31.03.09
Hewlett Packard war ja einmal... -
Categories: Netzwelt, Wenn ich mal an die Macht komme, dann.... -
HodRuZ
@ 18:14:25
... eine innovative und seriöse Firma. Doch Dank des Shareholder-Value-Ansatzes, Inkompetenz, Realitätsverlust und Arroganz der Großkopferten und was weiß ich noch mehr an Gründen tritt der Konzern nun mit geballter Ignoranz an die Endkunden, um auch noch den letzten Fan zu verschrecken.
Warum so harrsche Worte. Nun, ich erwähne nicht einmal die Druckertreiberdisaster, die mittlerweile 880 MB auf die Festplatten spülen, sondern die Consumerlinie.
Ein Kunde kaufte im Januar 2007 ein HP-Notebook Pavillon 9000 beim Vobis.
Ja, ich weiß, in dem vorigen Satz stecken mindestens zwei Fehler, aber ich hatte es bis dahin ja nicht zu verantworten.
Jedenfalls begann im Dezember 2007 das Notebook langsam, aber sicher, immer mehr auszufallen. Erst flackerte die Grafik, dann ging ein USB-Port dann die LAN-Buchse nicht mehr. Als das Gerät schließlich nur nach jedem fünften Mal startete und dann nach maximal einer halben Stunde sich mit einem blauen Bildschirm verabschiedete, wurde es Zeit für die Reparatur. Ich telefonierte von Anfang Januar mindestens viermal mit dem HP-Support, bis sich dieser schließlich bereit erklärte, daß Gerät abzuholen. Und tatsächlich, keine 14 Tage später tauchte ein griesgrämiger Typ auf und nahm das defekte Gerät mit. Und bereits Mitte April 2008 hielten wir das reparierte Gerät wieder in den Händen.
Seltsamerweise war auf die Festplatte, auf der sich das originale und funktionierendes WiXP in der Homeloser-Variante befand, eine rohe und ungepatchte XP-Mediacenter-Edition aufgespielt worden. Nicht schlecht, aber alle Programme und selbstverständlich auch die Daten und Einstellungen waren natürlich weg.
Egal, ich hatte ja alles gesichert, also die MCE auf den aktuellen Stand gebracht, Standard- und Spezialsoftware drauf und Daten rückgespielt und schon ging die Maschine wieder.
Bis letzte Woche. Am Samstag arbeitete der Kunde noch an einem Dokument, am Sonntag Morgen reagierte die Maschine auf keinerlei Taste mehr. Das Netzteil liefert die richtige Spannung, die auch am Notebook meßbar ankommt, die RAM-Module sind in Ordnung, aber die Maschine reagiert auf rein gar nichts mehr.
Also kontaktierte ich den HP-Service, der mir nur lakonisch mitteilte, das Gerät sei außerhalb der Garantie und sie seien nicht mehr dafür zuständig. Meinen Einwand, daß die Platine ja erst vor einem Jahr getauscht worden sei, ließen sie nicht gelten.
Dafür bekam ich eine Telefonnummer von einem HP-Servicezentrum, welches gebrauchte HP-Notebooks repariert.
Ich rief sofort dort an und eine Computerstimmer säuselte sinngemäß:
Herzlich willkommen bei HP-Servicezentrum .... Die Reparatur eines Notebooks kostet immer, egal, was kaputt war, 367 EUR zzgl. Mehrwertsteuer. Wollen Sie das Gerät reparieren lassen, dann drücken sie die 1 ansonsten legen sie auf.
Das ist kein Witz, wer es nicht glaubt, der rufe die 06151-9571340 an.
Ich legte natürlich erschrocken auf und beredete die Sache mit dem Kunden. Nunja, das Gerät hatte neu 1.400 EUR gekostet, sowas wirft man nicht einfach so weg. Und außerdem hatte er sich daran gewöhnt und alles funktionierte prima (bspw. Internet bundesweit via UMTS). Also erklärte er sich einverstanden mit der Zahlung von 436,73 EUR.
Erneut rief ich nun an und erklärte der freundlichen (und überrascht wirkenden, offensichtlich schreckt der Preis vorher die meisten Anrufer ab) Dame, daß ich eine Reparatur wünsche. Nun wurden alle Daten aufgenommen und mir mitgeteilt, daß ich binnen ein bis zwei Werktagen einen Kostenvoranschlag per E-Mail erhalten werde. Meine Fragen, warum a) ein Kostenvoranschlag nötig sei, da ja bereits der Festpreis im Vorfeld genannt wurde und warum es b) im dritten Jahrtausend ein bis zwei Tage dauern müsse, eine Mehl mit Standardtext zu generieren und abzusenden, wurden geflissentlich ignoriert.
Vorhin nun rief ich nochmals an und fragte, wie der Status sei. Darauf die, nun nicht freundlich sondern genervt und hochmütig klingende Frauenstimme (war es die vom Vortag?):
Wir sagten Ihnen doch, daß die Generierung eines Kostenvoranschlags ein bis zwei Werktage dauert. Sie sind schließlich nicht der einzige Kunde und wir haben noch mehr zu tun. Also warten sie gefälligst.
Ich erst einmal sprachlos und werde an dieser Stelle verkünden, wie sich die Sache weiterentwickelt.
28.03.09
Letzte Woche Luxemburg, am Wochenanfang Hamburg und gestern Freiburg, ich komme momentan echt gut rum. Aber nun bitte mal besseres Wetter.
26.03.09

Dieser Anblick bot sich mir vorgestern morgen nach dem Aufstehen. Richtig, ich weilte in Hamburg. Fuhr bei scheußlichstem Wetter hin und zurück, hatte aber einen erfolgreichen und schönen Kurzaufenthalt. Und zum Abendbrot gab es typisch nordisch eine Schweinshaxe und Helles im Paulaner. Und auf dem Rückweg von der Kneipe sprachen mich unheimlich viele nette junge Damen an...
25.03.09
... machten sich am vergangenen Freitag der Autor dieser Zeilen und drei junge Leute auf den Weg nach Luxemburg. Dazu wurde die touristisch interessante Route durch das Mitterheintal nach Koblenz und von dort größtenteils durch das Moseltal nach Trier gewählt.
Als vermeintliches Schmankerl lieh ich mir eine Mercedes E-Klasse, um diese bei der Gelegenheit mal gründlich probezufahren. Fazit: ich fühle mich im ollen Passat deutlich wohler. Und meine Mitreisenden beschwerten sich auch, wenn ich schneller als 160 km/h fuhr (viel mehr schaffte der Wagen allerdings auch nicht).
Bilder gibt es hier.
... endlich soweit. Kurt Masur dirigierte das französische Nationalorchester in der Alten Oper in Frankfurt. Die Karten waren im Februar 2008 erstanden worden (ein herzlicher Dank nochmal an Peter), was gut war, denn seit einem Jahr ist der Konzertzyklus hoffnungslos ausverkauft.
Masur, der ein großer Beethovenkenner ist und sein (langes) Leben lang sich intensiv mit den Meister beschäftigt hat, legte bei den von mir gehörten ersten drei Sinfonien offensichtlich den größten Wert auf die Streicher. Die Bläser waren offensichtlich extra schmal besetzt, um dies zu unterstreichen. Was aber die Violinen, Celli etc. aus bspw. dem ersten Satz der 2. Sinfonie oder dem dritten Satz der 1. Sinfonie machten, ist nur mit traumhaft und göttlich zu beschreiben. Solch hauchzarte Nuancen, solch filigrane Haquchtöne, das kann kein Medium besser transportieren als ein gescheiter Klangkörper in einem gescheiten Haus unter kundiger Führung. Nun, alles war zur rechten Zeit am rechten Ort und ich war dabeigewesen. Der Zyklus wurde am Sonntag mit der 4. und 5. Sinfonie und am Montag mit der 6. und 7. Sinfonie fortgeführt und fand gestern seinen Abschluß mit der 8. und 9. Sinfonie. Leider sprengte es den finanziellen, aber vor allen den zeitlichen Rahmen, dem Zyklus komplett zu folgen.
Ein großartiges Erlebnis, was ab jetzt in meinem Leben einen weiteren Höhepunkt darstellt, an den ich gerne zurückdenken werde.
19.03.09
... für die Insekten, die ja nun langsam wieder anfangen, in meine Wohnung einzudringen und mich zu piesacken.
18.03.09
es gibt auch schöne Verkehrsmeldungen... -
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HodRuZ
@ 19:12:12
Heute hörte ich im Verkehrsfunk die Meldung, daß die Polizei eine Autobahnbaustelle abbauen ließ. Die Ansagerin teilte süffisant mit, daß auf Grund von Blumenpflanzarbeiten ein Stau von 4 Kilometer Länge entstanden war und die Polizei die Pflanzarbeiten als verkehrsflußstörend einordnete und deswegen die Baustelle schnell abgebaut werden mußte. Der Verkehr fließe bereits wieder.
Na also, es geht doch!
17.03.09
Gestern kaufte ich einen Liter Fruchtsaft der Fa. Amecke.
Ich frage mich, wie man bis heute ohne das Zeug leben konnte.
16.03.09
Normalerweise erlebe ich ja immer Überraschungen, wenn ich mit den Telekomtechnikern in den Kellern diverser Firmen rumkrieche und dort die Verteiler suche.
Die sind mal hinter Reifenstapeln versteckt, mal ist der Keller halb unter Wasser, mal gibt es keinen Schlüssel und/oder kein Licht und/oder keinen Hausmeister. Und findet man dann den Postverteilungskasten, springt einem wildes Kupfergestrüpp aus mehreren Jahrzehnten entgegen und auf manchem Schrank oder Schaltschütz kann man an den Typenschildern ablesen, daß diese Geräte schon Kaiser, Weimarer Präsident und Führer Gespräche vermittelten.
Heute aber war ich sprachlos vor Staunen.
Ein heller, piksauberer Keller, vorbildliche Bezeichnung der Räume, an allen relevanten Stellen Hinweisschilder und Orientierungstafeln. Im vorbildlich abgeschlossenen Schaltraum selber war alles blitzsauber, es gab eine Temperaturüberwachung und sogar Klappfallen und Giftköder für die Nagerfraktion.
Und das Allerbeste kommt zum Schluß: alle Leitungen von der Straße (ca. 600) waren superordentlich aufgelegt und superordendlich bezeichnet. Auch die LSA waren gut so eindeutig und aussagekräftig bezeichnet, daß selbt ein Laie sich zur Not hätte orientieren können.
Ein großes Lob an den Bauherren, an die Techniker, den Hausmeiste und alle, die für diesen tadellosen Zustand verantwortlich sind.
13.03.09
Ich schrieb einmal, daß eine Firma Interesse an einem Bild aus meinem Blog angemeldet hatte. Nun, hier ist das Ergebnis in 3D zu sehen.
Christel und die Post -
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HodRuZ
@ 16:30:15
Ich schickte meiner Großtante Christel am Montag ein paar Fotos zu, schließlich hatte sie ja dafür gesorgt, daß es in Kapstadt mit einem Verwandtentreffen klappte.
Heute nun bekomme ich den Brief zurück.

