Mai 302007
 

Wie ich heute beinahe entsetzt im heise-Ticker las, stattet LG seine neuesten Waschmaschinen mit einem MP3-Player aus. Das erinnert mich fatal an die Waschmaschinentragödie meines geliebten Lem, in der er bereits scharfsinnig in den 1960er Jahren beschrieb, wie sich die Waschmaschinenhersteller Snodgrass und Nuddlegg immer mehr bei ihren Waschmaschinen überbieten. Eine herrliche Groteske! Ein kleiner Textauszug ist hier zu finden. Der ganze Text stand mal hier online.
Abgesehen davon. Wozu in Himmels Namen braucht man ein MP3-Abspielgerät in einer Waschmaschine? Was kommt als nächstes? Bügeleisen mit Funkuhr? Kühlschränke mit Fernseher (achne, die gibt es ja schon) oder gar Staubsauger mit infraroter Schmutzkontrollkamera?

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Mai 282007
 

Wenn schon heute sowohl RoadRunnR als auch elzoido Musiktips von sich geben, dann will ich da nicht zurückstehen.
Ich empfehle dem geneigten Hörer den „Einmarsch der Nachtwache von Madrid“ von Luigi Boccherini (1743-1805). Dieses im 18. Jahrhundert entstandene Stück könnte auch problemlos in jedem aktuellen Kinofilm eingesetzt werden, so modern wirkt es. Und dennoch ist es hohe klassische Kunst, die sich dem Zuhörer mit jedem erneuten Hören immer mehr erschließt.
Leider kennt heutzutage kaum jemand mehr Boccherini. Und wenn, dann verbindet man seinen Namen nur mit dem leider völlig kaputtgespielten Menuett aus dem Violinenquartett Nr. 5 in E-Dur. Wem das jetzt nichts sagt, der klicke hier für die ersten Akkorde und den Aha-Effekt.
Die Nachtwache jedenfalls ist ein zeitloses, wunderbares Stück Musik, was zuverlässig die Stimmung hebt und allen Zuhörern Freude macht. Ein wunderbares Stück, auch prima geeignet, Klassikmuffel zu bekehren. Ja, der Boccherini, der hatte es drauf. Das wußten auch schon Andere, wie man in der Wikipedia nachlesen kann:

J. B. Cartier, Pariser Opernmeister, schrieb in seinem 1798 erschienenen Buch L’Art du Violon ou Division des Ecoles choisies dans les Sonates Italiennes, Françaises et Allemandes („Die Kunst der Geige oder die Unterscheidung der in den italienischen, französischen und deutschen Sonaten gewählten Schulen“): „Si Dieu voulait parler à l’homme en musique, il le ferait avec les œuvres de Haydn, mais s’Il desirait Lui-même écouter de la musique, Il choisirait Boccherini.“ („Wollte Gott zu den Menschen in Musik sprechen, so täte Er es mit den Werken Haydns; doch wenn Er selbst Musik hören wollte, würde Er sich für Boccherini entscheiden.“)

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
Achja, den Anspieltip zu den #1-Hits von Erdmöbel, liefere ich nach, sobald ich das Album gehört habe.

