nichtsbringenden Aktionismus endlich ein heilendes Rezept gefunden. Man wird nämlich die ungeliebten, alles nach unten ziehenden Hauptschulen erst gar nicht an dem Test teilnehmen lassen.
Solche fähigen Kultusminister sollten Beispiel geben.
So kann zum Beispiel der Finanzminister diverse Landesbanken aus der Statistik nehmen und – schwupps – ist die Bankenkrise nur noch halb so schlimm. Und bei Mängeln an den Radreifen lassen wir doch einfach mal den ICE3 weg, dann sieht die Statistik auch sofort freundlicher aus. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Schon arm, daß man deutsche Schulen nach us-amerikanischem „Vorbild“ zu reinen Verwahranstalten verkommen ließ. Und nicht nur Hauptschulen sind betroffen. Ein glaubwürdiger junger Gymnasiallehrer berichtete mir kürzlich aus dem Norden von Rheinland-Pfalz, daß er in einer 10. Klasse im Fach Biologie feststellen mußte, daß bisher noch kein Aufklärungsunterricht stattgefunden hatte. „Als das dran war, war der Lehrer krank“, hieß es aus der Klasse.

 Posted by at 7:36 p.m.
Nov. 102008
 

So heißt daß Buch, welches mir meine Nachbarn zum Geburtstag schenkten. Gestern, pünktlich zum Jahrestag des Mauerfalls, der übrigens in der von mir gelesenen Presse keinerlei Erwähnung fand, beendete ich das fast tausendseitige Werk. Damit ich dies schaffen konnte, war in der Nacht vom Freitag zum Samstag eine Nachtschicht nötig, in der ich in über 5 Stunden einige hundert Seiten schaffte.
Da hatte ich aber auch nach schwerfallendem Start Feuer gefangen und konnte die Augen nicht mehr vom Text abwenden.
Das autobiographisch gefärbte Werk Tellkampfs reißt mit. Mich noch im Besonderen, ähneln sich doch die Schicksale seines Protagonisten Christian und mein eigenes ziemlich.
Der Autor ist kein Jahr jünger als ich, das Elternhaus und der Freundeskreis sind vergleichbar und somit ergeben sich unheimlich viele Parallelen in Schul- und vor allem auch Armeezeit.
Somit holen mich beim Lesen erschreckend viele Erinnerungen ein, es überwogen die der unangenehmen Art.
Uwe Tellkamp versteht es hervorragend, in epischer Breite oder messerscharfer Kürze Details zu beschreiben, die mir den Schlaf raubten, aber mir auch Kraft geben, vehement gegen jedwede Verklärung und jedwedes Schönreden der untergegangenen DDR mit Vehemenz vorzugehen.
Ich steigere mich sogar in die Behauptung, daß ich, wenn ich erkenne, daß aktiv an der Restauration dieser unmenschlichen, undemokratischen Verhältnisse gearbeitet wird, ich diese mit allen gebotenen Mitteln bekämpfen werde.
Unter diesem Aspekt rechne ich es der hessischen SPD sehr hoch an, am vergangenen Montag ein deutliches Signal gesetzt hat. Ich verstand dieses Signal nämlich so: „Keine Kommunisten im Westen. Nicht mit uns!“
Wer weiß, vielleicht war es dieser Wahltag, der die weitere Zukunft SPD rettet…
Aber ich bin abgeschweift. Ich möchte keine Rezession zu dem Werk geben, daß können FAZ, Zeit, Süddeutsche usw. sicherlich besser und in gewählteren Worten als ich.
Ich möchte nur allen, die diesen Blogeintrag lesen und die mich kennen, die Lektüre dieses Werkes dringend ans Herz legen. Beißen Sie sich bzw. beißt euch durch die ersten 54 Seiten, laßt das kursiv geschriebene langsam setzen und wirken.
Dann packt einen der Roman und zeigt einem Wißbegierigen als bislang einziges Buch, wie die späte DDR in ihrer ganzen Wirklichkeit war.
Man erwarte um Gottes Willen kein Ossigejammer und keine Klischeerfüllungen; nein, man erwarte eine schonungslose und geradezu detailversessene Sezierung der grauen, nach Braunkohle stinkenden, Realität. In deren Tristesse trifft man auf viele hochinteressante Menschen, von denen die meisten diktaturüblich zwei Gesichter haben, eins für die Öffentlichkeit und eins für den Freundes- und Familienkreis.
Dieses Buch gibt Kraft, gibt Wut, gibt Hoffnung, gibt Stolz und läßt einen über bestimmte heutige Befindlichkeiten und Sorgen wieder müde lächeln.
Große Literatur zu einer Epoche, die so fern scheint und die ich als junger Mann in fast allen beschrieben Facetten genauso kennenlernte.
Zum Schluß noch einmal mein Fanal: Unbedingt dieses Buch lesen. Bei Unklarheiten zu bestimmten Worten, Begriffen darf ich gerne gefragt werden.

