Bei den über 5 Millionen Arbeitslosen im Lande und bei diesen exorbitanten Spritpreisen frage ich mich ernsthaft, wieso ich heute gute zwei Stunden in Endlosstaus verplemperte.
Auch auf den Gegenfahrbahnen der A1, A45, A5 und A3 sah es keinen Deut besser aus.

Und wieso hängt dieses potthäßliche Bild in meinem Hotelzimmer?
Wer macht denn sowas und vor allem wieso macht jemand so etwas und wieso kauft jemand dann auch noch so etwas und mutet es seinen armen Hotelgästen zu?
Da sind mir die röhrenden Hische hundertmal lieber!
… weile ich heute. Erst war ich im wunderschönen Münster und nun sitze ich in Osnabrück. Beide Städte spielten eine gewichtige Rolle bei der Beendigung des brutalsten und verlustreichsten Krieges für das deutsche Volk.

Da war ich doch gestern im Media-Markt und entdecke, daß das Album „X & Y“ von Coldplay nur schlappe 3,90 EUR kostet. Freudestrahlend nehme ich ein Exemplar und begreife allmählich, weshalb es das „meistverkaufte Album aller Zeiten“ geworden ist. Günstiger Preis und weltweite Distribution, das verhalf 1983 schon Michael Jacksons „Thriller“ zu diesem Titel. Nicht, daß wir uns falsch verstehen; die angesprochenen Alben sind sehr gut und haben viele wunderbare Lieder, aber hier halfen dienstbare Geister durchaus mit zum Erfolg. Bei „Thriller“ war es der zeitnahe Abverkauf des Albums im gesamten Ostblock, ein absolutes Novum, denn normalerweise kamen Alben westlicher Künstler sehr verspätet (und in geringer Stückzahl) oder im Regelfall überhaupt nicht in die dortigen Läden. Und bei Coldplay versucht man den überraschenden Erfolg des Albums durch solche einmaligen Kampfpreise zu vergrößern.
Aber beim Gang zur Kasse sah ich gerade noch rechtzeitig den Hinweis, daß es sich bei der silbernen Scheibe um eine Un-CD handelt, dafür waren mir dann auch die 3,90 EUR doch zu schade, denn mein (recht hochwertiges) Abspielgerät hält sich recht streng an die Abspielnormen für eine Audio-CD, daß es bei solchen minderwertigen Scheiben regelmäßig den Dienst versagt.
Da mir dieses Album aber nunmal gefällt, werde ich mir eben die, Gott sei Dank ebenfalls erhältliche, LP kaufen. Selbiges gilt übrigens ebenso für Depeche Modes letztes Album „Playing The Angel“.
Dann ist in meiner kleinen CD-Sammlung nur noch Grönemeyers „Mensch“ mit (nicht funktionierendem) Abspielschutz versehen.
Nachdem seit Mittwoch alle Medien überrascht entdeckten, daß die heile Multikultiwelt nicht ganz so heil ist, will ich nicht auch noch in das Horn stoßen. Leute, die mich kennen, wissen um meine Meinung.
Nein, ich erzähle zwimal kurz etwas zum Thema Auto:
*1
Es gibt eine lustige Szene in der Zeichentrickserie „The Simpsons“. In der Folge, in der Marge Polizistin wird, nimmt sie Homer fest, nachdem dieser sein Auto diagonal auf drei Behindertenparkplätze parkte.
Heute erlebte ich eine ähnliche Szene live und in Farbe. Vor dem Kwik-E-Mart, erm Supermarkt. Eine nicht mehr ganz jugendliche Blondine stellte mit jugendlichem Elan und völlig unbeeindruckt von allen entsetzt starrenden Zuschauern ihr Porsche-Cabriolet diagonal über zwei (für drei war das Auto zu klein) Behindertenparkplätze ab und ging einen Wagen holen. Schade, daß ich keinen Fotoapparat dabeihatte.
