Mittwoch, 02.08.2006 – Nordkap und Honningsvag
Satte 570 Seemeilen (1055 Kilometer) hat die Arielle seit Ny Alesund stramm Richtung Süden (naja, Südsüdost) zurückgelegt. Als wir gegen 20:30 Uhr das Nordkap von der Seeseite her bestaunen, wird uns erst einmal klar, in welcher Einöde und in welche fernem Punkt wir uns noch gestern befunden haben. Unser Schiff läuft im Hafen von Honningsvag ein und ich kann das „richtige“ Norwegen auf der Liste besuchter Länder der Erde abhaken.

Per Bus geht es auf abenteuerlichen, aber super ausgebauten Serpentinenstraßen zum Nordkap. Wir sehen sehr viele Rentiere, die einfach so frei in der Gegend herumstehen und grasen. Bei einem Kurzhalt dürfen wir auch einen echten Ureinwohner nebst Zelt und Rentier bestaunen. Da ich Depp meine Brieftasche in der Kabine liegenließ, kann ich kein Souvenir kaufen. Dabei hätte sich der Brieföffner aus Rentierhorn gut in meiner Wohnung gemacht.
Unser Bus fährt mutterseelenallein weiter gen Nordkap. Gegen Mitternacht sehen wir auf einmal wie aus dem Boden gestampft Gebäude und riesige Parkplatzflächen, die zu meinem großen Erstaunen proppevoll sind. Kennzeichen aller europäischen Länder sind zu sehen. Man sieht Fußgänger, Radfahrer, Wohnmobile, PKWs und Busse in stattlicher Anzahl. Dabei waren wir doch vor zwei Minuten noch ganz alleine und auf unserer Straße tummelten sich Rentiere. Nun gut. Unsere Straße endet eben in Honningsvag und danach geht es schlicht und ergreifend nicht weiter.
Wir haben übrigens das erste Mal seit vier Tagen so etwas Ähnliches wie Dämmerung, denn am Nordkap geht die Sonne um 23:37 Uhr unter, um 01:19 Uhr wieder aufzugehen. So richtig dunkel kann es da freilich nicht werden. Mit zahllosen anderen Besuchern schauen wir gen Norden, wo wir in 1.000 Kilometern Entfernung nun Svalbard wissen, bewundern den Globus und die geographischen Angaben, erfahren einiges über die Natur und die Geschichte. Zweifelloser Höhepunkt ist der Besuch eines 220-Grad-Panoramakinos, in dem uns ein eindrucksvoller Film über Spitzbergen und seine Flora und Fauna gezeigt wird. Leider ist unser Aufenthalt zeitlich sehr beschränkt. Doch beim Einsteigen in die Busse zieht urplötzlich dicker Nebel auf, so daß man sowieso nichts mehr sehen kann und ich nur staunen kann, daß wir unser Schiff tatsächlich wiederfinden.
Gegen 2:00 Uhr betreten wir wieder das Schiff und ab geht es ins Bett.

Unsere tägliche, kleine Freude: die Kellner geben ein Ständchen mit Zugabe. Auf dem Bild sieht man den Gesangsmeister mit Strohhut.

Blick auf das Nordkap vom Schiff aus.

Superverwackeltes Bild eines Lappen mit seinem Rentier.

Öltanks in Honningsvag. Sieht zwar nicht schön aus, aber wo sonst soll man an diesen Steilen und schroffen Küstenlinien Platz für Zivilisationsgüter haben?

Zwar nicht scharf, aber aussagekräftig: solche Buskolonnen begrüßen uns meistens bei der Landung am Kai. Busunternehmer (und Fremdenführer) müssen Kreuzfahrtschiffe abgöttisch lieben.

Blick vom Nordkap in Richtung Nordwest.
Dienstag, 01.08.2006 – Ny Alesund/Spitzbergen und Passage des Hornsund-Fjords