Toll, ich hatte fälschlicherweise statt 34576 35576 geschrieben.
Nun frage ich mich aber, wenn schon jemand die richtige Postleitzahl für ermittelt hat und netterweise auch auf den Brief klebte, wieso die Postsendung dann nicht gleich an den Empfänger ging und stattdessen zu mir.
Es ist ja auch nicht so, daß man Homberg/Efze mit einer anderen Stadt verwechseln kann.
Was mache ich nun? Den Brief nochmal neu packen, neu adressieren und neu frankieren?
10.03.09
Danke Microsoft -
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HodRuZ
@ 21:56:49
Ein Kunde wollte seine Word-Dokumente, die er mit Word für Windows 2.0 erstellte, jetzt überarbeiten und aktualisieren.
Doch statt diese Texte zu öffnen, meldete sein *schauder* Vistarechner mit *schauder* 2007er Office:
Sie versuchen, einen Dateityp zu öffnen, der in einer früheren Version von Microsoft Office erstellt wurde. Das Öffnen dieses Dateityps in dieser Version wird durch die Registrierungsrichtlinieneinstellung blockiert.
Kein Problem: ich ließ ihn die betreffenden Daten, ca. 100 kurze Texte, aufs NAS schieben und dann wollte ich sie auf einen Rutsch konvertieren. Doch was sagte mein Word 2003 unter WiXP?
Sie versuchen, einen Dateityp zu öffnen, der in einer früheren Version von Microsoft Office erstellt wurde. Das Öffnen dieses Dateityps in dieser Version wird durch die Registrierungsrichtlinieneinstellung blockiert.
Nachgrasen bei Microsoft ergab, daß man bei einem der letzteren "Sicherheitsupdates" irgendwelche Sachen in die Registry gebastelt hatte, die den Zugriff auf die armen alten Texte verbieten.
Die Behebungen, die die M$-Seite vorschlug waren nicht so zielführend, denn die zu editierenden Schlüssel fehlten gänzlich in meiner Registrierung. Eine schnelle Suche nach Konvertierungsprogrammen war auch nicht zielführend. Ich hätte aber per Gruppenrichtlinien meine Registrierung entsprechend anpassen können. Aber die Vorgehensweise für Vista und XP respektive Office 2003 und/oder Office 2007 war natürlich jedesmal eine andere.
Also Notebook angeworfen, dort ist glücklicherweise noch Office 2000 drauf, dem diese "Sicherheitska..." völlig schnuppe ist. Dann schnell ein Makro erstellt, daß alle Dateien öffnet und im aktuellen Format speichert und zurück mit den nun funktionierenden Dateien aufs NAS und schon ging wieder alles.
Aber man fragt sich schon, was es für einen tieferen Sinn hat, den armen Nutzer völlig zu verunsichern, indem man ihm mit fadenscheinigen Sicherheitsgelaber den Zugriff auf seine geistige Arbeit verwehrt.
09.03.09
An dieser Stelle wird all das untergebracht, was im eigentlichen Reisebericht nichts verloren hat.
Als erstes habe ich eine Übersichtsseite erstellt, von der aus man den Gesamtverlauf nachziehen kann.


Diese beiden Tabellen zeigen die zurückgelegten Kilometer bzw. Seemeilen an und zeigen auf, wieviel wir in den drei Wochen verzehrten.


Diese beiden Karten reichen aus, um sich auf einem Transocean-Schiff zu bewegen. Die Bordkarte ist quasi der Ausweis. Außerdem steht die Kabinennummer drauf, darüber wird alles berechnet. Über die Höhe der Bordrechnungen von Muttern und mir decken wir mal den Mantel der Nächstenliebe. Und meinen nächsten Kontoauszug erwarte ich auch schon mit Grauen.
Die Clubkarte gibt 5% auf alle Einkäufe in den Bordgeschäften.


Die Liste meiner Visa im vorher druckfrischen schäublefreundlichen Reisepaß, dessen RFID-Chip in keiner der zahlreichen Kontrollen ausgelesen werden konnte.


Bier und Wasseretiketten aus Tansania bzw. Sansibar.

Und noch zum Schluß, die schweineteuren Telefongebühren für 2 Anrufe. Alle anderen Auslandsgebühren kamen ungewollt.
Und diese Reise brachte natürlich auch deutliche Fortschritte in meiner Flugstatistik und in der Übersicht der bisher von mir bereisten Länder.

Und nun noch die Sätze unseres Reiseleiters von Port Elizabeth, der Folgendes sagte:
In Afrika gibt es eine Krankheit, die erst ausbricht, wenn man das Land verlassen hat. Es ist das afrikanische Fieber, welches nur geheilt werden kann durch eine erneute Reise auf den schwarzen Kontinent.
Dem kann ich nur beipflichten.
Ich hoffe, allen Lesern hat die Lektüre meiner Reiseschilderungen behagt und ich hoffe, die Bilder fanden Anklang. Apropos Bilder, wer Lust auf mehr und/oder qualitativ hochwertigere Bilder hat, der möge einen Blick auf's letzte Bild werfen und dann entscheiden, ob er mich bei einem Besuch danach fragt ;-).
Auf jeden Fall freue ich mich auf eine Reaktion, einen Kommentar oder einfach nur ein Lebenszeichen von allen, die bis an diese Stelle mit dem Lesen gelangten, damit ich ersehen kann, ob sich die Mühe des Tippens lohnte.
Die letzten 140 Seemeilen (259 Kilometer) liegen hinter uns, die großen Koffer sind schon weg und nun heißt es Abschied nehmen. Wir schlürfen bei 28 Grad im Schatten einen Abschiedssekt mit Gitte und Christina, die noch bis Dubai weiterfahren (Neid!). Gegen 8:00 Uhr wollen wir eigentlich von Bord gehen, doch die lokalen Behörden waren auf die glorreiche Idee gekommen, sämtliche Pässe der Abreisenden (und das dürften mindestens 300 sein) das Visum per Hand einzutragen. Da nur drei Hanseln schreiben, kann man sich vorstellen, daß alles etwas schleppend vor sich geht. So gelangen wir erst kurz nach 10:00 Uhr in den Besitz unserer Pässe und können nun in den Bus, der uns zum Flughafen bringt. Die Reiseleitung war so nett und hat uns einen Reiseführer spendiert, so daß wir auf dem Transfer zum Flughafen noch einige Sehenswürdigkeiten erklärt bekommen und einen kleinen Eindruck von der quirligen Stadt erhalten. Der Reisebegleiter bedauert, daß die politischen Unruhen dem Tourismus und auch dem Land massiv schaden und wünscht sich inständig Besserung der innenpolitischen Verhältnisse. Rasch sind wir von der Insel, auf der die riesige Hafenstadt liegt, aufs Festland gefahren, wo der Flughafen liegt, auf dem unsere Chartermaschine wartet. Paß- und Gepäckkontrolle erfolgen in Windeseile und ohne Probleme. Dann gehen wir zu unserem Flugzeug, das in weiter Ferne in der prallen Sonne auf dem Rollfeld unserer harrt.
Wir glauben es kaum, aber wir sind fünf Minuten vor dem geplanten Abflugtermin, also 10:50 Uhr, alle an Bord.
Doch dann warten wir, warum auch immer, noch mehr als eine Stunde (bzw. 10 afrikanische Minuten, wie der Pilot säuerlich mitteilt), bevor wir abheben. Da wir starken Gegenwind haben, läßt sich die Stunde Verspätung nicht herausfliegen und wir beginnen, um unseren Anschlußflug zu bangen.
Der Flug ist völlig ereignislos, nur nervt es im Gegensatz zum nächtlichen Hinflug nun sehr, daß alle Passagiere ständig hin- und herlaufen. Vor lauter Langeweile schaue ich im Bordfernsehen irgendeinen seichten Mist an nachdem ich Kreuzworträtsel gelöst habe und irgendwann haben wir es geschafft und landen in Düsseldorf. Dort hetzen wir zum Lufthansaschalter, der natürlich am anderen Ende des Flughafens ist und schaffen noch unseren Anschlußflug nach Frankfurt. Aber es gibt Stau an der Handgepäckkontrolle, denn die Düsseldorfer kontrollieren akribisch und nehmen uns gnadenlos gefährliche Shampoos, Mineralwässer und dergleichen Schlimmes mehr ab, was in Afrika keinen interessierte. Dann der nächste Schreck, unsere Lufthansamaschine soll erst mit über einer Stunde Verspätung starten dürfen, da in Frankfurt schlimmes Wetter sei oder so. Doch der Pilot ist wohl ein Schlitzohr, denn er meckert solange mit dem Tower rum, daß wir mit nur 10 Minuten Verspätung abheben. Der Flug nach Frankfurt ist ein Witz, bei den nicht einmal 200 Kilometern Luftlinie schaffen wir es nicht einmal auf Betriebsflughöhe. Insgesamt waren wir nur 22 Minuten in der Luft, ich hatte mitgestoppt.
Dank der Flug- und Überredungskünste des Piloten und des Rückenwindes landen wir absolut pünktlich in Frankfurt. Auch der Gepäcktransfer hat geklappt, so daß unsere Abholer nicht auf uns zu warten brauchen. Draußen nieselt es bei einem Grad, der deutsche Winter hat uns wieder und der Urlaub ist endgültig vorbei.

Blick auf den Hafen von Mombasa.

Ein letzter Blick auf die MS "Astor".

Der Busbahnhof von Mombasa, hier tobt das Leben.