*2
Ja, schade, daß ich den Apparat vergaß. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, ihn einzupacken. Schließlich wollte ich die von meinem Auto heute Mittag erreichten 111.111 Kilometer auf dem Tachometer dokumentieren.
So kann ich nur schriftlich bestätigen, daß sie mittlerweile erreicht und überschritten sind.
Diese Zahlenfolge sah ich nun bereits das vierte Mal auf einem Tacho.
Vorsicht, alter Mann erinnert sich, bitte wegklicken ;-).
Das erste Mal war es 1991. Da fuhr ich einem gebrauchten Lada 1300 mit Zusatztank. 160 brachte der auf der Piste, aber schluckte dabei auch unbeeindruckt so 16 Liter verbleiten Super. Deshalb auch der Zusatztank, der das Tankvolumen von 40 auf 85 Liter erhöhte. EIn TÜV hätte das Ding nie sehen dürfen. Die Sauferei der Karre, die nicht abstellbare (aber sehr gut funktionierende) Heizung und seine Umweltschädlichkeit trugen dazu bei, daß ich 1993 auf einen Golf II wechselte.
Dieser Diesel verbrauchte nur noch 5 Liter und begleitete mich von 100.000 km (beim Kauf) bis 265.000 Kilometer durch die Republik. So erblickte ich das zweite Mal 111.111.
1998 konnte ich mir mein erstes „richtiges“ Auto leisten, ein wunderschöner, dunkelgrüner 90PS Golf III, der super ausgestattet war, super lief (190 km/h – kein Problem) und wenig verbrauchte. Dem Wagen trauere ich heute noch ein bißchen hinterher. Zwei Jahre alt war er, als ich ihn erwarb und hatte 45.000 Kilometer auf dem Tacho. Ende 1999 war es dann soweit, 111.111 Kilometer standen auf der Anzeige.
Von 2000 bis 2002 fuhr ich dann einen Jahreswagen, einen VW Bora. Dieses Auto verkaufte ich mit 99.850 Kilometern und erwarb meinen ersten Neuwagen, den Passat, den ich bis heute fahre und der heute 111.111 Kilometer alt wurde.
Ja, und woher kommt das vierte Mal? Da saß ich 2000 bei einem Kollegen im Audi und der hatte die Schnapszahl in der Anzeige.
* es gibt neue Verkehrszeichen für Tunnel – toll, damit kann ich leben.
* alle Tunnel müssen mit Licht befahren werden – mach ich sowieso, außerdem kommt bestimmt das überflüssige Tageslichtfahrgebot, dann hat sich das wieder erledigt
* an Nothaltebuchten darf man nur noch im Notfall halten – Ach?!?
* Motorräder müssen einer Abgasuntersuchung unterzogen werden – betrifft mich zwar nicht, aber dennoch ein paar Worte dazu. Wie soll das bitte geschehen? Ich weiß, daß ein Motorradauspuff sehr heiß werden kann, wie will man da einen Schlacuh befestigen? Naja egal, Glückwunsch an die TÜV-ASU-Werkstatt-ADAC-Lobby, die jetzt wieder eine sichere, wenn auch fragwürdige Geldquelle hat.
* Drängeln wird noch teurer. Bei mehr als 101 km/h und nur noch 15 Meter Abstand zum Vordermann gibt es drei Punkte, 100 Euronen Abzug und 4 Wochen Fahrt mit Bus und Bahn. Bei üblerem Gedrängel kostet es jetzt 250 Euronen und man kann sich gleich drei Monatskarten im Verkehrsverbund kaufen. – Auweia, da muß ich in Zukunft aber aufpassen, dieses Gesetzt wurde für Leute wie mich gemacht. Naja, Tempomaten existieren und ich habe noch dutzenden Hörspielen/Hörbüchern in Ruhe zu lauschen.