Karte von Svalbard.
Heute stehe ich extra etwas zeitiger auf, denn schon 8:00 Uhr sollen wir in Ny Alesund anlegen. Der nördlichste Punkt unserer Reise ist damit erreicht. Von Nordisland aus haben wir 961 Seemeilen (1779 Kilometer) zurückgelegt. Eigentlich sollten wir ja nach dem Besuch Ny Alesunds noch bis zur Packeiszone gen Norden fahren, doch leider wurde, trotz großem Protests vieler Passagiere, genau dieser Punkt von unserer Reise gestrichen. Wir erinnern uns, daß das Schiff wegen eines Motorschadens mit einem Tag Verspätung zu dieser Fahrt startete. Insofern muß natürlich auch ein Ausflugsziel gestrichen werden. Nun waren viele extra wegen des Besuchs des Eismeeres, wegen Eisschollen, wegen Eisbären usw. diese Tour gebucht und genau dieser Punkt wurde gestrichen. Aber irgendwie konnte der Veranstalter ja nur verlieren, denn eine gute Lösung des Problems gab es sowieso nicht. Naja, und wenn man schon nur einen Tag auf Spitzbergen weilt, dann wenigstens mitnehmen, was man mitnehmen kann. Das Wetter ist sonnig. Draußen sind 3 Grad und es bläst ein kräftiger Wind. Kaum ist die Reeling heruntergelassen, gehen wir von Bord und setzen den Boden auf eine der nördlichsten Siedlungen der Welt. Im Winter überdauern 30 bedauernswerte Einsame in ewiger Dunkelheit auf diesem trostlosen Flecken Erde und im Sommer sind es immerhin 120 Menschen, die sich um die 1.000 Touris kümmern, die irgendwelche Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge hierherbringen. Wir halten uns abseits der Massen und wandern lange auf ausgewiesenen Pfaden über die Insel.
Trotz langer Unterhosen und dicker Jeans friere ich an den Waden, so stark pustet der Wind in Bodennähe. Das Leben kann hier auf Dauer keinen Spaß machen. Trotzdem erspähen wir einige Algen und Flechten und ab und zu sogar ein kümmerliches Moospflänzchen. Immerhin ist es ja mitten im Hochsommer. Einige Vögel sehen uns mißtrauisch an. Sie brüten auf purem nackten Geröll. Material zum Nestbauen gibt es schlichtweg nicht. In der Nähe der Wohnungen streunen einige Polarfüchse herum und beobachten uns aus sicherer Ferne. Trotz strahlendem Sonnenschein ist es saukalt, vor allem durch den heftigen, böigen Wind.
An den Bauten erkennt man, das hier die Natur gnadenlos ist. Alles ist farblos, gekrümmt, an die Erde gedrückt und von den Naturgewalten gebeutelt. Daß hier dennoch Kohle abgebaut wurde, nötigt einem Respekt ab, aber man bedauert automatisch die Menschen, die das machen mußten.
Heute ist auch Tag der Superlative, wir sehen also die nördlichste Siedlung der Welt, die dauernd bewohnt ist, das nördlichste Hotel der Welt und das nördlichste Postamt der Welt, in dem hoffentlich alle meine Postkarten abgestempelt wurden. Ok, irgendwie ist hier alles am nördlichsten in der Welt, denn wenn man weiter gen Norden vorstößt, dann kommt da nur noch der Nordpol. Deshalb starteten ja im Mai 1926 auch Roald Amundsen und Umberto Nobile ihre legendäre Fahrt mit der Norge zum Nordpol von hier aus.
Am Amundsen-Denkmal mischen wir uns heimlich unter eine Gruppe amerikanischer Studenten, die per Flugzeug von Kanada aus hierherkamen. Ihr schwedischer Reiseführer erzählt sehr spannend und anschaulich, wie die Eroberung des Pols von statten ging. So wissen wir jetzt auch, daß am Grunde des Nordpols eine schwedische Münze liegt, die ein Expeditionsmitglied (der Funker) in Ermangelung seiner Landesfahne über der Stelle abwarf.
Die Warnungen vor angriffslustigen Eisbären, die wir bisher nur belächelt hatten, erhalten Gewicht durch die Ausrüstung der Touristenführer, die alle gut bewaffnet sind und auch sonst beeindruckend ausgestattet sind. Wir wundern uns, wo die norwegischen, amerikanischen und japanischen Touristengrüppchen herkommen, denn außer unserer Arielle liegt kein Schiff im Hafen. Später erfahren wir, daß sie per Motorschlitten vom nahegelegenen Flughafen Longyearbyen hierherkamen.
Obwohl keiner wieder an Bord möchte ist das doch vernünftiger, denn wir sind alle bis auf die Knochen durchfroren. 10:30 Uhr heißt es Leinen los und in gleißender Sonne verläßt unser Schiff diesen einsamen Ort. Da die Sonne scheint, ist das Wasser satt blau und die schneebedeckten Berge und die Gletscher glitzern. Man kann sich gar nicht sattsehen. Dennoch finden wir natürlich ein Stunde Zeit fürs Skatspiel. Das Abendbrot lassen wir diesmal ausfallen, denn die Passage des Fjords ist viel interessanter. Eisschollen trudeln vorbei, bis zu 30 Meter hohe Gletscher ergießen sich ins Meer und darüber thronen kohlrabenschwarze, kahle Bergkuppen. Unwirklich und unirdisch schön. Solche Bilder vergißt man sein Leben nicht, so etwas macht das Leben noch lebenswerter und das ist einer der Hauptgründe, warum ich solche Reisen mache.

Allgegenwärtiges Warnschild auf Ny Alesund. Gesehen haben wir aber keinen Einzigen.

Blick über den gesamten Ort Ny Alesund, im Hintergrund ankert unser Schiff.

Ein Gletscher ergießt sich ins Meer. Rechts vorne ist der Mast, an dem das Luftschiff Norge bei seiner Nordpolreise andockte.

Das GPS meldet seine nördlichsten Werte. Der Nordpol ist nur noch ein Etmal entfernt.

Sehr karge Landschaft in Ny Alesund.

Das Grün und Braun sind Flechten. Im Hintergrund ein Gletscher.

Suchbild: in diesem Bild sind mindestens zwei Polarfüchse und mehrere Vogelkolonien verborgen.

Der wohlausgerüstete Reiseführer am Denkmal von Amundsen. Man achte auf das Gewehr.

Das Heck der Arielle, dahinter die Küste Svalbards.

Im Hornsund-Fjord.

Ein schroffer Gipfel im Hornsund.