Die Chartermaschine erwartet uns auf dem Flughafen von Mombasa.
08.03.09
Unser letzter richtiger Urlaubstag hatte begonnen. Daß es auch einer der schönsten werden sollte, konnten wir nicht ahnen, doch der Reihe nach:
Die Insel Sansibar liegt quasi gegenüber von Daressalam, es sind keine 100 Kilometer mit dem Schiff zurückzulegen gewesen. Die Astor legt gegen 7:00 Uhr am Hafen von Sansibar an. Wir bestaunen die verrosteten Schiffe, die sich sanft in den Wellen wiegen. Für den heutigen Tag haben wir den Ausflug "Inseln Bawe und Prison Island" gebucht. Schon wieder ein Badeausflug. Ich habe ein wenig ein schlechtes Gewissen. Anstatt sich Land und Leute anzuschauen gehen wir einfach baden, wie sträflich. Und außerdem waren wir gestern doch erst baden, was sollen nur die Anderen von uns denken.
Glücklicherweise erweisen sich alle Vorahnungen als Unsinn. Unsere Ausflugstruppe ist mit 14 Leuten durchaus überschaubar. Im Bus begrüßt uns Reiseführer Linus, der uns auf der kurzen Fahrt zu unserem Dhau schon viel Interessantes von seiner Heimatstadt zu berichten weiß. Alle an Bord beherrschen leidlich die englische Sprache, so daß sich die Reisebegleiterin Janina die Übersetzung fast sparen kann. Am Fährhafen angekommen, werden wir mit Schnorchelausrüstung versehen. Dann besteigen wir unser Schiff, das aber nicht traditionell segelt, nein, Kapitän Steve bedient einen Motor. An Bord begrüßt uns ein weiterer Steve, unser Tauchführer. Wir fahren bei wunderschönem Wetter und sanfter und kristallklarer See eine knappe Stunde zur Insel Bawe. An deren Korallenbank gehen wir vor Anker. Ruckzuck haben wir Flossen, Brille und Schnorchel an und quieken vor Begeisterung, als wir durch die Traumatolle schnorcheln. Steve ist begeistert von meiner unterwassertauglichen Kamera, mit der er auch einige Bilder schießt.
Gegen Mittag müssen wir leider wieder aufs Schiff zurück. Wir fahren nun zur Nachbarinsel. Dort werden wir von einer jungen Hoteldirektorin freundlich empfangen. Nach ein paar Sätzen englisch erklären wir ihr, daß sie ruhig deutsch mit uns reden kann, stammt sie doch aus Osnabrück. Aber die vielen Jahre auf der Insel haben die Muttersprache verkümmern lassen, so daß es einige Zeit braucht, bis die passenden Worte parat sind. Prison Island ist DER Traum für ein junges Paar. Es gibt dort von der Öffentlichkeit separierte Cottages mit ungestörtem, unverbautem Meerblick und garantiert schönem Sternenhimmel. Und auf der Insel dient alles dem Gast, es gibt einen Pool, eine Bar (eine Sansibar, um mal einen Kalauer unterzubringen), eine Pizzeria, einen Tennisplatz. Die Tierwelt ist reich, aber völlig ungefährlich, so wohnen auf der Insel 109 Riesenschildkröten, deren älteste 185 Jahre zählt und ansonsten nur Blauducker, eine Antilopenart, die kaum Karnickelgröße erreicht und sehr scheu ist. Wer mehr Interesse hat, der klicke hier.
Wir bewundern also die Riesenschildkröten, werden mit einem Viergängeessen verwöhnt, bei dessen Hauptteil (Seafood) ich bis heute nicht weiß (und wissen will), was es alles war, schauen uns neugierig die Unterkünfte an und eilen dann wieder zum Schiff, denn wir wollen nochmal schnorcheln.
Das Schiff fährt um die Insel zu den schönsten Bänken und tatsächlich ist es hier am Schönsten. Kommentar einer Mitreisenden: "Es war so schön, daß ich unter Wasser geweint habe."
In der Ferne tummeln sich, wie bereits gestern, einige Delphine. Doch wir tauchen und schnorcheln und gehen nur sehr widerwillig wieder an Bord. Ich habe Blut geleckt und werde unbedingt noch einmal im Indischen Ozean auf Tauchtour gehen, dann aber am besten mit leichtem Gerät.
Unser Dhau fährt wieder zurück zum Hafen. Die Stimmung an Bord ist ausgezeichnet, alle lachen und albern und singen und stecken damit selbst die Begleiter an. Dazu der Fahrtwind, eine wunderschöne Atmosphäre und ein mehr als würdiger Abschluß eines wunderbaren Urlaubs, unvergeßliche Momente, die immer im Gedächtnis bleiben werden.
Auf der Rückfahrt erzählt uns Linus, mittlerweile aufgetaut, eine Anekdote nach der anderen und so haben wir gleich einen völlig anderen Eindruck von der Insel. Vor der MS "Astor" haben wir noch Gelegenheit, bei den Einheimischen Souvenirs zu erstehen. Tatsächlich ist das nach Durban das zweite Mal, daß wir für so etwas Zeit haben. Wir erstehen nach langem Überlegen ein paar Salatbestecke aus Ebenholz und gehen an Bord.
Der schöne Tag ist nicht etwa vorbei, als wir an Bord der Astor gehen, denn der Sonnenuntergang und die Abendstimmung am Himmel, als unser Schiff 18:30 Uhr ablegt, sind mindestens ebenso schön wie der Tag. Leichte Wehmut macht sich breit. Soll das alles wirklich schon zu Ende sein? Können wir nicht noch ein, zwei Tage, ach was Wochen bleiben?
Beim Abendbrot wird von meiner Mutter die beim Skat gewonnenene Flasche Sekt spendiert und wir nehmen förmlichen Abschied von unseren Tischnachbarn. Nach dem Abendbrot seufze ich auf - und gehe in die Kabine, um das Packen einzuleiten. Doch was beim Hinflug in die Koffer paßte, paßt natürlich jetzt immer noch hinein. Die wenigen Mitbringsel passen locker ins Handgepäck. Da wir eine Chartermaschine haben und deshalb sogar schon vorgestern unsere Bordkarten und Gepäckbanderolen erhielten, spielt das Gewicht ja keine Rolle und so kann ich die Handgepäckköfferchen befüllen, was mir beim Hinflug unmöglich war, denn 8 Kilo sind nix, wenn der Koffer schon mehr als ein Kilo wiegt und man darin die Fotoausrüstung transportiert.
Noch ein letztes Absackerbierchen und die letzte Bordnacht beginnt.

Blick vom Dhau auf unser erstes Ziel: die Insel Bawe.

Drei, wenig Vertrauen erweckende Fähren, harren der LKWs, Autos und Passagiere zum Transport nach Tansania, Kenia oder Mosambik.

Unser wortkarger Kapitän des Dhau.

Blick auf die Gefangeneninsel, die nie eine war.

Janina ist auf dem Schiff zuständig für die Einteilung der Reiseleiter für die Touren - welch Zufall, daß sie beim schönsten Ausflug aktiv mit dabei ist.

Für die an Bord Gebliebenen sah das Schnorcheln so aus.

Wer ein passendes Bild zum Wort "Seelenverkäufer" sucht, wird hier fündig.

Impressionen aus der fantastischen Unterwasserwelt rund um Sansibar.

Ein grüner Seestern mit gelben Punkten - ist er nicht schön?

Unser Steven in seinem Element.

Der größte Fisch unter Wasser in Aktion - der Autor.

Weitere Impressionen aus der tollen Vielfalt der Natur.

Ein Feuerfisch - nur nicht zu nahe kommen.

Weitere Impressionen aus der tollen Vielfalt der Natur.


Unser zweites Ziel des Tages: Changuu Island - die Gefängnisinsel

Dieses originale Dhau-Schiff war einen Tag lang unser Begleiter.

Reiseführer Linus und der Autor beim Mittagstisch.

Meine Mutter streichelt den Nestor der Riesenschildkröten.

Die Schildkröten fühlen sich im Wasser am wohlsten.

Blick aus einem Cottageschlafzimmer.

Unsere Astor vom Dhau aus fotografiert.

Das Wasser schimmerte während unserer Fahrten in den herrlichsten Farben - Fotos versagen da bei der Wiedergabe komplett.

Viel Spaß´beim Lesen und Verstehen des Textes.

Die deutschen Kolonialbauten haben nur noch verfallende Eleganz.

Wer mal ein Auto sieht, daß "ZNZ" auf dem Nummernschild hat - es ist dann aus Sansibar.

EIne sansibarische Tankstelle.

Unser Abschied von Sansibar - voller Wehmut und dazu so ein Himmel!


