Ich weilte die letzten Tage (daher die Blogleere) u.a. auf
– einem 70. Geburtstag (der in drei Etappen gefeiert wurde)
– einem 65. Geburtstag (diesmal in fünf Etappen)
– einen 20. Geburtstag (einfach) und
– einem 50. Geburtstag (von dem komme ich gerade und fahre morgen nochmal hin)
Aber wenn mal wieder Ruhe einkehrt, gibt es wieder mehr an dieser Stelle zu lesen. Zum Beispiel über roten Saffian…
… Personalausweis wurde heute durch einen nigelnagelneuen Schäublekompatiblen ersetzt. Jetzt muß auch leider mein Reisepaß erneuert werden. Dann bin ich endlich 100% gläsern.
… sah ich an der Kasse eine Person, die so perfekt ins Klischee paßte, daß ich jetzt noch bedauere, keinen Photoapparat dabeigehabt zu haben.
An der Kasse stand nämlich ein stark übergewichtiger (also locker das Doppelte von mir), junger Mann, der einen übernächtigten und ungepflegten und abwesenden Eindruck machte. Und was hielt er in den Händen? Richtig, ein Telespiel.
… unbegreiflichen Bedarf und Verschleiß an Schuhen. Wir Männer können da nicht konkurrieren. Was wir aber im Gegesatz zu den Damen deutlich mehr in Mitleidenschaft ziehen und daher öfter ersetzen müssen, das sind unsere Brieftaschen, Geldbeutel und Börsen. Denn eine Frau wird sie selten hinten rechts in der verschwitzten Jeans mit sich rumtragen und sie mit dem Hintern breitsitzen.
Nun hatte also meine Brieftasche langsam aber sicher zu erkennen gegeben, daß sie am Ende sei. Erst ging ein Reißverschluß kaputt, dann löste sich die Gaze ab, so daß ich schon mehrfach den dadurch herausrutschenden Personalausweis vom Boden aufklauben mußte und letztendlich rutschten die Münzen durch ein aufgeriebenes Loch in die Freiheit. Also wurde es gestern Zeit, sich eine neue Brieftasche zu kaufen. Die schlechte Nachricht: gute Brieftaschen sind schweineteuer. Die gute Nachricht: beim Umräumen entdeckte ich in meiner ollen Börse einen vergessenen 100-Euro-Schein. Den hatte ich dort an versteckter Stelle im Januar für meinen Berlinbesuch plaziert, falls ich überfallen werde oder mein Bares verzocke und dann ein Taxi… oder…, naja, um was man sich als Provinzler halt sorgt, wenn man in die Großstadt fährt.
Während ich im Geschäft noch meine neue Brieftasche aussuchte, fragte eine Dame die Verkäuferin, ob in den Rucksack eine Wasserflasche passe und ob eine Flasche zum Probieren vorhanden sei.
Ich war einigermaßen perplex. Der Rucksack war durchaus geeignet, mehr als eine Flasche zu beherbergen. Und die Dame hatte aus dem benachbarten Supermarkt ihren Einkaufswagen mitgebracht, in dem auf den ersten Blick ein Dutzend Mineralwasserflaschen ruhten. Doch die hatten wohl die flasche Größe, es ging um eine konkrete Sorte Wasserflasche.
Nach einigem Hin und Her einigten sich die beiden Frauen darauf, daß die Kundin den Einkaufswagen stehen lassen würde, um im Supermarkt DIE Musterflasche zu kaufen. Wie ich oben schon schrieb, hätte aber in den Rucksack jede handelsübliche Flasche bis 2 Liter Fassungsvermögen hineingepaßt.
Abgesehen davon finde ich es schon beinahe bedenklich, daß sich wohlsituierte und elegant gekleidete Damen mit kleinen Rucksäcken ausstatten, um dort Wasserflaschen spazierenzutragen.
Man kann an dieser Unsitte übrigens perfekt im Ausland deutsche Urlauber erkennen. Wenn man also in London, Rom oder einer sonstigen Stadt in der zivilisierten Welt, in der es alle fünf Meter Kioske, Automaten, Verkaufsstände, Buden, fliegende Händler, Supermärkte, Kneipen, Restaurants und Trinkwasserbrunnen befinden, eine erwachsene Person sieht, die einen lächerlichen Rucksack auf dem Rücken trägt, aus dessen Außennetz oder Reißverschluß eine überdimensionierte Mineralwasserflasche lugt, dann kann man dieser, meist weibliche, Person mit „Guten Tag“ einen passenden Gruß entbieten.