* schärfere Ahndungen beim Überqueren geschlossener Schranken für KFz und Passanten – betrifft mich nicht, wenn eine Schranke unten ist, bleibe ich stehen, basta. Denn auch die dürrste Lok merkt nicht einmal, wenn sie mich zermalmt.
* bei winterlichen Straßenverhältnissen darf man nur noch mit ‚angemessener Ausrüstung‘ fahren. Ansonsten kostet es 40 EUR und die Versiucherung zickt – tolle Wurst, betrifft mich auch nicht und die ewig Lernresistenten kann man mit dem Betrag auch nicht schrecken.
Alles geklärt! Ich hatte mit den Nachbarn einen Kuhhandel gemacht und das schlichtweg vergessen. Nun ist die Welt wieder in Ordnung.

Nicht die Geschwindigkeit ist interessant, sondern das Durchschnittstempo von 165 km/h, das der Bordrechner vermeldet.
Eine völlig leere und freigegebene A63, tolles Wetter und eine schnurrende Maschine machten diesen irren Durchschnitt möglich. Ist heutzutage eine echte Rarität.
Wieso war ich unterwegs? Nun, ich holte in Winnweiler (ca. 50 km von mir direkt an der Autobahn) mein am Wochenende ersteigertes Schlepptop ab.
Dieses harrt nun des Kaisers bzw. Elzoidos, damit diese ein gescheites Linux draufbasteln.

Was ich schon geraume Zeit befürchtete ist nun eingetreten. Stanislaw Lem ist heute im gesegneten Alter von 84 Jahren gestorben.
Jeder, der mich kennt, sollte wissen, wie nahe mir diese Nachricht geht. Deshalb auch an dieser Stelle der Versuch eines Nachrufes.
Stanislaw Lem war, meiner Meinung nach, der letzte Universalwissenschaftler und der letzte gesamtheitlich denkende Mensch des Abendlandes.
Es kann, der heutigen Zeit geschuldet, nie wieder einen so durchgeistigten Menschen geben. Stanislaw Lem war in allen relevanten Naturwissenschaften zu Hause, war Kybernetiker, als noch niemand wußte, was das überhaupt ist, war Philosoph ebenso wie Theologe, war Mediziner von Beruf und natürlich literarisch hochbegabt, auch wenn er nicht die kurze Schärfe und Brillianz eines Jorge Luis Borges erreichen konnte.
Wo alle selbsternannten Koryphäen und auch Nobelpreisträger mit ihren Zukunftsprognosen immer völlig danebenlagen, prognostizierte Stanislaw Lem aus dem miefigen, von der Außenwelt abgesperrten kommunistischen Polen in den 1950er und 1960er Jahren Trends, Tendenzen und Zukunftsszenarien, die erschreckend detailliert und erschreckend genau, schon lange Wirklichkeit wurden oder doch bald werden.
Die Themen, mit denen sein Leben unmittelbar in Berührung kam, seine Herkunft, sein Medizinstudium und das Erleben der deutschen Besatzung in einem Warschauer Ghetto, wurden alle sorgsam in vielen Werken verarbeitet. Aber niemals wurde ein Zeigefinger erhoben, das machte mir den Autor schon als Kind symphatisch.
Mit der Information als wahre Revolution in der Wirtschaft und im Denken beschäftigte sich Stanislaw Lem zu einer Zeit, als der erste Sputnik die Erde noch nicht verlassen hatte.
Dieses Thema beschäftigte ihn auch noch im hohen Alter, man lese nur seine Essays bei Telepolis.
Ich habe die Bücher Lems von Kindheit an geliebt. Der Hauptgrund war wohl, daß außer mir niemand in meinem Alter damit etwas anfangen konnte und daß ich, bei Reflexionen über Buchinhalte, spüren konnte, daß meine Eltern mich immer mehr ernst nahmen.