Nachdem wir Freitag, den 13. so gut herumgebracht haben, erwartet uns ein Samstag in Daressalam oder Dar-es-Salaam oder wie auch immer man das schreiben mag. Während wir gegen 7:00 Uhr in den Hafen einlaufen, sehen wir schon riesige Menschenmengen an den Ufern stehen, die dort Geschäfte treiben oder auf Fähren warten. Die Astor macht fest und wir bereiten uns auf unseren Ausflug vor.
Wir haben einen Ausflug gebucht, der den vielversprechenden Namen "Baden auf Bongoyo" trägt. Und gleich nach dem Frühstück geht es los. Mehrere kleine Busse bringen uns ca. 60 Badewillige zum Strand. Die Fahrt durch den Regierungssitz Tansanias ist hochinteressant. Wir sehen das Hafengelände (logisch), fahren durchs quirlige Zentrum und dann Richtung Norden durch "bessere" Viertel, vorbei an palmengesäumten Straßen mit blitzend weißen Villen, immer den Ozean in Sichtweite. Schließlich gelangen wir am Anleger an. Die Sonne scheint schon erbarmungslos auf uns und wir wissen nun, warum eine Kopfbedeckung unverzichtbarer Kleidungsbestandteil ist. Natürlich bin ich nach meinem Sonnenbranddisaster mit Sonnenblocker eingeschmiert. Darüber habe ich noch mit Nobite einen wirksamen Insektenschutz gelegt.
Unser Ziel Bongoyo ist eine Insel. Um dahin zu gelangen, müssen wir auf ein Schiff. Um zum Schiff zu gelangen gibt es ein Boot. Wir sind 60 Leute. In ein Boot passen 18 Personen. Also geht es los: Boot 1 transportiert 18 Personen aufs Schiff 1: Schiff 1: 18 Leute, Schiff 2: 0 Passagiere. Dann kommt das Boot leer ans Ufer und holt die nächsten 18 ab und fährt zu Schiff 1, das nun 36 Passagiere hat. Schiff 2 ist immer noch leer. Das Boot fährt wieder ans Ufer und holt 18 Leute und fährt wieder zum Schiff 1: das ist nun mit 50 Personen proppevoll und legt ab. Das Boot fährt zum Schiff 2 und liefert nun seine restlichen 4 Passagiere ab, dann kehrt es ans Ufer zurück. Ich bin Passagier 18, meine Mutter bleibt zurück. Auf Schiff 2 warten wir auf die erneute Wiederkehr des Bootes, auf dem nun auch der komplette Rest unserer Reisegruppe nebst anderen Passagieren ist.
Nun legt auch Schiff 2 ab und tuckert uns gemütlich in einer dreiviertelstündigen Fahrt auf die paradiesische Badeinsel. Das Schiff hatte sicher schon eine Million Seemeilen hinter sich, bevor ich geboren wurde, zumindest klingt der Motor wenig vertrauenerweckend und das Interieur ist schäbig. Aber es gibt eine Kiste, in der sich zwischen Eisblöcken viele Flaschen tummeln. Wir kaufen gerne das überteuerte Lagerbier der Marke "Kilimanjaro", denn das lange Warten hat uns durstig gemacht. Schließlich nähern wir uns unserem Ziel und das Schiff ankert. Dann holt uns wieder ein Boot ab, welches uns wiederum in Gruppen ans Ufer bringt.
Also ich sehe da noch echtes Rationalisierungs- und Zeiteinsparungspotential beim Transport.
Egal, wir sind endlich da. Strahlender Sonnenschein, türkisblaues Wasser, schneeweißer, mit Palmen gesäumter Strand - ideal. Wir nehmen Platz unter einer offenen Palmhütte. Ohne Schatten würde man in Kürze vergehen vor Hitze. Der Strand ist so heiß, daß man ihn unmöglich barfuß passieren kann. Glücklicherweise haben wir geschlossene Badeschuhe (zum Schutz vor Korallen) und gelangen so problemlos zum Baden. Verängstigt durch meine Sonnenbranderfahrungen gehe ich nur kurze Zeit tauchen und Baden, das aber ziemlich oft. Dazwischen lernen wir junge Engländer und Norweger kennen und in unserem Palmenschatten weilt eine junge Familie. Er ist Niederländer, sie eine Einheimische mit einem kleinen Neugeborenen, welches brav die ganze Zeit schläft. Die stolze Großmutter ist gerade aus den Niederlanden angereist, um den Nachwuchs zu begutachten.
Schließlich gibt es Essen (über Holzkohle gegrillter, frischgefangener Fisch, Huhn, Kokossuppe, Melonen, dazu Getränke aller Art). Wir gehen nochmal Baden und irgendwann mahnen die Reisebegleiter zum Aufbruch. Gewitzt durch die Erfahrungen der Hinfahrt, drängeln wir uns als Erste aufs Boot, welches uns zu Schiff 2 fährt. Das Schiff legt ab, nachdem es nochmals ein Boot mit 18 Leuten annahm und nimmt Kurs auf Daressalam. Dort, nach einer herrlichen Dreiviertelstunde Fahrt übers glasklare Wasser angekommen, erfahren wir, daß Schiff 1 nicht mehr fährt, da die Besatzung keine Lust mehr hatte. Also muß unser Schiff 2 nochmal fahren, um die verbliebenen Urlauber von der Insel zu holen. Dazu müssen wieder die Boote jeweils mit 18... wir sind froh, schon am Bus zu sein. Dieser fährt uns auch in aller Ruhe durch die Stadt zurück zum Hafen. Wir sehen wieder tolle Villen mit ihren fast waagerecht liegenden Satellitenschüsseln, Mietskasernen, schäbige Hinterhöfe, gut gekleidete Menschen, Touristen, im Schatten Lungernde, schicke Vorgärten und verkommene Brachflächen.
Schließlich sind wir wieder an der Landebrücke der Astor. Dort werden gerade 2 massive Holzschnitzereien ausgeladen, die wenig später das Foyer an der Rezeption zieren werden.
Das Abendbrot im Restaurant lassen wir heute zum zweiten Mal (das erste Mal war es am Abend, als wir auf Mauritius verfrüht ablegten) ausfallen und essen stattdessen nur etwas am Buffet. Dann setzen wir uns auf unsere Stammplätze auf dem Lido-Deck und werten mit unseren Bordbekanntschaften den Tag aus. Außerdem warten wir natürlich auf den Höhepunkt des Abends. Frau Wohlenberg hatte es nämlich organisieren können, "ihre" Massai an Bord zu bitten. Und in der Tat: gegen 21:00 Uhr betraten viele Angehörige der großen und stolzen Massai das Lido-Deck. Sie waren mit einem Bus aus dem Busch geholt worden. Niemand von Ihnen hatte vorher das Meer je gesehen. Keiner kannte ein so riesiges Schiff. Die Frauen wollten gar nicht mehr aus den Erfrischungsräumen heraus, denn sie bewunderten sich in den Ganzkörperspiegeln. Und die Bordküche war glücklich über so gute Esser. Freilich, Kartoffeln aßen sie ein paar, das Gemüse ließen sie liegen, aber jeder stopfte wohl ein Kilo Fleisch in sich hinein.
Wohl gesättigt und gut gelaunt, führte uns der "Maped"-Chor, so sein Name, dann diverse Lieder seines Repertoires vor und spielte gar einige Sketche aus dem Leben der Massai vor.
Die gute Laune griff auf die Astorpassagiere und die Besatzung über. Wir sangen, gröhlten und tanzten mit diesen lebensfrohen Menschen, daß es eine Freude war. Leider mußten wir unsere Gäste irgendwann auch einmal in Ruhe lassen. In dieser kurzen Zeit erfuhren wir viel über das Schicksal der Massai, ihre Kultur, ihr Leben und ihre Probleme. Beispielsweise wurde ihnen trotz Einladung und Beglaubigungsschreiben der Zutritt zum Hafen verwehrt; erst der Kapitän konnte die Hafenbehörden überreden. Gegen 23:00 Uhr gingen die Massai wieder von Bord. Die Astor konnte noch nicht ablegen, denn das Flugzeug mit unserer Reisegruppe, die zwei Tage im Kruger-Nationalpark waren, hatte etwas Verspätung. So legten wir mit einer halben Stunde Verspätung ab und verließen Daressalam, welches insgesamt einen guten Eindruck bei mir hinterließ.

Blick aus dem Kabinenfenster nach dem Aufstehen. Abertausende Menschen am Busbahnhof.

Der Hafen von Daressalam im Morgendunst.

Ein Blick auf unsere Boote bzw. Schiffe. Links das Transportboot, dann Schiff 1 und Schiff 2.

Das ist unser Strandbereich vom Schiff aus gesehen.

Auch hier überrascht uns eine vielfältige Unterwasserwelt.

Dieses Bild konnte ich mir nicht verkneifen. Der Untertitel "Unterschied: erste und dritte Welt" drängt sich da auf.

Ein Blick auf unser Essen.

Auch heute haben wir wieder Traumwetter.

Der Bayerische Rundfunkt dreht an dieser Stelle das Kapitel "Abreise in Dubai".

Auch in Tansania zu sehen: Bilder vom neuen US-Präsidenten.

Nicht die Reklame interessiert hier, sondern die liegende Satellitenschüssel links im Bild.

Eine Hochzeit.

Der Hafen am Abend.

Die Massai mögen ja einer uralten Tradition huldigen, doch wenn das Mobiltelefon klingelt, wird sogar die Touristenbespaßung unterbrochen.

Interessantes Schuhwerk.

Die berühmten Sprünge der Massai.

Zwei erschöpfte Massai stellen sich meiner Kamera.
06.03.09
Der letzte Seetag brach an, die Sonne schien, es war wie immer um die 29 Grad und es ging ein lauer Wind. Nun hatten wir uns endgültig ans Bordleben gewöhnt. Zuerst ein ausführliches, feines Frühstück und Morgenplausch mit unseren Bordbekanntschaften. Dann mußte ich mich nochmal beim Bordarzt vorstellen. Dieser war geradezu begeistert von meinem Heilfleisch und stellte fest, daß praktisch keine Schädigung des Gewebes mehr erkennbar sei. Dennoch warnte er mich nochmals eindringlich vor der afrikanischen Sonne und empfahl dringendst Sonnenschutzmittel. Dieses hatte ich mir schon schuldbewußt in der Bordboutique gekauft.
Heute fand das letzte Skatturnier statt. Als Champion gehandelt konnte ich nur ein jämmerliches Ergebnis in den Miesen vorweisen, denn zu jedem Blatt, das ich anfaßte, hatten die Gegner immer das ideale Gegenblatt. Wir hatten ruckzuck unsere Spielserie fertig und warteten, freispielend, auf die restlichen Tische. Mein Tischsieger konnte sich mit 489 Punkten durchaus Siegchancen ausrechnen, doch am Ende gewann - meine Mutter mit satten 578 Punkten.
Nach dem Turnier begaben wir uns aufs Außendeck, wo uns aus großen Pfannen leckeres Mittagessen serviert wurde.
Nachmittags erfreute uns der Bordlektor wieder mit einem Diavortrag über Zentralafrika. Anschließend gab es ein schönes Bad im Innenpool. Der heutige Sonnenuntergang war einer der schönsten, die ich je sah (und ich sehe praktisch täglich einen aus meinem Wohnzimmerfenster). Die Sonne plumpste in atemberaubendem Tempo einfach so ins Meer und zauberte allerlei Lichtspiele aufs Wasser und in den Himmel - herrlich.
Sonst gibt es zu diesem Tag nicht weiter zu berichten. Das Abendbrot war das Abschiedsdinner des Captains, das kannten wir ja schon von Südafrika. Nur war diesmal das Mönchengladbacher Ehepaar dazu geladen, wir staunten nicht schlecht, als sie uns links liegenließen und zum wichtigen Tisch schritten.
Nach dem Essen dann Vollmondlichtspiele am lauen Abendhimmel, gleißender Sternenhimmel, Absacker in der Hansabar und Nachtruhe.

Immer die gleiche Meldung vom Bordfernseher.

Der Autor auf dem Oberdeck.

Ein wunderschöner Sonnenuntergang>.