Nicht ganz so echter Eisbär im Hornsund-Fjord.
Montag, 31.07.2006 – Seetag
Viele mögen ja keine Seetage, da man zwangsläufig weniger (an Land) erleben kann. Ich hingegen liebe Seetage. Nun ist schon der zweite am Stück. So bekommt man wenigstens den Hauch des Eindrucks einer Seefahrt. Das Wetter hat sich kaum geändert, es sind um die 6 Grad und es ist überwiegend bedeckt. Das ist als einziges schade, denn so können wir die Mitternachtssonne nicht sehen.
An dieser Stelle erzähle ich einmal vom generellen Tagesablauf auf so einem Schiff. Prinzipiell gilt: der Gast ist König und kann tun und lassen, was er will. Außer bei der Seerettungsübung, die alle 14 Tage obligatorisch für alle ist, gibt es keine Pflicht, zu irgendetwas zu erscheinen. So kann man den ganzen Tag in der Kabine liegen und lesen und sich Essen und Trinken in die Kabine liefern lassen. Da das begreiflicherweise eher wenige so handhaben, gibt es aber auch noch einen definierten Tagesablauf. Größter Wert wird dabei aufs leibliche Wohl der Passagiere gelegt. War Seefahrt früher bezüglich des Essens eine Katastrophe (der Seemann der kocht, heißt nicht umsonst Smutje (kommt von Schmutz, Dreck) und Skorbut und Lebensmittelvergiftungen und Verdursten waren häufige Todesursachen), so ist auf einem Kreuzfahrtschiff alles anders. In seinen riesigen Bauch mit endlosen Kühlregalen und Tiefkühlschränken passen Tonnen um Tonnen frisches Obst, Gemüse, Fleisch, Getränke aller Art. In fast jedem Hafen werden die Vorräte um lokale Spezialitäten erweitert. Bestimmt mehr als 100 Konditoren, Bäcker, Soßenköche, Sommeliers, Barmixer, Zutatenköche, Suppenköche, Brater und eine Heerschar Kellner bemühen sich unter der Regie von Chef- Meister- und leitenden Kellnern und Köchen von 6:30 bis zum von der Witterung abhängigen offenen Ende ums leibliche Wohl von uns 1168 Passagieren.
Ab 06:30 gibt es für Frühaufsteher schon Kaffee und Croissants. Von 07:00 Uhr bis 10:00 Uhr kann man üppig frühstücken. Dazu wird alles geboten, was man sich als Mitteleuropäer (an Bord sind fast ausschließlich Schweizer, Österreicher und Deutsche) vorstellen kann.
Mittagessen gibt es von 12:00 Uhr bis 14:00 Uhr. Die bordeigene Pizzeria bietet kostenfrei Pizza und Pasta von 10:30 bis 18:30 Uhr an. 15:30 bis 16:30 Uhr gibt es Kaffee, Tee und Kuchen und Torten und Eis und Schnittchen und Gebäck. 18:00 Uhr – 20:00 (bzw. in der zweiten, in unserer Sitzung ab 20:00 Uhr) ist Abendbrotzeit. Dabei heißt Abendbrot allerdings immer mehrgängiges Menü. Und von 23:00 Uhr bis Mitternacht laufen noch einige nette Menschen durchs Schiff, die gratis Leckereien wie Hühnerbeine, Toast Hawaii, Gehacktesbällchen usw. feilbieten.
Der bordeigene Irish Pub öffnet um 07:00 Uhr. Spätestens 10:00 Uhr haben dann alle CLunbs, Lounges und Bars auf. Die Getränke, die dort gereicht werden muß man allerdings zahlen. Doch fällt das nicht schwer. Zum einen habe ich ein Bordguthaben von 50 EUR, das noch versof^wverbraucht werden will, zum anderen fällt Bezahlen sehr leicht, denn die pfiffigen Kellnerinnen und Kellner kennen einen sehr schnell mit Namen und Kabinennummer und so braucht man nicht einmal seinen Bordausweis zu zücken. Allerdings muß man für jedes Getränk unterschreiben. Abgerechnet wird dann am Schluß. Man kann aber auch jederzeit eine Zwischenabrechnung vornehmen lassen.
Nun ißt man natürlich nicht ständig auf so einer Reise. Gewitzt durch vorhergehende Fahrten ließen wir täglich ein, zwei Mahlzeiten weg und durchstreiften stattdessen das Schiff. So gab es einen Schaukasten, der uns über Ereignisse in der Welt informierte, an dem ich täglich haltmachte. An diesem Tag erfuhr ich vom Tode der Schauspielerin Elisabeth Volkmann, bekannt aus Klimbim und als deutsche Stimme der Marge Simpson. In der Kabine war zwar ein Fernsehgerät, aber in der momentan besuchten Region der Welt hat man keinen kommerziellen Fernsehsatelliten über sich, der dieses Gerät versorgen kann. Es läuft aber ein bordeigenes Fernsehprogramm mit Dokumentationen, Spielfilmen und mit Infos von der Brücke (Kamera, Wetter- und Fahrtdaten).
Ich schalte den Fernseher aber nur sehr selten ein. Das Bordradio hat nur zwei Programme (sowas wie Klassik, wiederholt sich ständig und sowas wie Unterhaltung, wiederholt sich auch ständig). Aber ich habe ja das Notebook dabei, welches üppig mit MP3 befüllt ist und ein Abspielgerät ist auch vorhanden. Und in Island erwarb ich ja schöne CDs.
Der heutige Tag jedenfalls wird verbracht mit Skatspiel, mit dem Besuch eines Vortrages über Spitzbergen, mit dem Schreiben zahlreicher Postkarten (Zeit drängt) und meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Beobachten des Meeres. Ich bin einfach zufriedenzustellen, ich brauche nur etwas Platz und bewegtes Wasser und dann ist für mich die Welt in Ordnung. Nun, Plätze haben wir genug und Wasser auch. Am späten Nachmittag sichte ich das erste Mal in meinem Leben Wale. Ein Exemplar schmimmt keine 10 Meter neben dem Schiff und stößt gewaltige Fontänen aus. Alle Beobachter sind begeistert und keiner hat einen Fotoapparat dabei. Trotz leichtem Schnupfens (medikamentös hervorragend bekämpft) bin ich oft draußen und stehe im eisigen Nordwind. Mir kann er nichts mehr anhaben, ich habe ja in Island winddichte Oberbekleidung samt Mütze erworben. Der Wind greift sich aber meine Skatkarten, diese wirbeln nur kurz auf dem Deck hin und her und verschwinden ruck-zuck im eisigen Nordmeer. Also, wer da oben ein deutsches Blatt findet, der weiß jetzt, von wem das stammt.
Am Abend werden in der Lounge im festlichen Rahmen Couplets der 20er Jahre geboten. Darauf verzichten wir dankend, sondern schwätzen lieber in einer der zahlreichen Bars. Da wir ständig irgendwelche Zeitzonen durchqueren, wird schon wieder die Uhr umgestellt. Ich mache noch einen Nachtspaziergang. Daß es 01:30 Uhr ist, merkt man nicht, es ist sehr hell. Morgen früh sollen wir Spitzbergen erreichen, also gehe ich erwartungsvoll ins Bett.