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Mai 272007
 

Dieser Tage jährt sich zum 175. Mal das Hambacher Fest. Für unser heutiges Vaterland ein immens wichtiger Tag, wurden doch dort die von den Burschenschaften bereits 1817 getragenen Farben schwarz-rot-gold, wenn auch noch umgekehrt, getragen und etablierten sich als Farben der Freiheit, der Hoffnung und später eben auch der Demokratie.
Ein in jedem gescheiten Schulbuch und beinahe jedem Lexikon stehendes Bild vom Hambacher Fest zeigt uns auch diese Fahne.
Hambacher Fest gross
Zum ehrwürdigen Jubiläum wurde sogar eine Sonderbriefmarke herausgegeben.
Doch schauen wir und die Marke einmal näher an und vergleichen sie mit einer zeitgenössischen Darstellung.
Hambacher Fest grossHambacher Fest gross
Nun schauen wir uns einmal genauer die Fahnen an, die auf einmal zusätzlich 2007 flattern. Sicher, es nahmen wohl auch Polen (weiß-rot) und Franzosen(blau-weiß-rot, allerdings von oben nach unten) anstatt links nach rechts) an der Kundgebung teil. Daß aber gleich auch griechische (blau-weiß-blau), österreichische (rot-weiß-rot(die hatten aber damals schwarz-gelb)), ungarische(rot-weiß-grün oder andersherum italienische) Fahnen gezeigt wurden und das bei einem der nationalsten Momente des Volkes, das vermag ich arg zu bezweifeln. Hier geht ja wohl dann doch der europäische Gedanke einen Schritt zu weit. Oder ist das jetzt das, was man unter politischer Korrektheit versteht? Und wo ist dann bitteschön der türkische Halbmond? Ach nein, daß wäre selbst uns geschichtslosen Menschen ein Dorn im Auge gewesen. Ich wette aber mal, daß mehr als 90% aller Deutschen, die diese Marke sehen, sowieso keine Ahnung von Nationen, Farben usw. haben. Insofern ist der Schaden gering, zeigt IMHO aber System.
Übrigens gab es schon zur 150-Jahr-Feier eine Sondermarke. Hier sind ausschließlich die deutschen Farben gezeigt, allerdings verkehrt herum, also richtig sozusagen, man kann mir hoffentlich noch folgen.
Hambacher Fest gross