Seitdem man in irgendwelchen Frauenzeitungen lesen kann, daß der Körper nonstop und ständig Wasser haben muß, welches man im 10-Minutentakt in sich reinzusüffeln habe, befolgen Heerscharen von Deutschen diese unsinnigen Tips und laufen halt die ein, zwei Stunden, die man zum Spazierengehen in einer Stadt Zeit hat, mit einem hinderlichen Rucksack rum, nur um die blöde Wasserflasche dabeizuhaben. Daß man auch mal ein paar Minuten ohne Wassertrinken überleben kann oder im seltenen Bedarfsfall sich auch ohne Mühe vor Ort mit einem Durstlöscher versorgen kann; auf diese Idee kommen viele Menschen nicht mehr. Daß eine Reisegruppe sich aber nur noch sehr mühsam durch eine Touristenhochburg bewegen kann, weil ständig zig Personen pinkeln müssen, daß wird problemlos toleriert. Auch in meinen Vorlesungen fällt das auf. Erstens steht vor fast jeder Kommilitonin/jedem Kommilitonen eine Flasche mit Wasser. Und zweitens geht spätestens 20 Minuten nach Vorlesungsbeginn der Toilettentourismus los. Ich wundere mich mittlerweile, wie die üblichen Verdächtigen es schaffen, während der Klausuren, die ja auch mal drei Stunden dauern können, nicht gehen zu müssen.
Insgesamt gesehen ein großflächiger Sieg einer raffinierten Mineralwasserindustrie.
… hörte ich heute auf der Fahrt zum Kunden nicht CD sondern Radio im Auto. So teilte mir der zufällig angewählte Sender HR1 mit, daß heute die Raumfähre Buran den Rhein hinaufschippert. Also flugs TheKaiser angerufen und ins Mittelrheintal gefahren. Und tatsächlich – gegenüber Trechtingshausen entdeckten wir nebst vielen anderen Schaulustigen aus nächster Nähe das Geschoß.
Dort entstanden die meisten der meinigen Bilder. Nach der Passage des Buran setzten wir mit der Fähre nach Trechtingshausen über, um uns mit meinen dort wohnendem Freund und treuen BlogRuZ-Leser Heinz zu treffen. Dieser führte uns auf mehr als abenteuerlichen Pfaden auf einen Fahradweg am Rhein, wo wir leider nur noch in den Genuß des Hinterns der Raumfähre kamen. Aber Heinz machte noch Bilder von Bingerbrück aus, die man hier bewundern. Und TheKaiser höchstpersönlich hatte das Raumfährenfieber gepackt, liefert er uns doch unter noch Bilder des Buran gesehen von der Mainzer Eisenbahnbrücke.
…heute Katie Melua in Stuttgart spielt und daß ich heute beruflich dort zu tun habe, dann hätte ich mir sicher eine Karte für das Konzert besorgt.
So hatte ich heute nur das Vergnügen, 400 Kilometer bei strömenden Regen an mindestens 20 Baustellen und durch 4 Staus durchs Land zu gurken. Aber die Arbeit klappte prima.
Heute Mittag kam ich spontan auf die Idee, den RoadRunnR nach Hause zu fahren, da er sonst eine Stunde auf dem zugigen Bahnhof hätte warten müssen.
Einer der fadenscheinigen Gründe, warum ich dies tat war „mal rauszukommen, um was zu erleben“.
Wenige Minuten später erlebten wir in der Tat „was„.
Darmstadt (ots) – Am heutigen Sonntag kam es in der Zeit von 11.30 – 13.30 Uhr auf den Autobahnen A 5 / A 67 rund um das Darmstädter Kreuz zu insgesamt 25 Verkehrsunfällen, wobei 2 Personen verletzt wurden.
Angefangen hat die Unfallserie auf der BAB A 5 in Höhe der Raststätte Gräfenhausen, wo zunächst in Fahrtrichtung Süden 6 Fahrzeuge und in Fahrtrichtung Norden 4 Fahrzeuge beteilgt waren.
Bei den restlichen Unfällen waren die Fahrzeuge alleinbeteiligt, zumeist Abkommen von der Fahrbahn aufgrund der Glätte in Kurvenbereichen.
Angaben zum entstandenen Sachschaden können zur Zeit noch nicht gemacht werden.
Ab 11.30 Uhr zog zunächst ein Eisregen, später Schnee- und Hagelschauer über hiesiges Gebiet.
Das können wir alles bestätigen. Am Autobahnkreuz lagen ein Dutzend oder mehr Autos links und rechts der Piste. Mehrere Abschleppwagen hatten schon Wracks huckepack genommen. Komischerweise kamen wir völlig störungsfrei durch. Auf der Gegenfahrbahn staute es sich durch Gaffer mehrere Kilometer.
Ich schlich mich (auf meinen Sommerreifen) wieder nach Hause, wo mich strahlender Sonnenschein bei 6 Grad begrüßte. In Darmstadt waren es um die Null Grad und die Straßen waren schneebedeckt.