Wie man sieht, ist der Außenpool beheizt und zu jedem Wetter beliebt, vor allem bei den Kindern.

Nachts halb zwei auf dem Oberdeck. Es ist ziemlich hell und ich bin nicht der einzige Nichtschläfer.
Sonntag, 30.07.2006 – Seetag – Passage der Insel Jan Mayen

Man achte auf den Sonnenaufgang.
Heute ist es ungemütlich. 8 Grad, Nebel und leichter Wind, da hält man sich nicht ewig draußen auf. Ich tigere durchs Schiff und hole zahlreiche Postkarten an der Rezeption, die ich heute und morgen beschreiben werde. Ich muß mir das Lachen sehr verbeißen, als vor mir eine Dame nach der aktuellen Tageszeitung fragt. Ihr ist offensichtlich entgangen, wo wir uns befinden.
10:30 Uhr ist am Sonnendeck, daß nun eher Nebeldeck heißen sollte etwas im Gange. Ich strebe dahin und lache mit zahlreichen Mitreisenden, als Neptun leicht verspätet die Polarkreistaufe macht. Mittlerweile zeigt mein Navigationssystem schon 70 Grad nördlicher Breite. Nach dem Mittagessen suche ich zum Skatspiel den dritten Mann. Sogar ein Vierter wird gefunden und schon sitzen wir im Spielzimmer und kloppen einen wunderschönen Skat.
Am frühen Abend taucht die Insel Jan Mayen aus dem Nebel auf. Alle stehen am Deck und gaffen das kahle Stück Fels an. Bei der Passage des Beerenbergs zeige ich auf meinem Notebook einige Bilder eines Bekannten, der auf der Vistamar im Vorjahr eine ähnliche Tour unternahm. Er hatte das unendlich große Glück, die Insel ohne Nebel und Wolken zu erleben. Ein mitreisender norwegischer Kapitän berichtete gar unter Tränen, das er den Berggipfel das erste Mal in 30 Jahren gesehen hätte.
Irgendwann verschwindet die Küstenlinie der Insel aus der Sicht und wir gehen zum Abendessen. Das tolle Abendgesangsprogramm der Kellner ist mittlerweile ein beliebter Tageshöhepunkt. Heute wird uns eine Elvis-Schnulze (fallin‘ in love with you) geboten.
Fraußen sind 6 Grad und es ist diesig. So sehen wir keine Sonne. Tatsächlich ist es gegen Mitternacht aber noch so hell, daß man lesen könnte. Doch ich lese lieber im Bett und so geht auch dieser Tag zu Ende und das Schiff strebt weiterhin mit 24 Knoten Richtung Norden.

Blick in die Kabine. Alles da, was man braucht. Ich bin nur zum Umziehen und Schlafen drin.

Wenn schon kein Äquator, dann wenigstens der Polarkreis als Taufanlaß.

Ein Blick auf die Internet-Surfstationen. So sah es dort immer aus, denn die Preise für die Benutzung waren prohibitiv (2 EUR pro Kilobyte Upload).

Die westliche Küstenlinie der Insel Jan Mayen.

Der Beerenberg in all seiner 2.277 Meter Höhe Pracht. Das Bild stammt von einem Bekannten, der vor rund einem Jahr die Stelle passierte.

Tja, dunkler wurde es nicht, komisch.
Samstag, 27.07.2006 – Akureyri, Godafoss und Laufas
Bei herrlichem Wetter (16 Grad. leicht bewölkt) fahren wir den ganzen Vormittag an der beeindruckenden Westküste Islands entlang. Man sieht Vulkankegel, eisbedeckte Bergkuppen, manchmal ein Fischerdorf oder eine Schlaufe der Ringstraße 1, die rund um die Insel führt.
Mein Navigationsgerät bestätigt, daß ich mich auf meinem am weitesten westlich entfernten Punkt von zu Hause befinde, den ich bisher je erreichte. Zwischen 10:00 und 12:00 finden ich noch Zeit, einen Skat zu kloppen. Das
Gegen Mittag fahren wir in den Fjord ein, an dessem Ende Islands viertgrößte Stadt Akureyri liegt. Viertgrößte Stadt bedeutet in dem Fall, daß dort keine 20.000 Menschen wohnen.
Gegen 14:00 Uhr gehen wir von Bord und besteigen die Busse. Auch diesmal haben wir Glück: unser Reiseführer liebt seine Heimat. Da er viele Jahre als Ingenieur in Kassel arbeitete, beherrscht er fließend die deutsche Sprache. Er erzählt nicht nur über Land und Leute, sondern spickte seine Kommentare mit Anekdoten, wissenschaftlichem Hintergrundwissen, Geschichte und Mutterwitz. Wie sehr ein gelungener Busausflug doch vom Reiseführer abhängt! Nach wenigen Kilometern hält der Bus schon. Wir parken gegenüber dem Hafen und haben einen schönen Blick über Akureyri und seine 24 Gipfel. Diese sind zwischen 1250 und 1500 Metern hoch. Alle Jahre findet ein Wettlauf statt, der über alle 24 Gipfel führt. Der Rekord stand 2006 bei 19 Stunden, Respekt!

Ein Blick auf die Westküste Islands.

Mein Navigationssystem. Mit Sextant und Co. war die Bestimmung der Länge und Breite spannender.

Der Fjord von Akureyri. Ausblick nach Backbord (also in Fahrtrichtung links bzw. nach Norden.

Der Fjord von Akureyri. Ausblick nach Steuerbord (also in Fahrtrichtung rechts bzw. nach Süden.

Unser Schiff liegt im Hafen von Akureyri.