Plumps - da fällt sie ins Meer.
Da wir nur 155 Seemeilen (287 Kilometer) zurückzulegen hatten, sehen wir nach dem Aufstehen schon die Inselsilhouette von den Großen Komoren und ihrer Hauptstadt Moroni. Begeistert eile ich an Deck - und schon wieder erwischt mich der 30 Grad heiße Waschlappen, der sich hier Klima nennt. Also schnell ein paar Fotos gemacht und lieber drinnen gefrühstückt.
Auch für dieses Ziel haben wir keinen Ausflug gebucht. Unser Plan ist, auszutendern und den nahegelegenen Markt nach Souvenirs abzugrasen und die Stadt etwas zu erkunden. Vielleicht mieten wir uns ja auch wieder ein Gefährt, wer weiß.
Beim Austendern gibt es Probleme. Die Ebbe fällt ungewöhnlich tief aus, so daß das Tenderboot nicht zur Insel gelangt. Also werden die Schlauchboote (Zodiacs) zu Wasser gelassen. Da in ein Tenderboot problemlos 80 Leute passen, in ein Schlauchboot aber nur 8, kann man sich vorstellen, daß es zu Staus kommt.
So verkrümeln wir uns wieder an Deck. Wenig später kommt auch der Schlauchbootverkehr zum Erliegen, da die Ebbe einen riesigen Sandstreifen freigelegt hat und man den Besuchswilligen einen kilometerlangen Marsch durch Schlick und Dreck ersparen will. Denn dreckig ist es auf der Insel. Hier ist es offensichtlich Mode, allen Müll einfach ins Meer zu werfen. Dazu müffelt die ganze Insel nach Müll und nach Rauch von den vielen Kochfeuern.
Da die Hitze immer mehr zunimmt und die Rückkehrenden berichten, daß man nichts versäumt habe und da ich sowieso kein Fan von streng islamischer Lebensweise bin, beschließe ich, auf dem Schiff zu bleiben. So habe ich Zeit für nette Gespräche, kann die Kabine etwas aufräumen und mich auch einmal wieder in der Lounge zum Kaffee blicken lassen. Man kann auch "Urlaub vom Urlaub machen" dazu sagen.
Gegen 18:00 Uhr geht die Sonne dramatisch schön unter, rund ums Schiff sind Flughunde zu sehen und in der Restdämmerung verabschiedet sich die Astor von den Komoren und nimmt Kurs auf den Hafen von Dar-es-Salaam in Tansania. Bis dahin sind es 388 Seemeilen (719 Kilometer), also haben wir noch einen Seetag vor uns, der allerdings auch unser letzter auf dieser Reise sein wird.
Der Abend ist herrlich. Die Luft ist lau, der ab und zu von Wolken verdeckte Fastvollmond spiegelt sich kitschig im glatten Wasser, das Schiff gleitet in die Dunkelheit. Man sitzt einfach da und genießt...

Der erste Blick auf Moroni.

Das weiße im Wasser sind keine Wellen, sondern T-Shirts, Verpackungen, Flaschen und anderer Müll.

Das war der beste Versuch, einen Flughund im Flug zu erhaschen. Aber ich schwöre, daß es kein Vogel war, sondern wirklich ein Flughund

Das beliebteste Motiv des Seereisenden - Sonnenuntergang.
Noch stampft die MS "Astor" ihrem Ziel entgegen. Nach dem Frühstück gebe ich dem Drängen der Frauen nach und gehe endlich wegen meines Sonnenbrands zum Bordarzt. Dieser stellt am Rücken Verbrennungen II. Grades fest und behandelt mich mit irgendwelchem Teufelszeug und gibt mir noch 2 Tuben Salbe mit, die ich ab da brav flächendeckend auf den Körper auftrage.
Auf meine bange Frage, ob ich in vier Tagen wieder Baden gehen kann, antwortet er: "als Arzt erhalten sie ein striktes Nein, als Mitreisender gehen sie schwimmen, aber schützen Sie sich diesmal mit Sonnenblocker und T-Shirt".
Er bestellt mich für den übernächsten Tag nochmal und ich bin entlassen.
Eben ist der Lotse an Bord gekommen. Unser Bordlektor, Herr Siegel, hat ebenfalls auf der Brücke Stellung bezogen und kommentiert die Schiffsbewegungen und gibt Infos zur Insel. Schließlich hat sich die Astor durch die Korallenbänke und Sandbänkn geschlichen und liegt direkt vor der Hauptstadt Mamoudzou auf Reede.
Heute haben wir das erste Mal keinen Ausflug geplant und beschließen, auf eigene Faust die Insel zu erkunden. Mayotte ist die Komoreninsel, die sich nicht der islamischen Republik anschloß, sondern sich in einer Volksabstimmung für den Verbleib bei Frankreich aussprach. So betraten wir EU-Überseeterritorium, der Euro war Währung und die Beschilderung war, wenn nicht französisch, dann wenigstens englisch.
Die Zugehörigkeit zur EU war der Schaden der Insel nicht, alles sieht auf den ersten Blick ordentlich aus und offenkundig sind die Menschen wohlhabender als auf Madagaskar. Rikschas muß hier keiner von Hand ziehen.
Am Hafen beschwatzt uns ein schlitzohriger Einheimischer auf deutsch, mit ihm eine Tour zu unternehmen. Wir tun uns mit einem Stuttgarter Paar zusammen und nehmen ein Großraumtaxi mit dem Einheimischen als Reiseführer. Nun stellt sich heraus, daß dieser uns zwar prima am Anlegeplatz werben konnte, er aber von Land, Leuten, Pflanzen und Getier übgerhaupt keine Ahnung hat. Dafür ist der Fahrer recht bewandert. Doch er kann sich nur in seiner Heimatsprache und einem schrecklichen Französisch verständlich machen, welches aber unser Schlitzohr wenigstens getreu übersetzt.
Wir fahren aus Mamoudzou heraus, passieren einige kleine Dörfer und halten an einem wunderschönen Strand, der von gewaltigen Affenbrotbäumen gesäumt ist. Dort schauen wir den Fischern und Badegästen zu. Dann fahren wir weiter, immer an der Küste entlang mit atemberaubenden Blicken auf die 600 Meter hohen Vulkankegel. Schließlich erreichen wir unser Zwischenziel. Der Stuttgarter war clever und hat den schönsten Strand und das feinste Hotel gewählt.
So sitzen wir wenig später an einem weißen Traumstrand unter Palmen und genießen einen eiskalten Drink. Dann bestaunen wir noch die zahlreichen freilebenden Makis, meine Mutter kauft sich einen Gürtel, den sie schon seit Jahren sucht und wir fahren bei 33 Grad im Schatten, der mittlerweile glücklicherweise dank Wolken vorhanden ist, wieder zur Anlegestelle zurück. Da wir die Fenster sperrangelweit geöffnet haben und öfter auch mal langsame Fahrzeuge zu passieren sind, bekommen wir auch Geräusche und Gerüche mit. Schließlich wachsen auf den Komoren neben Vanille, Safran, Zimt, Nelken, Muskat und vielen anderen Pflanzen auch Pfefferschoten. Das kann man riechen. Am deutlichsten nimmt man den Geruch der Ylang-Ylang wahr. Jetzt weiß ich also, wo diejenigen landen, die man dahin wünscht "wo der Pfeffer wächst".
Mehrfach sehen wir Frauen, die die hier typischen weißen Schönheitsmasken tragen, ein exotischer Anblick.
Nach dem Rücktendern machen wir uns frisch. Die Astor lichtet die Anker und nimmt Kurs auf die großen Komoren, die nördlichste Insel der Gruppe. Dann eröffnet der Kapitän den Markttag in der Lounge und wieder können wir indische, mexikanische und bayerische Küche in Hülle und Fülle genießen.
Der Abend klingt aus mit Sternenhimmel und einem kitschigen Vollmond.

Die Insel Mayotte taucht am Horizont auf.

Aus einem Eisblock wird vom Carver eine Figur herausgeschält.

Ein Adler. Man sieht dem Künstler, wie immer, keine Gemütsregung an.

Wir sind auf jeden Fall zwischen dem südlichen Wendekreis und dem Äquator, wenn man sich den Schatten betrachtet.

Jetzt kann man schon Korallenatolle und vorgelagerte Inselchen und Vulkane erkennen.

Der Autor am Fuße eines gigantischen Affenbrotbaumes.

Unser unkundiger Begleiter - er hat 10 Jahre in Deutschland bei Siemens und BMW in München gearbeitet.

An einem schönen Strand wird trainiert, gebadet, gefischt.

Unser Taxifahrer, das Auto sieht zwar neu aus, hat aber schon rundum kaputte Stoßdämpfer, ein Tribut an die Straßen.

Am traumhaft schönen Strand im Süden der Insel.

Strand, Sonne, Palmen, Drink, was will man mehr?

Ein Maki posiert vor der Kamera. Hier leben Dutzende dieser Tiere.

Der Mount Chongui ist 594 Meter hoch.

Witzig sehen sie aus, diese Affenbrotbäume.

Badende Kinder am Strand.
Da unser morgiges Ziel, die Komoreninsel Mayotte, von Madagaskar 700 Seemeilen (1296 Kilometer) entfernt ist, ist heute wieder ein Seetag. Heute weht nur ein lauer Wind, es sind knapp 30 Grad und es ist leicht bewölkt, ideales Wetter also, um beispielsweise einen zünftigen Frühschoppen einzunehmen. Schon nach dem Frühstück nahmen wir an unserem Stammplatz auf dem Lido-Deck Platz. Unsere Mitreisenden Christina und Gitte hielten uns schon immer Plätze frei. Gegen 11:00 Uhr kam der Kapitän und gab 1, 2, 3, 4, viele Biere aus. Niemand sagte nein. Die aus zwei Tschechen bestehende Band sang ausnahmsweise mal keine englischen und deutschen Hits in fragwürdiger Qualität, sondern besann sich ihrer Wurzeln und trumpfte mit Polkas und echter Volksmusik auf. Die Stimmung war ausgezeichnet. Selbst über die Witzchen des Bauchredners konnten wir nach einigen Bieren herzhaft lachen. Die Reiseleiter alberten herum uns warfen sich gegenseitig in den Pool, der Kapitän und seine Mannen stießen mit allen an und hielten sich auch nicht zurück. Dazu bayerisches Essen, es war Urlaub pur. Das mußte selbst das BR-Vitalteam feststellen.
Apropos Vital-Team. Die Querelen waren mittlerweile beigelegt. Das Feuer, was viele Stammgäste der Kreuzfahrtleitung gegeben hatten, sicher aber auch der entspannende Aufenthalt auf dem Schiff, hatte die Wogen geglättet. So fanden nun die seltsamen Veranstaltungen mit Themen wie Sonnenyoga, Beziehungsführerschein, Detox von Körper und Geist und erotische Phantasiereisen nur noch geringe bis keine Beachtung.
An Bord war es heute so schön, daß ich mich als "Eisenarsch" bewährte und brav von 8:45 Uhr bis ca. 17:00 Uhr nonstop auf dem Lido-Deck verharrte. Treu mit mir hielt es die Gitte aus, wir beide verstanden uns prächtig, als ob wir uns schon Jahre kannten.
Gegen Abend dann sahen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang. Dann noch ab in den Pool und landfein fürs Abendbrot gemacht. Am Abend hatte Gaststar Angelika Milster ihren Auftritt. Diesem wohnte ich allerdings nicht bei, sondern nutze die Zeit, meinen immer schlimmer werdenden Sonnenbrand zu pflegen und die Fotos zu sortieren bzw. die Fotoapparate wieder schußbereit zu machen.