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Mai 232007
 

heise online berichtet über eine neue Geschäftsidee.
Wo soll das noch hinführen.
Die allgegenwärtigen Mobiltelefone, die alle Industrielandeinwohner binnen nicht mal einer Dekade zu 100% abhängig gemacht haben, dienen also nicht mehr nur zum teuren Telefonieren und Kurznachrichten verschicken, sondern auch zum jederzeitigen (immer zu bezahlendem) Aufnehmen und Verschicken von Bildchen und Filmchen. Dann kann man damit noch Adressen und Termine verwalten und Musik hören. Das taugt aber nichts, da man dafür nichts zahlen braucht, es sei denn, man ist so doof und lädt sich für teuer Geld die tollen Megahits runter, die man sowieso ständig im Dudelfunk hört.
Wie kann der Händibesitzer also noch gemolken werden? Klar, durch Spielchen, selbstverständlich auch Pornos (wobei ich das derzeit am ärmsten finde) und durch Klingeltöne und Hintergrundbildchen, Bildschirmschoner usw..
Dann kommen noch die fantastischen Möglichkeiten der Internetverbindung dazu. So kann man, wiederum für teuer Geld, sich navigieren lassen bzw. aktuelle Staumeldungen erhalten. Und mit WAP klitzekleine Internetseitchen ansteuern, die tolle Sachen anbieten. Die ganzen Informationsdienste habe ich nicht mal erwähnt. Auch die Offline-Tuner, also Anbieter von Taschen, Ketten, Oberschalen usw. lasse ich mal aus dem Spiel.
Wie kann man also in diesem abgegrasten Markt noch Geld machen oder auffallen?
Ganz einfach: durch Werbung oder durch krasse Neuerungen, wie sie obengenannte Fa. jetzt anbietet.
Menschen zahlen nun also Geld dafür, daß während eines Telefonats Spaßgeräusche eingeblendet werden. Dann hört man also Kühe muhen, Frösche quaken, Stadtlärm, lustige Pups- und Kotzgeräusche, Lacher und tausende andere tolle Laute.
Dachte ich noch vor kurzem noch, das Gedudel vom Deutschlandlied im Technorhythmus statt eines Freizeichens sei der Gipfel der Zumutung, so wird das von dieser Funruf-Geschichte doch locker getoppt. Nun werde ich dank meines Bekanntenkreises und meiner Kundenklientel eher selten mit Zeitgenossen zu tun haben, die ihr (Taschen-?)Geld für so einen Blödsinn ausgeben. Aber Armeen von Schulkindern werden begeistert ihr karges Salär auch dafür opfern.
Andererseits, wie TheKaiser treffend bemerkte: Ein herrliches Auswahlkriterium zum Beenden von (Telefonbekanntschaften).
Das Schlimmste kommt aber zum Schluß, denn dank meiner regelmäßigen Teilnahmen an Befragungen, habe ich auch diverse Einblicke in die nähere Zukunft erhalten.
Die Kuh ist nämlich noch nicht ausgemolken. Die große Mehrheit der Leute hat heutzutage ein modernes Gerät mit einem hochauflösendem Farbdisplay und Bluetooth-Fähigkeit.
Und auf den Displays wird meist nur eine langweilige Uhr oder das Bild der/des (momentanen) Liebsten angezeigt. Wie einfallslos, wie langweilig! Und nach dem dritten Hintergrundbildwechsel für nur 1,99 EUR hat auch eine Mehrheit begriffen, daß zum Cool-Sein mehr gehört.
Also wird an dieser Stelle ein neuer Hebel angesetzt.
Erste Pilotversuche in Großstädten ermutigen die Macher der neuen Welt sehr.
So wurden in Düsseldorf und Berlin Plakate aufgestellt, die vorbeigehenden Willigen per Bluetooth kostenlos ein Lied (ein Superhit, der täglich ein dutzend Mal im Dudelfunk läuft) schicken, wenn sie denn einen Code an die werbende Fa. senden (und sich damit an potentielle Kunden zu erkennen geben). Offensichtlich haben viele Leute nichts zu tun oder sind fasziniert von den Möglichkeiten ihres Gerätes, denn der Versuch lief sehr zur Zufriedenheit der Firmen.
Doch wie wird es weitergehen?
Ganz einfach! Da Mobiltelefone immer ziemlich genau (also auf ca. 100 Meter ohne hohen technischen Aufwand) zu orten sind (das ist eine technische Notwendigkeit), wird es bald Dienste geben, die dem Händibesitzer je nach Ort, an dem er sich gerade aufhält, mit nützlichen Informationen beglücken wird.
Man steht also am Kino und auf dem Telefon wird das Kinoprogramm angezeigt, man steht in der Innenstadt und eine SMS verkündet, daß man eine Kugel Eis bei Luigi gratis bekommt, wenn man sofort zu ihm über die Straße marschiert. Karstadt wirbt für die Nike-Turnschuhe, die gerade im Angebot sind und der Plattenladen empfiehlt die neue CD für nur 17,99 statt 19,99, auf der lauter Hits sind, die jeden Tag auf dem Dudelfunk in Endlosrotation laufen.
Nicht daß wir uns falshc verstehen. Das wird bald Realität sein. Das sind keine Konzepte, das ist marktreif.
Und für diesen Dienst muß man monatliche Abonnements abschließen. Nun, dann hat man die Wahl. Oder noch besser (also schlimmer): Solche Dienste sind automatisch im Vertrag integriert. Dafür werden dann eben die Grundgebühren reduziert oder die Minutenpreise günstiger.
All diesen neuen Ideen ist gemeinsam: Abschluß eines Abonnements, dort hinterlegt man ein Profil (Vorlieben Musik, Kleidung usw.).
Ab dann zeigt das Display per MMS, SMS, Bluetooth oder eben das Hintergrundbild oder den Klingelton an, wenn man an einem Geschäft mit Schnäppchen vorbeigeht, in welcher Kneipe die gleichen hippen Leute wie man selber sitzt (Flirtfunktion inklusive), welcher Film der Angesagteste ist und welche Musik die Megageilste ist (das ist übrigens die, die täglich im Dudelfunk…).
Ja, schöne, neue Welt.
Leute geben für Firmen wichtige Teile ihrer Persönlichkeit frei und bekommen dafür irgendwas billiger.
Also so neu ist die Idee insgesamt nicht, da kann die Payback-Karte schon seit einigen Jahren. Neu ist hier nur, daß alles online und sofort stattfindet und man für dafür auch noch bezahlt. Und daß man einen Teil seines Lebens dafür opfert (oder verplempert?), statt mit wachen Augen durch die Welt zu laufen mit starrem Blick aufs Händi auf der Jagd nach dem Kick durch die Stadt geht.
Und anstatt mit Freunden und Kumpels beim Eiskaffee lachend am Tisch zu sitzen, hocken dann hektisch blickende Junkies zusammen am Eiskaffeetisch und blicken alle naselang nervös aufs Display, um ja nichts zu verpassen. Dabei verpassen sie in diesem Moment einen schönen Teil ihres Lebens. Das ist so arm, man möchte weinen.
Tja, schöne neue Welt.