Gunnar, unser kompetenter Reiseführer vor dem Bus.
Eine etwas längere Fahrt führt uns an grünen Wiesen, Bauernhöfen, breiten, aber flachen Flüssen vorbei. Bald stehen wir ehrfurchtsvoll vor dem Godafoss und knipsen ihn fleißig. Ich streife durch die unwirkliche Landschaft und beobachte die karge Flora. Weiter geht die Reise, vorbei an Flüssen, schneebedeckten Bergen mit Wasserfällen und Wiesen voller Ponys. Dazwischen immer wieder vulkanischer Schutt. Schließlich gelangen wir in Laufas an und können uns dort einen kleinen Eindruck vom Leben in früherer Zeit in dieser kargen Welt machen.
In Akureyri besichtigen wir die Hauptstraße und den nördlichsten botanischen Garten der Welt. Trotzt Golfstrom ist das Klima hier eher rauh, so daß hier eher Hochgebirgspflanzen bewundert werden können. Aber es gibt eine größere Anzahl echter Bäume, ein Anblick, der auf Island eher selten ist, denn nur im Südosten gibt es nennenswerte Bestände. Der Garten wurde 1912 von den Frauen von Akureyri gegründet und zu seinem 50jährigen Bestehen von der Stadt in die Obhut genommen. Wir haben eine Stunde Zeit, die zahlreichen Pflanzen zu bewundern.
Anschließend verabschieden wir uns herzlich von unserem Reiseführer und gehen wieder an Bord.
Dort gibt es nach dem Abendessen noch einen kurzen Besuch an der Bar und dann geht die Reise weiter. Am nächsten Morgen werden wir nördlich des Polarkreises sein.

Echte Islandponys. Sie dürfen zwar ausgeführt werden, aber niemals wieder zurück in ihre Heimat.

Berggipfel über Laufas. Der Dampf ist ein gerade ausbrechender Vulkan, äh, ich mein Morgennebel.

Einer der zahlreichen, großen Flüsse des Landes. Sogar während der Busfahrt konnte man zahlreiche, riesige Lachse beobachten. Leider ist Angeln streng überwacht und sündhaft teuer.

Der Nationalwasserfall der Isländer. Nicht der größte, aber der bedeutsamste, wurde hier doch der Grundstein für die heutige Religion gelegt.

Ich liebe diese Sprache. Aber fragt mich nicht, was der Text bedeutet.

Überall findet man solche Steinhaufen, in denen Trolle etc. wohnen.

Nach soviel karger und zwerklüfteter Landschaft tut es richtig wohl, satte grüne Wiesen und gerade Flächern zu erblicken.

Ungestüme Naturgewalten. Ein reißender Wildbach zerteilt das Vulkanhestein.

Laufas – ein nachgestaltetes Dorf, welches aufzeigt, wie man früher in Island wohnte.

Ein kümmerlicher Rhododendron im botanischen Garten. Ein Wunder, daß so nahe am Polarkreis überhaupt so etwas wachsen kann.

Endlich einmal Bäume! Im nördlichsten botanischen Garten der Welt.
Freitag, 28.07.06 – Reykjavik und Blaue Lagune

Zeitig stehe ich auf und erblicke die rauhe Küste Islands. Gegen 8:00 Uhr macht das Schiff in der isländischen Hauptstadt Reykjavik fest. Nach einem geruhsamen Frühstück fahren wir mit einem Shuttlebus (übrigens eine prima Idee) die vier Kilometer ins Zentrum der isländischen Hauptstadt. Wir gehen die Haupteinkaufsstraßen ab, besuchen die wunderschöne Hallgrimskirche, kaufen fleißig, CDs, DVDs (Terminator I, Die Hard I-III), Wollsachen, Mützen und Mitbringsel ein und schwupps, ist der Vormittag auch schon vorbei. Für einen Mitteleuropäer ist Reykjavik enttäuschend, denn das Zentrum ist doch eher spartanisch und karg und erinnert eher an eine Kleinstadt in Deutschlands Osten denn an eine Hauptstadt. Dafür sind die Preise absolut hauptstadtwürdig. Reykjavik ist nach Tokio und Oslo eines der teuersten Pflaster der Welt. Beispiel: 2 Scheiben Melonen kosten umgerechnet 4,50 EUR. Dennoch werden, auch in Hinblick auf die weitere Reiseroute, Stricksachen gekauft. Und ich erstehe, wie schon in der Heimat beschlossen, eine CD von Björk (Gling Glo) und eine von Sigur Ros (Takk in der speziellen Edition). Ferner noch 20 isländische Schlager aus dem Jahr 1968. Die Beschenkte wird sich sicher bis heute gehütet haben, sich das anzuhören. Aber wir sind ja nicht nur wegen eines Stadtbummels nach Island gekommen. Deshalb geht es mit dem genialen Shuttle-Bus für 3,50 EUR zurück aufs Schiff und wir packen unsere Badesachen für unseren Ausflug zur blauen Lagune.

Hmm, ich kann die Aufschrift nicht verstehen, wir müssen in Island sein.

Die Arielle im Hafen von Reykjavik.

Die Hallgrimskirche in Reykjavik.

So schlicht kann ein Altar in einer Kirche aussehen. Überhaupt – Schlichtheit statt Pomp dominiert.

Direkt vor der Kirche steht das Denkmal Leif Erikssons, der ja 1001 als erster Europäer Amerika entdeckt hat (haben soll). Das Denkmal ist eine Spende der US-Amerikaner.

Was findet man in Auslagen? Norddeutsches Notgeld!