Unser Stammtisch, immer schön im Schatten.

Uns geht es allen prima.

Hier kann man gut sehen, daß für mich der Sonne zuviel war .

Der wichtigste Mann des Tages, unser Kellner Georgi aus Bulgarien. Recht kann man Frau Milster sehen, es ist die Dame mit dem "chiquen" Hut.

Meine Mutter macht Platz für den Schnappschuß von einer Dame, die schon mehr als 2.000 Bordnächte angesammelt hat.

Der Bauchredner Eddy in seinem Element.

Die Kreuzfahrtleitung schaut amüsiert dem Treiben zu.

Die Kreuzfahrtleiter wurden in den Pool geworfen.

Ein schöner Sonnenuntergang. Wie man unschwer erkennt, dampfen wir Richtung Westen mit leichtem Nordeinschlag.

Nochmals der Sonnenuntergang.

Die Basketballer haben ihr Spiel gerade beendet.
05.03.09
Madagaskar, das war der ursprüngliche Aufhänger der Reise gewesen. Eine riesige Insel mit vielen endemischen Pflanzen und Tieren, wenn das kein Urlaubsziel ist, was dann?
Ohne Murren zahlte ich das sündhaft teure Visum, ließ Impfungen über mich ergehen, von den Kosten der Reise ganz zu schweigen. Selbst daß die Nachrichten momentan in der Hauptstadt Unruhen mit Toten melden, ließ mich kalt, war sie doch mehr als 200 Kilometer von unserem Hafen in Tamatave entfernt.
Nun endlich war ich am Ziel meiner Träume angekommen. Doch schon das Studium der Hafeninformation stimmte nachdenklich. Ich hatte peinlicherwiese bis dato nicht gewußt, daß Madagaskar eines der ärmsten Länder der Welt ist. Nun, das sollte ich gleich live und in Farbe erleben. Doch erstmal gingen wir von Bord. Die arme Astor hatte gut gelitten in den letzten Tagen und überall war unter abgeplatzer Farbe der Rost schon fleißig am Nagen. Doch im Moment des Feststellens eilten schon eifrige Besatzungsmitglieder mit großen Farbeimern herbei bzw. seilten sich am Rumpf ab, um die Schäden auszubessern.
Um 8:00 Uhr begann unser Ausflug zum Botanischen Garten und Tierpark Ivoloina. Wir bestiegen einen zum Bus umfunktionierten altersschwachen Transporter. Jetzt wußten wir endlich, wie sich die Menschen in den überall zu sehenden Massentaxis fühlen. Glücklicherweise saß ich vorn neben dem Fahrer, der leider keine gängige Sprache beherrschte. Es gab für zwei solcher Gefährte nur einen Reiseführer, ja, hier war es nicht so perfekt organisiert, wie bisher gewohnt. Unser Begleiter sprach ein leidliches Englisch. Wir hielten alle 10 Minuten an, dann rannte er in den anderen Bus, damit die dortigen Insassen auch etwas erfuhren. Improvisation ist eben alles.
Als erstes fielen mir die zahllosen Rikschas auf. Nicht etwa nur Fahrradrikschas, nein, solche, bei denen sich ein Mensch wie ein Pferd an die Deichsel hängt und dann im Laufschritt seinen Passagier durchs Getümmel befördert. Ich war gelinde gesagt geschockt. Ich dachte, so etwas sei vor 100 Jahren ausgestorben.
Auf Nachfrage erfuhr ich, daß eine Fahrt mit einer Rikscha umgerechnet 0,50 EUR/Stunde kostet, unvorstellbar! Wir passierten das Zentrum, es wimmelte von Menschen. Unser Fahrer steuerte mit stoischer Ruhe und manch sanftem Hupen durch ein Chaos von Fußgängern, Rikschas aller Art, Fahrrädern, Mofas, Kleinwagen und seltenen Lastern. Fast alle Autos stammten offensichtlich noch aus der französischen Kolonialzeit. Ich schloß recht häufig die Augen, um den Zusammenstoß nicht sehen zu müssen, doch wie durch ein Wunder kamen wir ohne Blessuren durchs Gewühle, Respekt.
Nach der Passage einer schönen Palmenallee wurde es ländlicher. Überall rannten junge Hühner herum, die noch zu dürr zum Schlachten waren, es standen Buckelrinder am Rain und aus erbärmlichen Hütten wurden allerlei Sachen wie Obst, Autobatterien, Töpfe und Mittagessen feilgeboten.
Am Abzweig zum Botanischen Garten mußten wir warten, da die Parkplätze überfüllt waren. Von einer Brücke schauten wir herunter auf den großen Fluß Ivoloina, nach dem der Park benannt wurde. Ich traute meinen Augen kaum. Ein Mann tauchte in der Flußmitte nach Sand, den er mit einem ollen Behälter in einen Einbaum schöpfte. Am Ufer waren Sandhaufen zu sehen, die von einem halben Dutzend Kinder mit irgendwelchen Schaufeln auf einen LKW geschippt wurden. Primärindustrie vom Primitivsten.
Voll Schreck dachte ich daran, wieviel hundert "Arbeitsplätze" ein einziger Sandbagger vernichten würde.
Doch es sollte noch schlimmer kommen. Wir mußten auf dem Weg zum Garten noch eine schlaglochübersäte Straße durch ein Dorf nehmen. Dort waren beinahe alle Leute damit beschäftigt, aus, mit großen Handwagen herbeigeschleppten, großen Steinen mit einem Hammer Schotter herzustellen.
Deutlich zu sehen war, daß Madagaskar nach seinem Sozialismusexperiment nun ein Bevölkerungsproblem hat. Ich habe den ganzen Tag nicht einen alten Menschen gesehen. 75 % der Bevölkerung sind arbeitslos. Über 60% der Einwohner sind unter 20 Jahre alt, berichtete unser Reiseführer. Im Schnitt habe jedes Paar 6 Kinder. Die Bevölkerung explodiere, man käme mit dem Bau von Schulen und der Ausbildung von Lehrern schlicht und ergreifend nicht nach. Mittlerweile müßte man sogar Reis, das Hauptnahrungsmittel der Bewohner, aus Südostasien einführen. Und das in einem riesigen Land, in dem selbst ein Spazierstock ausschlägt, wenn man ihn in die Erde steckt und in dem man auf Grund des Klimas drei Ernten im Jahr einfahren kann.
Wie soll man diese Probleme in den Griff bekommen? Nun, Tourismus mag ein kleiner Beitrag sein, aber da muß sich auch noch viel zum Besseren wenden.
Bestürzt von der bitteren Armut, kamen wir am Naturpark an. Dort sahen wir exotische Pflanzen, wie Vanille-, Lampenputzer- und Affenbrotbäume. Dazwischen erfreuten uns immer wieder Lemuren, die innnerhalb und außerhalb von Käfigen ihre Spiele trieben. Wir bestaunten die Chamälions bei ihren Tarnungen und sahen allerlei weiteres Getier.
Die Temperaturen stiegen auf 35 Grad. Bei nahezu 100% Luftfeuchtigkeit sahen wir alle recht zerstört aus, als wir den tollen Naturpark verließen. Zurück ging es wieder vorbei an den Hütten. Ich schaute in so manche hinein, in ihnen war - nichts. Nichts, außer einer Kochstelle.
Gegen Mittag erreichten wir wieder die Stadt. Die Kinder hatten gerade Schulschluß und liefen lachend in ihren Schuluniformen nach Hause. Wenige Minuten vorher sahen wir halbnackte Kinder und junge Mütter mit Baby auf dem Rücken beim Steineklopfen und dann diese Bilder, unglaublich diese Gegensätze.
Der Bus hielt auf dem großen Marktplatz, sofort wurden wir von dutzenden Frauen und Kindern massiv angebettelt: "Monsieur, money, Mister money, Monsieur, Monsieur money." murmelten sie endlos. Ich hatte so etwas ja noch nie erlebt und wußte nicht, was ich machen sollte. Glücklicherweise verscheuchte der Fahrer, der sich offensichtlich seiner Landsleute schämte, die Bettler. Unfaßbare Armut überall - und ich hatte bis vor wenigen Stunden nicht geahnt, auf was ich mich da einlasse. Völlig zerstört (Kleidung, Frisur und Glaube an die Welt) ging ich wieder an Bord. Der Appetit aufs Mittagessen war einem gründlich vergangen. Die Bilder gingen einem nicht aus dem Kopf. So eine tolle Pflanzenwelt, so eine Blütenpracht und dann überall diese bittere Armut und ein offenkundiges Unvermögen, diese zu bekämpfen.
Am Abend war das auch Hauptthema beim Essen und anschließendem Beisammensein. Nach solchen Eindrücken ändern sich durchaus Vorurteile, Meinungen und relativieren sich Jammereien und Finanzkrisen.

Solche nützlichen Informationen bekamen wir immer für jeden Hafen.

Rikschas.

Ein Armeeangehöriger an der schönen Palmenallee.

Auf der Straße unterwegs.

Ein typisches Dorf mit Astortouristen.

Aus Steinen mach Schotter.

Frauen waschen Geschirr und Wäsche im Fluß. Sie wirken glücklich, oder?

Ein Mann befüllt einen Einbaum mit Sand vom Grund des Flusses.

Kinder schippen Sand auf einen LKW.

Üppige, prachtvolle Natur an allen Ecken und Enden.

Dieser Lemur lebt außerhalb des Käfigs.

Unser Reiseführer Er hat neun Brüder und eine Schwester.

Ein schöner Schnappschuß von einer der zahlreichen Schildkröten des Parks.

Nicht nur Chamäleons können sich gut tarnen, auch Eidechsen können das prima.

Wunderbar getarntes Chamäleon.

Wir überholen eine kleine Herde Buckelrinder. Man achte auf den herrlichen Schatten.

Der große Marktplatz von Tamatave.

Die Astor im Hafen von Tamatave.