 Posted by at 6:46 a.m.
Mai 072007
 

Immer wieder eine Wohltat…Titel 12 des Vangelis-Albums „1492 – Eroberung des Paradieses“.
Wer es besitzt, einfach mal wieder reinhören. Wer das Album nicht hat, darf mich gerne mal beim nächsten Besuch darauf ansprechen oder kaufe sich am besten den Tonträger, es lohnt sich.

 Posted by at 6:29 p.m.
Mai 022007
 

Damals marschierte Constantin in Rom ein. Eine Szene davon kann man im Gasometer in Leipzig bewundern und zwar als größtes Panorama der Welt.
Ich tat das am 30.04.07 und war durchaus begeistert. Dank der modernen Computertechnik war der Künstler in der Lage, das verschwundene Original aus dem 19. Jahrhundert minutiös zu rekonstruieren und in neuem Glanze erstrahlen zu lassen.
Die Photoshop-Datei, die das 110×34 Meter (sic!) große Bild beherbergt ist 2,2 Gigabyte groß; viel Spaß beim Laden, Speichern und vor allem beim Backup.
Doch im Gegensatz zu den vollmundigen Versprechungen des Veranstalters fand ich das Vorgängerbild 8848, welches der Künstler übrigens zu meinem hellen Entsetzen nach der Ausstellung einfach vernichtete, deutlich eindrucksvoller. Natur läßt sich eben nicht überbieten.
Man stelle sich nur das untenstehende Foto in der Größe des darunterliegenden Gebäudes vor, dann weiß man vielleicht, was ich meine.
8848
Gasometer

 Posted by at 9:45 p.m.
Apr. 262007
 

Wer kennt das nicht. Jahrelang, ja jahrzehntelang denkt man nicht an bestimmte Sachen, Lieder, Filme usw. und plötzlich…plötzlich ist eine Erinnerung da.
So erging es mir heute mit einem Lied, welches ich auf einmal vor meinem geistigen Auge (besser: Gehör) hatte.
Ich habe das Lied das letzte Mal als Teenager gehört, damals lief es sporadisch auf Bayern 3 und die ganze Familie amüsierte sich immer köstlich, wenn es kam.
Dank moderner Suchmaschinen war der Titel auch schnell gefunden. Es ist das Lied „The auctioneer“, welches 1962 im Original von Leroy Van Dyke gesungen wurde.
Mir war es bekannt in einer späteren Version, in der es von Red Sovine gesungen wird. Aber auch Joan Baez, Hank Snow, Gordon Lightfoot und einige andere mehr haben sich an diesem Titel versucht.
Am interessantesten ist der Refrain, in dem mit großer Fertigkeit der Auktionär dargestellt wird. Das ist hohe Kunst und nur mit viel Übung zu schaffen.
Wer nicht weiß, was ich meine, der schaue sich das folgende Textfragment an und lausche den Herren Steve Goodman und Leroy van Dyke beim Singen desselben.

45 dollar 50 now 50 dollar 50 dollar
50 dollar 50 dollar give me a hollar 50 dollar
Who will bid it at a 50 dollar bill?
50 dollar 55 55 make it 55 and a 55 make it 55 and
Sold that horse for a 50 dollar bill.

 Posted by at 10:06 p.m.
Apr. 262007
 

Ist das jetzt ein verspäteter Aprilscherz? Wie man nachlesen kann, glaubt jeder zehnte angehende Lehrer nicht an die darwinsche Evolutionslehre.
Abgesehen davon, daß bei solchen Umfragen schon mal Unsinn angekreuzt wird, ist das doch ein unglaubliches Ergebnis.
Meiner Meinung nach zeigt es musterhaft, wie das deutsche Bildungssystem in den letzten Jahren vor die Hunde ging.
Ein Trauerspiel.

 Posted by at 9:09 p.m.