Entschuldigen Sie, führen sie zufällig Wollpullover oder andere Produkte aus dieser kratzenden isländischen Wolle?
Pünktlich 13:30 Uhr fährt unser Bus, bis auf den letzten Platz besetzt, los. Die Fahrt zur ca. 40 Kilometer entfernten Lagune ist unvergeßlich, führt sie doch durch die unwirkliche von Vulkanausbrüchen geprägte Landschaft Islands. Wenn man einen Science-Fiction-Film drehen möchte, dann ist Island an fast jeder beliebigen Stelle die erste Wahl. Fremder und unirdischer sah ich nirgends Landschaften. Ich bewundere den Elan, die Unverdrossenheit und den Mut und Ehrgeiz der Isländer, in dieser seltsamen Welt leben zu können. Diese kaum 300.00 Menschen beeindrucken mich stark. Wie alle Unbilden der Natur gemeistert werden, wie wertvoll der Einzelne ist, die tiefe Gläubigkeit und die Naturverbundenheit kann man überall beinahe mit Händen fassen.
Die blaue Lagune hat natürlich nichts mit dem Film zu tun, in dem die minderjährige Brooke Shields halbnackt weichgezeichnet durchs Bild geisterte.
Aber selten sah ich ein unwirklicheres Schwimmbad in einer unwirklicheren Landschaft. Das Wasser war von einem intensiven unwirklichen Blau. Eigentlich ist es ja Abwasser. Ein geothermisches Kraftwerk in der Nähe nutzt die Hitze des 250 Meter unter der Lagune liegenden Hotspot aus. Das stark mineralhaltige Abwasser wurde einfach in die bizarre Landschaft entlassen. Irgendwann entdeckten einige pfiffige Isländer, daß man darin prima baden kann. Heute ist die blaue Lagune ein international beliebtes Bad mit anerkannter Heil* und Linderungswirkung bei vielen Krankheiten, vor allem Neurodermitis. Das Wasser hat mindestens 35 Grad, aber in bestimmten Bereichen übersteigt es auch schon einmal die 40 Grad Celsius. Überall sind Nischen, in denen sich eine weißliche, talgartige Masse befindet, mit der man das Gesicht und den Körper bestreicht. So sehen die meisten Menschen in dieser unirdischen Umgebung auch noch aus wie Außerirdische. Wir Touris fühlen uns pudelwohl und genießen das Bad in vollen Zügen. Hier will ich ganz sicher noch mehrfach hin in meinem Leben. Unsere Reiseführerin Monika ist 1976 von Koblenz aus nach Island ausgewandert und schafft es auf der Rückfahrt, genauso wie auf der Hinfahrt und allerlei Interessanten vom Land zu vermitteln. Beeindruckend, wie man in diese wirre Landschaft überhaupt Straßen bauen konnte. Obwohl Hochsommer ist, entdecke ich nur spärliche Flechten und Moose, ansonsten ist alles leer und kahl. Manchmal zweigen Wege ins Niemandsland ab, die von hohen Holzstäben flankiert werden. Die Rückroute führt uns am internationalen Flughafen und der amerikanischen Flugbasis vorbei zurück durch Reykjavik zum Schiff.
Gegen 18:00 Uhr heißt es „Leinen los!“ und der Schlepper zerrt uns vorbei am Wohnsitz des Ministerpräsidenten aufs freie Wasser. Es gibt noch einen kurzen Zwischenstop, denn ein weiblicher Passagier hatte sich beim Einkaufen in der Zeit vertan und mußte nun zur Strafe und zur allgemeinen Belustigung, samt vier schwerer Einkaufstüten vom Hafenmeisterboot über die Strickleiter an Deck klettern.
Wir essen zu Abend, anschließend findet eine sehenswerte San-Francisco-Show statt und keine 326 Seemeilen (603 Kilometer) trennen uns nun von unserem zweitem Aufenthalt auf dieser einsamen Insel. Das Schiff ist spürbar leerer, denn rund 100 Mitreisende wählten eine Landtour durch Island mit Übernachtung. Wir werden sie am folgenden Tag wieder an Bord nehmen.

So sieht es vor der blauen Lagune aus.

Ein Blick aus dem Empfangsbereich in die blaue Lagune.

Vulkanische Landschaft auf dem Weg von der blauen Lagune nach Reykjavik.
Donnerstag, 27.06.06 – Seetag
Die Orkney-Inseln liegen hinter uns und die Arielle ist auf dem Weg nach Island. Die zurückzulegende Strecke beträgt 680 Seemeilen (1259 Kilometer).
Der Seegang nimmt immer mehr zu. Die Schar der Gäste dünnt merklich aus und das Bordpersonal legt flächendeckend Tüten aus. Mir bereitet das hin- und herwankende Schiff nur Freude. Also bis Seestärke sieben, das weiß ich jetzt definitiv, bin ich wohl voll seetauglich. Ansonsten ist es leicht bewölkt bei 16 Grad.
Da heute nicht allzuviel zu berichten ist, an dieser Stelle ein paar Worte zum Schiff und zum Tagesablauf:
Die Arielle wurde für Kreuzfahrten von Amerikanern in der Karibik konzipiert. So erklären sich die überaus zahlreichen Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien. Freilich nützen die uns später im hohen Norden eher nichts. Hier der Deckplan der Arielle (klicken zum Vergrößern).