…das war der Tierschutzverein Rüsselsheim. Der stand bei uns im Ort und sammelte Spenden für die Tiere. Das kann er ja gerne machen. Aber das Bild, welches das Werbeplakat, den Stand und die Broschüre zierte, dieses Bild ärgerte mich. Es zeigt in Großaufnahme eine Frau, die einem Bernhardiner die Wange präsentiert, die dieser begeistert abschleckt.
Nicht die Vermenschlichung stört mich an diesem Foto. Nein, es sanktioniert eine Unsitte, durch die diverse Krankheiten wie bspw. der Hundebandwurm übertragen werden können. Das sagte ich auch der um Geld bittenden Dame am Stand, die aber damit offensichtlich überfordert war.
Da fühlte ich mich gleich an eine Szene erinnert, die sich vor über 10 Jahrn in Marburg abspielte. Dort bat man meinen Freund Gerd und mich um eine Unterschrift gegen Tierversuche. Gerd, Typ-1-Diabetiker seit seinem 2. Lebensjahr, meinte darauf: „Ohne Tierversuche wäre ich heute nicht mehr am Leben.“ Auch das gab nette lange Gesichter bei den bunthaarigen StandbetreiberInnen.
Und Montag rufe ich endlich mal bei den EWR an und verlange, daß mein Strommix auf 100% Atomstrom umgestellt wird.
Vorgestern und gestern hatte ich nochmals bei meinem Kunden zu tun. Wenn das Kapitel nächste Woche abgeschlossen, gibt es dazu mehr.
Jetzt erst einmal zwei Sachen, die mir im Umgang mit den Kindern des Kunden auffielen.
Der Kleine (2. Klasse?) fragte mich, wieso ich immer Rechner zum Computer sagen würde. Der heiße doch Computer und was sei ein Rechner? Tja, so verschieben sich Begriffe.
Im Erdkundebuch des Großen (7. Klasse) blätterte ich die ersten drei Seiten Text (es erinnerte mehr an ein Bilderbuch) durch und fand augenblicklich diese Fehler:
1. Die Lichtgeschwindigkeit beträgt 300.000 km/s. Kein Hinweis darauf, daß dies ein Näherungswert ist. Aber egal, damit kann ich leben.
2. Pluto wurde als Planet geführt. Auch kein Beinbruch, aber bei einem nagelneuen Schulbuch (Redaktionsschluß 30.05.2007, also mehr als ein halbes Jahr nach der „Rückstufung“ durch die IAU) hätte das eingearbeitet werden können. Bei der unseeligen Rechtschreibreform schafften es die Verlage ja auch problemlos.
3. Nikolaus Kopernikus wurde als polnischer Wissenschaftler und Geistiger bezeichnet. Bei aller politischen Korrektheit und Vergangenheitsverdrängung; das geht so nicht, das ist nämlich schlichtweg einseitig und unvollständig.
Dazu ein schönes Zitat aus der deutschen Wikipedia.
Deutsche Aspekte
* Seine Mutter war deutscher Abstammung.
* Er wuchs in der Stadt Thorn auf, die damals eine deutsche Bevölkerungsmehrheit hatte.
* Es gibt keine erhaltenen schriftlichen Nachweise (außer einiger Namensregister, wo Kopernikus polnische Bürgernamen fehlerlos aufschrieb), dass er der polnischen Sprache wirklich mächtig war.
* All seine Publikationen sind in deutscher und lateinischer Sprache.
Polnische Aspekte
* Er wurde geboren und wirkte in Landesteilen, die dem Königreich Polen angehörten und war ein sehr loyaler Untertan des polnischen Königs.
* Er und seine Familie beschwerten sich beim polnischen König gegen die permanenten Übergriffe des Deutschen Ordens und in kriegerischen Ausseinandersetzungen kämpfte er gegen den Orden auf seiten Polens.
…
Fazit
Jeder Versuch, Kopernikus nur für eine der beiden Nationen zu beanspruchen, klammert wichtige Aspekte seiner Person aus.
Objektiv überwiegen sogar die deutschen Aspekte deutlich, aber das soll hier nicht interessieren. Mich erstaunte nur die Nachlässigkeit, mit der dieses Buch offensichtlich verfaßt wurde. Gibt es keine Lektoren mehr? Offensichtlich nicht, denn an der Bildung unserer Kinder muß man ja unter Beachtung aller wirtschaftlichen Aspekte sparen 😐
Seitdem ich meinen neuen Händitarif habe, kann ich das Ding echt nach meinem Gusto richtig intensiv nutzen. Wie mit mir der Netzversorger Geld verdienen soll, ist mir allerdings schleierhaft. Insofern vielen Dank an die PISA-Kinder, die hektisch hüpfendes Getier in Masse daunlohden.