Mit 14 Jahren hatte ich die Bibliothek ausgelesen und wagte mich an seine Werke, die nun nichts mehr mit Science-Fiction zu tun hatten. Durch die beiden Bände der „Philosophie des Zufalls“ kämpfte ich mich mit danebenliegenden Lexika und Lateinwörterbuch durch, verstand nur Bruchteile, verfluchte den Autor und las es nochmals. Irgendwann lüfteten sich die Nebel und ich erblickte einen klaren Gedankenhorizont. Das war vor dem Abitur das erste Mal, daß ich merkte, daß Wissen schön sein kann.
Ja, ich verdanke auch Herrn Lem, daß ich das wurde, was ich heute bin.
Und nicht zuletzt schafften seine Bücher es auch, mir die lange Armeezeit zu verkürzen und meinen Geist in dieser öden Zeit wach zu halten.
Meine beiden Lieblingsbücher, ich besitze sein Gesamtwerk, sind „Transfer“ und „das Fiasko“.
„Transfer“, ein schmales Büchlein, habe ich mindestens 30x gelesen und war jedesmal aufs Neue von den humanen und weitreichenden Gedanken fasziniert. Vielleicht mag ich das Bändchen ja auch deshalb, weil es das einzige Buch Lems ist, welches sich „richtig“ um das Thema Liebe und Frauen kümmert. Der wahre Grund wird aber sein, daß es das einzige Buch Lems ist, bei dem eine Stelle vorkommt, bei der ich immer, aber wirklich immer, verstohlen Tränen aus den Augenwinkeln wische.
Ich meine die Stelle, an der der Held der Geschichte mit dem Enkel eines Ingenieurs redet, der beim Raumschiffbau vor über 100 Jahren mit dabei war.
Er erinnerte sich an ein Vorschulkind und ihm gegenüber saß ein mittlerweile 130jähriger mumienhafter Greis. Der Moment, in dem der alte Mann davonschlurft, läßt mich immer wieder schaudern. Wer das Büchlein nicht kennt -> Lesebefehl
Im „Fiasko“ hingegen faszinieren mich bis heute ungebrochen am meisten die brillianten Gedanken, die sich der Meister, ein jüdischer Pole, um die Zukunft der katholischen Kirche machte. Da ist das eigentliche Thema des Buches, die reelle Kontaktaufnahem mit einer unirdischen Zivilisation, fast schon zweitrangig für mich.
Doch auch von seinen anderen Werken möchte ich nicht auf ein einziges verzichten. Sie sind mir alle wertvoller denn je und aus traurigem Anlaß werde ich sie wieder einmal zu Hand nehmen.
Letztes Jahr ahnte ich schon Schlimmes, als ich erfuhr, daß Stanislaw Lem fast taub war und sein Sohn mitteilte, daß es um die Gesundheit seines Vaters schlecht stehe.
Nun ist er von uns gegangen, zornig sicherlich, daß er nicht noch einiges bewegen konnte, und er bewegte Vieles, aber sicher auch glücklich darüber, nicht mehr erleben zu müssen, was er schon vor 50 Jahren prophezeite und was sich jetzt mit Klongeschichten, Big-Brother-Shows, dem Mobilfunk- und Jugendwahn, schönheitschirurgischen Schnippeleien, DRM und TCPA-Geschichten langsam am Horizont zu einem Moloch zu formen beginnt.
Leider begegnete ich Stanislaw Lem nie persönlich. Dieser langjährige Wunsch ist nun unerfüllbar geworden.
Ruhen Sie in Frieden. Ich werde immer Ihrer gedenken!
In Ihren Werken leben Sie weiter.

Endlich! Herr Dr. Böhr, Verlierer verzieht sich zurück aus der Politik, wurde auch Zeit.
Einzig interessantes Ergebnis ist die miese Wahlbeteiligung. Jeder zweite Bürger straft die selbstzufriedenen Politiker durch Nichtachtung.
Aber im Siegestaumel und Geldrausch interessiert das eh keinen Parteikarrieristen.