 Posted by at 9:38 p.m.
Okt. 292008
 

… habe ich gestern ein Buch, welches mir die Nachbarn empfahlen und auch dankenswerter Weise auch gleich liehen. Es heißt Q und ist in u. a. auch englischer Sprache frei verfügbar.
Für alle geschichtsbewußten Leser ist dieses Werk eine Bereicherung, werden doch die wirren Jahre der Reformation und Inquisition hervorragend und detailreich beschrieben. Auch von mir eine unbedingte Leseempfehlung. Und nun folgt schwerer Stoff, von dem später zu berichten sein wird.

 Posted by at 9:18 p.m.
Okt. 262008
 

Auch noch ein unverzichtbarer Programmteil, wenn man hierzulande Gäste bespaßen möchte, ist ein Besuch in Rüdesheim. Wer es nicht kennt glaubt es nicht, wer es kennt, ist entnervt; Rüdesheim ist neben Heidelberg, Neuschwanstein und Rothenburg der Touristenmagnet in Deutschland.
Erkennbar ist das an unzähligen Cafes, Souvenirläden und Restaurants. Letztere bieten derzeit Federweißer und Zwiebelkuchen in rauhen Mengen an. Leider hatten wir nur sehr wenig Zeit, so daß wir nur 2x durch die berühmte Drosselgasse rennen konnten. Aber eine Stunde Fahrt bei Kaiserwetter durchs Mittelrheintal nebst Übersetzen mit der Fähre rundeten das Programm dann noch adäquat ab.
Ruedesheim
Blick in die Drosselgasse
Ruedesheim
seltsame Souvenirs, man achte auf die aufgedruckten Orte auf dem Beutel
Ruedesheim
die Drosselgasse
Ruedesheim
schönes Fachwerk bei schönem Wetter
Ruedesheim
es die Bort-Schilder waren aus
Ruedesheim
die Seilbahn zur Germania (da muß ich dringend einmal hin)
Ruedesheim
Gäste am japanisch beschrifteten Weinfaß
Ruedesheim
Detail
Ruedesheim
seltsame Weine werden feil gehalten
Ruedesheim
auf der Fähre, Blick nach Aßmannshausen

 Posted by at 5:38 p.m.
Okt. 262008
 

Am Dienstag war Ausflugstag. Ich chauffierte zwei Gäste ins 120 Kilometer entfernte Sinsheim. Im dortigen Technikmuseum, dessen Schwester ich ja erst kürzlich besuchte, bewunderten wir schmucke Autos, flotte Flitzer, Überschallflugzeuge und vieles mehr. Höhepunkte waren sicherlich die beiden 3D-Filme aus dem Great Canyon und von der ISS, die in beeindruckender IMAX-Qualität zu überzeugen wußten.
Krönender Abschluß des Tages war wieder einmal Mandy’s.
Sinsheim
die Concorde im Technikmuseum Sinsheim
Sinsheim
der Vorgänger – die überschallschnelle Tupolew
Sinsheim
das fast fertige Stadion des TSV Hoffenheim
Sinsheim
Blick ins Cockpit der Concorde
Sinsheim
Blick ins Cockpit der TU 144, deutlich weniger Technik
Sinsheim
ein 100 Jahre alter 16-Zylinder-Rennmotor
Sinsheim
jede Menge Ferraris
Sinsheim
ein über hundert Jahre altes Hybridauto
Sinsheim
ein Fluchtfahrzeug