Meine Kabine war A87 auf dem Adria Deck. Es war das erste Mal. daß ich eine Innenkabine belegte und ich war begeistert. So gut und so viel wie auf dieser Reise schlief ich wohl nur als Baby. Meine Mutter berichtete Ähnliches. Tip für Kreuzfahrtneulinge: Die besten Kabinen sind immer in der Mitte, da schwankt das Schiff am wenigsten. Und nie Kabinen nehmen, wo Außenpromenaden sind. Denn dann starren einem immer nonstop alle Mitreisenden in die Kabine, abgesehen vom Krach. Da auf deutschen Kreuzfahrten keine Trennung nach der Kabinenklasse vorgenommen wird (bei Briten und Amis ist das üblich), ist es also egal, ob man für 500 EUR zu viert „bei den Ratten“ in Kielnähe liegt, eine günstige Innenkabine belegt oder auf dem Promenadendeck die 5.000-EUR-Suite gebucht hat. Essen, Ausflüge und Service sind für alle gleich.
Apropos Essen: Gewicht halten ist eher problematisch. Man bekommt eigentlich den ganzen Tag, sozusagen nonstop, alle möglichen Leckereien in allen Formen, Farben und Größen angeboten, so daß man kaum widerstehen kann. Kreuzfahrtgewitzt wie ich war, nahm ich meist im Bistro ein frugales Mahl, manchmal ließen wir uns aber auch über eine Stunde im großen Restaurant zum Frühstück mit Bedienung Zeit. Mittag gab es als Buffet im Bistro und in lockerer Form mit Bedienung im Restaurant. Das Abendbrot wurde in zwei Sitzungen gericht und war meist pompös. Selbstverständlich gab es auch Kaffee und Kuchen, diverse Snacks, Pizzen usw. jederzeit kostenlos. Als Beispiel hier eine Abendkarte des Tages:

Der Tag vergeht also geruhsam mit Essen, Lesen (Harry Potter and the order of the phoenix), Quatschen, Einkaufen, Informationsveranstaltungen mit anschließender Ausflugsbuchung, Essen, Mittagsschlaf, Drink trinken, Essen usw..
Freizeitgestaltungsmöglichkeiten gibt es in Fülle, denn so ein Kreuzfahrtschiff ist eine schwimmende Stadt. Hier gibt es eine Einkaufsstraße, Kino, Apotheke, Casino, Friseur, Massage, Internetsurfstationen (allerdings mit prohibitiven Preisen von 2 EUR pro Kil
obyte (sic!)), Fotogeschäft, ein Hospital, Saunen, Spielzimmer, Bibliothek, Muckibude usw.
Täglich gibt es diverse Unterhaltungs- und Sportprogramme, Infoveranstaltungen… Doch am interessantesten sind sicher die zahllosen netten Plaudereien, Schwätzereien, Fachsimpeleien, tiefschürfenden Gespräche mit den anderen Kreuzfahrtteilnehmern.
Den Abend genießen wir wieder unsere „Showtime“ im Restaurant und beenden ihn mit einem Absacker in der Bar.

Sturm im Pool, wenig später mußte er wegen Seestärke 7 abgelassen werden.

Unser Abendbrottisch, an dem ein Herr aus Berlin und ein Herr aus Münster saßen, die ohne Gemahlin Urlaub machten.
Mittwoch, 26.07.2006 – Kirkwall – Orkney-Inseln
Schon 6:00 Uhr (eigentlich ist es ja 7:00 Uhr) tigere ich mit einigen Gleichgesinnten über das Sonnendeck und genehmige mir einen Kaffee. Das Wetter verspricht trotz starken Morgennebels prächtig zu werden, die See wie ein Spiegel, ich werde wohl nie rauhe See erleben.

Es ist dunstig auf See.

Viel Spaß beim Suchen des Feueralarmknopfes.

Toller Hinweis auf dem Lift und bedauernswerter Maschinenraum.
Gegen 10:00 Uhr erreichen wir nach 717 Seemeilen (1327 Kilometern) unser erstes Ziel, das nordöstliche Ende von Großbritannien, die Orkney-Inseln mit der Hauptinsel Mainland, und begeben uns in deren Zentrumsstadt Kirkwall auf Erkundungstour. Viele Passagiere hatten eine Inselrundfahrt gebucht, ich gehöre zur Minderheit derer, die sich eine echte schottische Whiskydestillerie anschauen wollen. Gesagt – getan. Bus 12, Einstieg englisch links, bringt uns rasch in die Highland Park Distillery. Die nördlichste Destille Schottlands wurde 1798 gegründet. Wir werden gleich zu Beginn mit einem Glas wohlschmeckenden Single Malt begrüßt. Während ich diese Zeilen schreibe, genehmige ich mir ein Gläschen dieses edlen Tropfens. Der anschließend gezeigte Film ist witzig gemacht und kurzweilig-informativ. Danach werden wir in 12er-Grüppchen geteilt. Meine Gruppe wird von Anna, die einen herrlichen Norddialekt spricht, durch die einzelnen Stationen der Whiskyherstellung geleitet, Vieles ist seit 100 Jahren unverändert und bürgt so für gleichbleibende Qualität. Wir schnüffeln an Torf, bewundern die Hallen, in denen das Getreide per Hand gewendet wird und starren ehrfürchtig in die gut geschützte Lagerhalle, in denen teilweise seit 1968 in endlosen Reihen die edle Flüssigkeit in Holzfässern reift. Wir werden auf ein Jubiläumsfaß aufmerksam gemacht, welches Prinz William 2005 höchstselbst befüllte. Lustig ist auch ein kleines 20-Literfaß am Anfang des Sichtbereiches. Dieses gewann im Jahre 2000 der 250.000ste Besucher dieser Anlage. 2012 darf er es dann endlich genießen.

Aus dem Dunst schält sich die Hauptinsel mit Kirkwall.

Wir sortieren uns in die Busse.

Der Eingang der Highland Park Destillerie.

Der Traum jedes Alkoholikers – Single Malt Whisky in Fässern, soweit das Auge reicht.
Nach dem Besuch der Whisky-Destillerie fährt uns der Bus quer durchs Land zu einer, wer hätte das erwartet, zu einer italienischen Kapelle. Kriegsgefangene aus Italien errichteten zwischen 1941 bis 1943 dieses Kleinod. Zum Schluß besuchen wir noch die St. Magnus Cathedral, einen trutzigen und eindrucksvollen Kirchbau aus rotem Gestein, welcher die Baustile mehrerer Jahrhunderte harmonisch in sich aufnimmt und seine skandinavischen Väter nicht verleugnen kann. Stolz zeigt uns die einheimische Führerin einen Eisenring, an dem Oliver Cromwell sein Pferd festmachte. Beeindruckender sind natürlich die prachtvollen Fenster und die Särge der Erbauer. Auf dem Kirchfriedhof kann man auf beinahe jedem Grabstein den Namen Copland finden.