Zurück über provisorisch verlegte Gleise.
04.03.09
Es ist Sonntag, der 08. Februar. Tatsächlich war die See in der Nacht deutlich rauher als vorgestern. Die Wellen klatschten wütend an das Kabinenfenster (AVI, 9 Megabyte) und wogten sich schaumig und gischtbedeckt in schwindelerregende Höhen. Da der Aufenthalt auf den rutschigen, heftig schwankenden Außendecks zu gefährlich war, wurden diese gesperrt. Dennoch war es warm draußen. 28 Grad meldete das Bordfernsehen. Nur die gemeldete Windstärke 7 konnte keiner recht glauben, es war dann auch tatsächlich Windstärke 10. Wie uns dann Bordlektor Herr Siegel an der Wetterkarte ausführlich erklärte, waren wir im Ausläufer eines kleinen Zyklons unterwegs, der zwei Tage zuvor noch keinem aufgefallen war. Er erklärte uns auch anschaulich die Wind- und Seestärken nach Beaufort. Da diese nach Sicht bestimmt werden, schauten wir gemeinsam nach außen und stellten einmütig Seestärke 9 fest. Dabei ist es nicht einfach, dem hochinteressanten Vortrag des Lektors zu folgen, welcher nicht umsonst auf dem Fußboden Platz genommen hat. Man muß sich mit beiden Händen am Schiff festhalten. Jetzt weiß man auch, warum an allen möglichen und unmöglichen Stellen auf dem Schiff Festhaltegelegenheiten angebracht sind. Und man nahm sich den Kreuzfahrerspruch zu Herzen: "Eine Hand fürs Schiff, eine Hand für sich." Bei den Swimmingpools wurde das Wasser abgelassen, denn sie wären sonst von allein leergeschwappt. Ja, das war mal Seegang vom Feinsten. Die alten Kreuzfahrthasen trafen sich 11:00 Uhr zum Skatturnier und spielten mit unbewegter Miene ihre Serie herunter, ohne sich von Brechern, Gischt usw. auch nur im Geringsten beeindrucken zu lassen. Und ich wurde wiederum Zweiter mit nur zwei Punkten Rückstand zum Ersten. Nach dem Mittag besuchten wir den Diavortrag über Madagaskar in der Lounge. Auch hier war dem Wetter Respekt gezollt die Technik war nicht mehr erhöht aufgebaut, da ja die Lounge am Bug ist und dort die Auf- und Abschwankungen respektable Werte erreichten. Es war lustig, sich zu bewegen, denn jeder Schritt brachte einen irgendwohin, nur nicht dorthin, wohin man wollte.
Am Nachmittag beruhigte sich die See etwas und ich folgte der Einladung des Club Columbus. Dort wurde ich vom Status "weiß (<17 Bordnächte)" in den Status "Bronze (<50 Bordnächte)" erhoben und bekam von Hoteldirektor, Kreuzfahrtdirektor und Kapitän persönlich die Plakette überreicht und die Hand geschüttelt. Also nur zur Kenntnisnahme: ich bin jetzt wichtig! ;-)
Abends gab es eine Minifolter für mich. Mein ganzer sonnenverbrannter Körper brannte wie Feuer, so daß selbst das Pusten auf die Brusthaare schmerzte. Dennoch probierte ich mehrere Polo-Shirts aus der Herrenboutique an, waren diese doch heute im Angebot. Das gekaufte Shirt habe ich mir also mit Schmerzen verdient.
Abends gab es wieder ein Kapitäns-Abendessen. Und wieder übertrafen sich die Köche bei der Zubereitung leckerer Speisen. Ich frage mich nur, wie die das bei dem starken Seegang hinbekommen. Da muß es doch noch schwerer sein, als es sonst schon ist, raffinierteste Speisen zuzubereiten.
Nach dem Abendessen verkroch ich mich in die Kabine, um meinem Körper Gelegenheit zu geben, den Sonnenbrand zu bekämpfen.

Der sonnenverbrannte Autor schläft.
03.03.09
Nach so "anstrengenden" Seetagen bzw. nach solchen Ausflügen wie bisher sollte heute einmal die reine Erholung im Vordergrund stehen. So bestiegen wir morgens halb 9 Uhr einen Bus, der uns quer über die Insel, vorbei an endlosen Zuckerrohrplantagen und einem Ort mit dem witzigen Namen Pampelmuse zum Anleger für die Ile aux Cerfs.
Diese Insel ist eine echte Trauminsel für den Touristen und erfüllt alle Klischees von der Südsee.
Also rasch übergesetzt, eine der für uns reservierten Liegen in Beschlag genommen und ab ins türkisfarbene, kristallklare Wasser.
Für jemanden wie mich, der nur die Nord- und Ostsee kennt, war das eine Sensation. Ich habe doch nicht geahnt, daß es nur einen Meter vom Ufer weg unter Wasser vor Leben nur so wimmelt! Jetzt verstehe ich auch, warum die Leute zum Schnorcheln verreisen.
Nach dem Baden erkundeten wir die kleine Insel. Es war bedeckt, keine Sonne schien und die Temperaturen waren angenehm, dazu wehte ein milder Wind. Ein Ferienparadies. Und wieder stürzte ich mich ins Meer, um mit meiner unterwassertauglichen Kamera Bilder zu machen. Zum Mittag gab es ein edles Büffet mit vielen einheimischen Gerichten. Es gab Kokossuppe, Bataten, Curryhühnchen, auf Holzkohle gebratenen Fisch, frisches Obst und vieles mehr.
Natürlich durfte auch ein zünftiger Cocktail mit weißem und braunem Rum aus heimischer Produktion unter Palmen nicht fehlen. Und wieder ging es zum Baden, einfach herrlich. Leider mußten wir am Nachmittag dieses Ferienparadies verlassen. Kaum auf Mauritius angelangt und im Bus sitzend, fing es in Strömen zu regnen an, das nenne ich Timing.
Der Rückweg führte uns nicht mitten durchs Land, sondern an der Ostküste auf der Autobahn zurück nach Port Louis. Auf Hin- und Rückfahrt wurden wir sehr liebenswert und ausführlich mit den Eigenheiten, religiösen Bräuchen und Marotten der Inselbewohner vertraut gemacht. Da am nächsten Tag (Sonntag) ein hohes hinduistisches Fest stattfinden sollte, sahen wir viele Pilgerer. Und die zahlreichen Tempelchen in den Vorgärten und großen Tempel waren schon herausgeputzt.
Wieder an Bord, dann geduscht und festgestellt, daß ich die afrikanische Sonne völlig unterschätzt hatte. Ich war am ganzen Körper glühendheiß und krebsrot. 100 % selbst Schuld.
19:00 Uhr sollte die Astor ablegen. Die Hafenverwaltung riet uns aber, so schnell es geht abzulegen, da ein Unwetter nahte. Da alle Passagiere an Bord waren, legten wir schon 17:15 Uhr ab und machten uns auf den 476 Seemeilen (882 Kilometer) langen Weg nach Madagaskar.
Meine Mutter bekam ein Gespräch zwischen dem zweiten Offizier und dem Stubenmädchen mit (bereiten Sie sich auf eine stürmische Nacht vor, es wird noch schlimmer als gestern). Na, das waren ja Aussichten!
Am Abend fand ein Vortrag mit Frau Angelika Wohlenberg zum Thema "Die Massai - ein bedrohtes Volk" statt. Dazu an späterer Stelle mehr.
Erschöpft und sonnenverbrannt ging ich ins Bett. Die Uhren wurden wieder eine Stunde zurückgestellt, also ab jetzt nur noch Deutschland + 3 Stunden.

Unsere sympathische, einheimische Reisebegleiterin.

Strand der Insel mit Blick auf Mauritius mit seinen Vulkanhöhen.

Am Stand der Hirscheninsel, so die wörtliche Übersetzung. Natürlich gab es hier nie Hirsche.

Der einsame Wanderer am Horizont bin ich.

Das war der erste Blick unter Wasser.

Fische ohne Ende.

Ein schöner, bunter Fisch.

Angler im Mangrovengebiet.

Hindutempel im Regen.
Heute morgen wache ich auf, taste nach meiner Brille... und sie ist am Mittelsteg einfach so durchgebrochen. Keine Ahnung wieso. Nun also ohne Brille die Ersatzbrille suchen. Moment, die ist im Auto. Aber immerhin finde ich meine uralte Sonnenbrille. Fängt der Tag eben ein bißchen dunkler an.
Der Optiker wiegt bedächtig den Kopf, meint, daß Schweißen schwierig und teuer sei (Titan). Ich wähle ein neues Gestell aus, welches ähnlich aussieht wie das Original, nur eben einen Tick kleiner, damit die Gläser passend geschliffen werden können. Morgen kann ichs abholen.
02.03.09
Uiuiui, war das eine Nacht. Teilweise mußte man sich festhalten, um nicht aus dem Bett zu fallen. Das Schiff schlingerte manchmal heftig und querlaufende Wellen schlugen an den Schiffskörper, daß man dachte, man wäre gerade über einen Wal gefahren.
Dazu hob und senkte sich das Schiff anständig. Eine Beschreibung für Nichtseefahrer: man stelle sich die Fahrt in einem Expreßlift vor: drei Etagen aufwärts, zwei Etagen freier Fall, blitzschnell zwei Etagen aufwärts, kurze Pause, dann drei Etagen freier Fall. Und das fünfmal die Minute. Und das stundenlang am Stück. Ohne Pause. Hier ein kurzes Video (10 Megabyte) aus der Kabine, die nebenbei bemerkt 6 Meter über der Wasserlinie liegt.
Also an Bord hätte ich das nicht wagen dürfen, aber hier kann ich es ja aussprechen: ich hätte gerne noch mehr davon gehabt, denn mir machte das einen Riesenspaß.
Die alten Kreuzfahrthasen fanden das auch toll. Sie kannten die probaten Mittel gegen Übelkeit, nämlich wenig trinken, moderat essen und Pfefferwodka trinken. Den Seekranken, die sich beim Bordarzt eine Spritze geben ließen, ging es auch schnell wieder gut. Doch bei den Mahlzeiten und Veranstaltungen war doch deutlich mehr Platz. Auch von der Besatzung fehlten einige vertraute Gesichter. Also starker Seegang mag abschreckend sein, ich mochte ihn.
Leider konnte man nicht lange draußen bleiben, denn die überall sprühende Gischt versalzte einem rasch Hemd und Haut. Dennoch war ich lange auf dem Oberdeck und ließ mir Windstärke 8 um die Ohren wehen. Dabei zog es mir beinahe mein Shirt aus, das hatte ich auch noch nie erlebt. Ich zog mir trockene Sachen an, wir besuchten den Vortrag des Fotoexperten und nahmen auch am Skatturnier teil.Und wieder machte ich nur den zweiten Platz, verflixt.
Abends war am schönsten das Baden im Pool. Dank des Seegangs hatten wir ein tolles Wellenbad, mal stand man nur knietief im Wasser, im nächsten Moment schlugen einem die Wellen überm Kopf zusammen. Dann gegen 20:00 Uhr, wir hatten nebenbei bemerkt die Uhr schon wieder eine Stunde vorgestellt, so daß uns Deutschland nunmehr vier Stunden hinterherlief, liefen wir endlich in den Port Louis auf Mauritius ein. Spätestens nun wußte jeder, was die Redensart mit "in einen sicheren Hafen einlaufen" bedeutet. Das vierzigstündige Nonstopschaukeln verwandelte sich nach dem Anlegen in ein sanftes Wogen.
Der kulturelle Höhepunkt des Abends wurde gesetzt von Herrn Michael David. Dieser Künstler schaffte es, mit seiner Harfe Werke von Händel, Duke Ellington und selbst Dave Brubecks "Take Five" überzeugend und intensiv darzubieten, einfach toll. Nach diesem schönen Konzert ging es ab ins Bett, denn am morgigen Tag war ein Ganztagesausflug geplant. Und der sollte 8:15 Uhr beginnen, also nach deutscher Zeit 04:15 Uhr.