 Posted by at 5:22 p.m.
Okt. 262008
 

Ja, seit einem Vierteljahrhundert ist das Improvisationstheater Springmaus unterwegs, um die Herzen der Zuschauer mit seinem überaus interessanten, abwechslungsreichen und ungewöhnlichen Programm zu erfreuen.
Am Donnerstag weilten die Mäuse im Mainzer Unterhaus.
Meine Nachbarn waren so nett, mich nach Mainz ins Unterhaus zu den Springmäusen einzuladen, nicht ohne mit mir vorher fein essen zu gehen.
Wir waren sehr begeistert. Was soll ich den Auftritt beschreiben? Selber ansehen ist die Devise. Die Springmäuse sind ein echter Tip und eine Bereicherung der Kultur.

 Posted by at 5:03 p.m.
Okt. 102008
 

Ich hab nun schon das dritte Fachbuch gekauft, auf dem links unten Folgendes steht:
Bachelor
Ist das nun (das sicher vom Verlag angestrebte) zusätzliche Verkaufsargument? Also für mich Diplomler in spe klingt das eher gegenteilig.
Abgesehen davon dürften sich im Auflagenjahr 2008 nur noch recht wenige deutschsprachige Betriebswirtschaftsstudenten im Diplomstudium befinden. Insofern ist der Hinweis „Bachelor geeignet!“ (nur echt mit dem !) ähnlich nützlich wie der „Microsoft Windows capable“-Aufkleber auf ca. 100% der Notebooks, die mir unterkommen.
Abgesehen davon, scheint das Buch gut zu sein. Prof. Beckers Vorlesung ist es auch, nicht umsonst ist er die Nummer 1 meiner FH bei www.meinprof.de

 Posted by at 2:02 p.m.
Okt. 012008
 

Durch reinen Zufall brachte ein Kunde einen Herren mit, der ein dringenden EDV-Problem zu lösen hatte. Ich sage nur 2,5 GB große PST-Datei mit Sektorfehlern. Und das war bei Weitem nicht alles. Egal, ich habe in mühevoller Kleinarbeit beinahe alles wieder ans Laufen bekommen.
Nun war das ja alles eine private Geschichte am Wochenende und Geld verdienen kann (und will) man mit stundenlanger Fehlersuche auch nicht. Aber Mühen müssen belohnt werden. Und das wurden sie auch und zwar reichlich. Als nämlich die Frage nach der Bezahlung kam, lehnte ich diese kategorisch ab, meldete aber gelindes Interesse an der einen oder anderen Flasche Wein an, die bei dem Herrn im Keller lagern.
Wieso kam ich darauf? Nun, ich hatte ihn bereits im letzten Jahr auf einer Weinprobe kennengelernt und erfahren, daß ich es bei ihm mit einem echten Experten zu tun habe. Das kann man auch daraus schließen, daß er Mitglied im VdP ist. Auch der Titel des Weingourmet des Jahres 2006 gebührt ihm. Das wußte ich allerdings nicht. Auch nicht, daß heute ein Buch von ihm erscheint. Der Titel ist Legion.
Naja, langer Rede – kurzer Sinn. Er brachte mir diese Woche die eine oder andere Flasche Wein als Dankeschön mit. Dazu wurde mir ausführlich und interessant erklärt, wo die Besonderheiten liegen. Sei es im Geschmack, in der Rebe, der Zubereitung, der Abfüllmenge, im Geschmacks, zu fast allen Flaschen gibt es eine Anekdote oder eine Geschichte. Ich machte mir eifrig Notizen, kann und will diese aber an dieser Stelle nicht einfließen lassen.
Aber eine Liste und Bilder der Flaschen seien dem geneigten Leser nicht vorenthalten. Und den Gästen natürlich auch nicht die Inhalte.
Fangen wir an mit den Weißweinen.
Weissweine
Von links nach rechts haben wir da einen Riesling von Spreitzer, den zu trinken ich schon die Freude hatte. Ihm folgt ein Riesling vom Weingut Nikolai. Dann gibt es einen Chardonnay. In der Mitte steht ein rosefarbener Champagner, der *hüstel* recht selten und damit auch preisintensiv ist.
Dann kommt ein hochwertiger Riesling von Schaetzel. Gefolgt wird dieser feine Wein von einer Flasche Allendorfer Chardonnay. Schlußendlich ein schöner Tropfen von den Schieferterrassen des Weingutes Heymann-Löwenstein.
Betrachten wir nun die Rotweine.
Rotweine
An dieser Stelle muß ich einfügen, daß ich nicht soo der Held bin, was Weine angeht, schon gar nicht die aus den berühmten Weingütern aus der Region Bordeaux. Der eine oder andere Blick in die Wikipedia lehrte mich aber schon gesunde Hochachtung.
Hier nun die Aufzählung, wie gehabt von links nach rechts:
Ganz links ist ein 1995er Calon Segur. Ein weiteres großes Gewächs ist der danebenstehende Batailley.
In der Mitte steht ein feiner, im Faß gereifter Wein aus Mainz, der der Stadt zu Ehren Moguntiacum heißt. Ihm folgt ein Capion 2C. Die Runde schließt ein weiterer Bordeaux ab, ein Phelan Segur.
Insgesamt also ein bißchen Perlen vor die Säue, aber allemal ein feiner Gegenwert für meine Hilfe.
Nochmals die Bitte zum Abschluß: Weinliebhaber mögen sich zeitnah bei mir melden und Trinkwünsche äußern.