Eine der zahlreichen Sperren im Meer, die im zweiten Weltkrieg das Durchkommen deutscher U-Boote verhindern sollten.

Eine italienische Kappelle. Nicht vom Eingang täuschen lassen, dahinter ist ein gewöhnlicher Bunker.

Seltsame Steinkreise auf Kirkwall.

Die gewaltige St. Magnus Kirche.

Da ist er! Der Ring, an dem damals Oliver Cromwell sein Pferd festmachte.

Der Beweis: auf allen Steinen steht Copland.
Auf der Rückfahrt zum Schiff wird uns nicht nur der erst vor einem Monat eröffnete Lidl-Markt gezeigt, sondern der Busfahrer berichtet auch noch, daß am heutigem Tage mit 28 Grad Celsius der heißeste Tag des Jahres auf den Inseln herrscht. Wir Deutschen, eben der 10 Grad heißeren Gluthitze der Heimat entkommen, können da nur müde lächeln.
Mutti hatte leider nicht so viel Glück mit ihrer gebuchten Inselrundfahrt, denn dort war alles viel zu oberflächlich und viel zu gedrängt. Das lag zum einem am straffen Zeitplan der Reisegesellschaft und zum anderen an der Vielzahl der Teilnehmer. Darüberhinaus hatte sie auch Pech mit der (sehr dicken und sehr schwitzenden und schlecht deutschsprechenden) Reiseleiterin; bei Busfahrten ein nicht zu unterschätzender Faktor.
Dennoch bekam sie einen ersten Eindruck vom Geruch der Insel, sah Schafe, die in Koppeln direkt am Meer, dort wo die Wasser des Atlantik und der Nordsee sich mischen, gehalten werden, damit ihr Fleisch schon „naturgesalzen“ ist (deren Fleisch erzielt in Paris zu Weihnachten locker preise von 800 EUR/Kilogramm), sammelte Steine und Muscheln an altnordischen Versammlungsplätzen (Steinkreise), bewunderte zahllose brütende Vögel auf der Vogelinsel und sah seltsame Pflanzen, die sie bis heute nicht zuordnen konnte. Die „gesalzenen“ Orkneyschafe sind übrigens der Exportschlager der Insel. So wundert es nicht, daß hier auf einen Einwohner 20 Nutztiere fallen. Die Hirschfamilie, die ich auf meiner Fahrt sah, war allerdings nicht heimisch, sondern nur zur Bereicherung der Speisekarte eingeführt worden.
Auf dem Schiff essen wir recht spät Mittag und verbringen bei herrlichem Wetter auf dem Sonnendeck den Nachmittag.
Das Abendbrot nehmen wir diesmal im Avalon-Restaurant ein. Dort lernen wir einen Programmpunkt kennen, den wir uns von nun an kaum entgehen lassen. Zum Ende des Mahles singen fast alle Bediensteten ein nettes kleines Lied mit Tambourin und Gitarre und Händeklatschen begleitet und von den Gästen tatkräftig unterstützt. Als Zugabe, die es immer gibt, singt ein kleiner, älterer Asiate mit einer beachtenswerten Stimme ein weiteres Lied (Beatles?). Wir sind nicht nur angetan sondern regelrecht begeistert. Nach einem Cocktail aus der Moonlight-Bar gehe ich zu Bett und schlafe, wie schon die erste Nacht wie ein Baby. Das mag auch am mittlerweile recht starken Seegang liegen, der das Bett wie eine Wiege hin- und herschaukelt.
Wie ich bereits schrieb, beantragte ich einen neuen Paß. Nun, hier ist er.

Und da man nicht sicher genug sein kann und selbst Paranoiker manchmal verfolgt werden, transportiere ich ihn nun nur noch so:

Ein Kunde nutzt einen Dell-Farblaser. Da sich sowohl der schwarze als auch der cyanfarbener Toner dem Ende neigten, orderte ich letzte Woche bei Dell drei Farbtoner cyan, magenta und gelb und eine schwarze Kartusche mit hoher Kapazität. Der Spaß kostete mehr als 400 EUR.
Die Lieferung traf Anfang der Woche ein und wurde von einer Angestellten angenommen.
Heute nun meldete der Drucker Toner alle (schwarz und cyan). Der Kunde holte mich hinzu, da er mit dem Wechseln der Kartuschen nicht zurechtkam.
Das war auch gut so, denn ich traf folgendes Deseaster an:
Die Kartusche Cyan war in der Lieferung überhaupt nicht enthalten gewesen, wohl aber auf dem Lieferschein und der Rechnung.
Die Kartusche schwarz mit hoher Kapazität war zwar im Karton originalverpackt, aber nicht mehr in Folie, ohne Sicherung und ohne Arretierung und völlig leer.
Da der Kunde kein Farbkartuschentauschexperte ist, hatte er in seiner Verzweiflung die (originalverpackten) Kartuschen gelb und magenta bereits eingesetzt, obwohl diese noch nicht aufgebraucht waren. Also war der maximale Schaden erreicht.
Offensichtlich hatte also ein unliebsamer Zeitgenosse im Auslieferungslager oder bei der Spedition Eigenbedarf an Toner Cyan und Schwarz und diesen Eigenbedarf befriedigt.
Der Kundenberater bei Dell war sichtlich geschockt und versprach bis Montag nächster Woche kostenfreie Nachlieferung der beiden Kartuschen.
Und beim Kunden mußte heute auf Farblaserdruck verzichtet werden.