01.03.09
Der dritte Seetag. Wieder ist die Uhr eine Stunde vorgestellt, mittlerweile sind wir Deutschland drei Stunden voraus. Und wieder erwartet uns ein schöner Seetag. Es ist windig, es sind 30 Grad, die See ist rauh. Wir haben mittlerweile die eine oder andere Reisebekanntschaft geschlossen. Man trifft sich auf dem Lido-Deck und redet über Gott und die Welt. Die meisten sind echte Globetrotter und kennen die Welt wie ihre Westentasche, ich kann nur staunen. So müssen wir aufpassen, daß wir Veranstaltungen nicht verpassen. Es wird ja immer viel angeboten, nur so richtig Interesse wird bei mir nicht allzuoft geweckt. Was interessieren mich schon Bildtürme malen, Specksteine bearbeiten, Beziehungsführerscheine, Sonnen-Yoga und ein Tanzkurs? Aber die Diavorträge vom Lektor, die Tips vom Fotografen oder die Ausflugsvorschläge interessieren mich. Und natürlich die Skatturniere. Aber heute ist keins, denn der Bayerische Rundfunk hat sämtliche Räume belegt, grmpfl.
Heute gehe ich das erste Mal in die Lounge zum Kaffee, ich habe ja Zeit ohne Ende. Dann, am späten Nachmittag die schlechte Nachricht: auf Grund schweren Unwetters kann die MS Astor Reunion nicht anlaufen, der Hafen ist gesperrt und die Behörden verweigern allen Schiffen die Einfahrt.
Also heißt es, noch einen weiteren Tag auf dem Wasser zu verbringen und direkt auf Mauritius zu landen.
Sehr, sehr schade, denn ich hatte ein Ticket für einen Ganztagesausflug. Das beinhaltete eine Inselrundfahrt. Das wäre meine erste Vulkaninsel gewesen. Tröstlich ist, daß in unserer durchgestylten Zeit, bei der alles Jahre voraus geplant und sekundengenau abgerechnet ist, eben doch nicht alles so perfekt ist. Diesmal macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung.
Daß schlechtes Wetter wird, erkenne ich wenig später an den überall im Schiff verteilten Spucktüten. Auch daß in der Kabine die Flaschen und der Fernseher auf dem Fußboden stehen, läßt Vermutungen zu. Tatsächlich wird die See etwas schwerer. So Seegang 6 dürfte es schon sein. Glücklicherweise bin ich, genau wie meine Mutter, danke für das Erbgut, jemand, der völlig unempfindlich gegen Seekrankheit ist.
Am späten Abend wird es schwierig, sich auf dem Schiff zu bewegen. Egal, draußen wird wieder der Mond bewundert, der nun schon grell strahlt und oft hinter rasenden Wolken verschwindet, um wenig später wieder sein unwirkliches Licht auf die See zu spiegeln. Traumhaft, ich kann mich kaum losreißen von dem Naturschauspiel.



Der zweite Seetag in Folge. Es wurde wärmer, windiger und die See auch schwerer. Aber nichts tat der guten Laune Abbruch. Wir flanierten durchs Schiff, ich hatte endlich einmal Zeit, die bereits mehr als 1.500 entstandenen Fotos auf dem glücklicherweise mitgebrachten Notebook zu sortieren und braverweise schrieben wir auch an Freunde und Verwandte Urlaubskarten. Mittlerweile trudeln diese Stück für Stück ein.
Ferner besuchten wir Vorträge zum Thema Fotografieren (50% der Funktionen meiner Digitalkamera sind überflüssig - nur welche?) und ließen uns vom Lektor zahlreiche tropische Pflanzen wie die Jackfrucht, Rambutan und die Duriansfrucht und deren Früchte erklären. Zur Duriansfrucht blieb mir der Spruch im Gedächtnis:
Man beachte den Wikipediaartikel dazu.Tastes like heaven, stinks like hell.
Das Vitalprogramm des Bayerischen Rundfunks interessierte mich überhaupt nicht, dazu gab es aber zahlreiche Veranstaltungen.
Gegen 19:00 Uhr ging die Sonne unter und ein wunderschöner, ruhiger Seetag ging dem Ende zu. Pool - Abendessen - Bar - zunehmenden Mond schauen - Nachtruhe.

Das Meer. Schon wieder das Meer. Ich kann mich daran nicht sattsehen. Wir sahen übrigens auf hoher See exakt kein einziges anderes Schiff. Das war auf der vielbefahrenen Ostsee anders.

Der Autor auf dem Lido-Deck. Rechts am Tisch sitzen die BR-Chefs.

Sonnenuntergang hinter Wolken.

Ja, der Mond nimmt auf der Südhalbkugel andersrum zu als bei uns. Hatte ich vorher nicht gewußt, aber ein bißchen Nachdenken hätte einem schon weitergeholfen. Wie die Sonnenuhren. Die gehen nämlich auf der Südhalbkugel... genau, seitenverkehrt.

Das Kamerateam des Bayerischen Rundfunks will den Sonnenuntergang aufnehmen, kam aber - zu spät.
Mein Gott, mehr als 2.500 Kilometer Wasserweg am Stück liegen vor uns, das ist ja schon eine halbe Atlantiküberquerung. Mein bisheriger Rekord steht bei knapp 1.800 Kilometern, das war die Strecke von Nordisland nach Spitzbergen.
Was macht man nun die ganze Zeit auf so einem Schiff? Nun, erst einmal gibt es ja die Mahlzeiten. Wir haben, so oft es ging, immer schön in aller Ruhe ein ausführliches Frühstück genossen. Selten im Restaurant, meistens im Überseeclub. Es gab für mich meist Fruchtquark mit Backpflaumen, vom Eierkoch ein feines Rührei mit Speck, Omelette oder Spiegelei, ein frisches Brötchen mit Käse/Salami und als krönenden Abschluß holte ich mir frisch vom Carver geschnippelte Mangos, Papayas, Ananas und Melonen. Der kostenlose Frühstückssekt, ein Alleinstellungsmerkmal des Schiffs, wurde ignoriert. Zum Trinken gab es immer Tee/Kaffee und tropische Säfte.
Normalerweise frühstücke ich gar nicht oder eben eine halbe Scheibe Toast. Insofern ist meine Essenswahl schon außergewöhnlich. Dank solchen Frühstücks fiel es nicht schwer, das Mittagessen auszulassen, was wir dann auch oft taten. Das nachmittägliche Kuchenbuffet, von allen Mitreisenden hochgelobt, habe ich nicht ein einziges Mal in Anspruch genommen. Abendbrot gab es immer recht spät gegen 20:00 Uhr. Das war insofern nicht schlimm, als wir ja Richtung Osten fuhren und jeden Tag die Uhr eine Stunde vorstellten. Für ewig Hungrige trugen die Kellner nach 23:00 Uhr immer noch diverse Leckereien wie Hühnchenteile, überbackenen Käse, Toast usw. durch die Gemeinschaftsräume.
Trotz aller beschriebenen Verlockungen, habe ich mein vorhandenes (Über-)gewicht gehalten oder gar ein wenig reduziert. Darauf bin ich beinahe stolz.
Doch nun zum heutigen Tag.
Wir wollten uns in der Lounge über die bevorstehenden Inseln und die Ausflugsangebote informieren. Vorher war die Vorstellung der neuen Besatzung, in Durban hatten wir einen neuen Kapitän und Kreuzfahrtleiter u.a. an Bord genommen.
Was dann folgte, war ein Trauerspiel. In Durban waren nämlich auch 100 Leute des BR-Vitalteams zugestiegen. Der Bayerische Rundfunk bietet wohl den Hörern des 1. Programms seit einigen Jahren sogenannte Vitalreisen (PDF des BR) an. Die Idee dazu hatte und die Leitung obliegt Herrn Gaitanides, von allen liebevoll Toto genannt.
Diese stellten sich und ihr Programm nun ebenfalls vor. Diese Vorstellung geriet zur Farce.
Man stelle sich nur vor: viele Mitreisende sind jahrelange Stammgäste. Nun kommen irgendwelche Neulinge an und wollen die Regie des Tagesablaufes an sich reißen. Dazu peinliche Selbstbeweihräucherung, dummes Geschwätz (Bsp. es wird ein neues Radioprogramm auf die Beine gestellt; Zielgruppe: Menschen, die 55 - 110 Jahre alt sind; empfangbar ausschließlich über Livestream via Internet, digitales Kabel oder DAB, das Radio der Zukunft...) und Geduze und die Vorstellung nahm kein Ende, dabei wollten wir doch nur Infos über Reunion und Mauritius erhalten!
Leider war die Hoteldirektorin schon gegangen, sie hätte die Situation unter Kontrolle bringen können. So verließen viele Gäste (wir eingeschlossen), von den "Bayern" als "übrige Mitreisende" oder "die anderen Passagiere" bezeichnet, erzürnt diese Veranstaltung. Ja, das war von allen Seiten äußerst ungeschickt, das hätte man besser regeln können. Doch dazu später etwas mehr.
Viel mehr passierte heute an Bord gar nicht. Draußen schien die Sonne, es waren um die 30 Grad, es wehte ein kräftiger Seewind, das Meer wogte vor sich hin. Wir erholten uns auf den hinteren Decks, knüpften nette Kontakte, führten schöne Gespräche, werteten die letzten Ausflüge aus und ließen es uns gut gehen. Und natürlich wurde auch im Innenpool gebadet. Abends war dann Captain's Dinner, also gab es noch feineres Essen in festlicher Stimmung. Danach trafen wir uns noch in der Hansebar, wo der Tag mit einem Gin Tonic ausgeläutet wurde. Doch am schönsten war wieder zum Schluß auf dem obersten Deck zu stehen und den mittlerweile fast vollen Mond und die zahllosen, grell funkelnden südlichen Sterne inmitten der hier besonders riesig wirkenden Milchstraße zu bewundern.