 Posted by at 10:27 p.m.
Sep. 212008
 

Gestern weilte ich im bedeutenden Ort Rhodt unter Riedburg, wo ich mit Freunden zum wiederholten Male auf dem Weinfest weilte.
Dieses Fest kann ich jedem, der es noch nicht kennt, dringend empfehlen, es ist wie Rothenburg ob der Tauber und Rüdesheim zusammen auf Speed, da tanzt der Bär.
Ebenso empfehlen kann ich den Wurstmarkt im nahegelegenen Bad Dürkheim, von dem ich gerade komme.
Fotos dazu findet man in der Galerie.

 Posted by at 8:36 p.m.
Sep. 192008
 

Vorgestern sah ich ihn: den Film Blade Runner aus dem Jahre 1982.
Ich genoß ihn im Originalton im endgültigen Schnitt des Regisseurs Ridley Scott. Blade Runner kannte ich schon als Kurzgeschichte von Philip K. Dick. Was Meisterregisseur Scott in Zusammenheit mit dem Griechen Vangelis daraus zauberte, ist mindestens eines Blogeintrages würdig.
Ich sah den Film ungestört im absoluten Dunkel und bei üppiger Beschallung. Und ich habe wohl keine Minute den Blick von der Leinwand gelöst. Beeindruckend, auch nach Jurassic Park und Matrix, was man mit 1980er-Mitteln schon für eine perfekte und düstere Zukunftsathmosphäre schaffen konnte. Genial die Kamerafahrten und die liebevollen Detaileinstellungen. Zu loben sind auch die schauspielerischen Leistungen. Alle Rollen sind hochkarätig besetzt und die Schauspieler geben auch ihr Bestes.
Seltsam, daß ich diesen Film erst so spät in meine Sammlung aufnahm. Nicht ganz unschuldig daran ist mein Freund Bodo, mit dem ich diesen Film einmal gemeinsam anschaute und der mir Unbedarftem als Cineast so einiges erklärte.
Also, wer den Film noch nicht goutierte, der fühle sich zu einem Kinoabend bei mir eingeladen, wer ihn kennt, der schaue ihn bei Gelegenheit einfach so noch einmal.

 Posted by at 8:03 p.m.